Internationales Einheitensystem (SI)
Im Internationalen
Einheitensystem, auch als
SI
bezeichnet (das ist die Abkürzung für das französische
Système
International d' Unitès) sind
Basiseinheiten (Grundeinheiten)
für sieben physikalische Größen festgelegt. Aus diesen sieben
Basiseinheiten lassen sich die meisten anderen Einheiten des Internationalen
Einheitensystems ableiten.
Basiseinheit Kilogramm
(Zeichen: kg) als Einheit für die Masse:
Das Kilogramm ist gleich der Masse des internationalen Kilogrammprototyps
(Bild 1).
Basiseinheit Meter
(Zeichen: m) als Einheit für die Länge:
Das Meter ist die Länge der Strecke, die Licht im Vakuum während
der Dauer von 1/299 792 458 Sekunden durchläuft.
Basiseinheit Sekunde
(Zeichen: s) als Einheit für die Zeit:
Die Sekunde ist das 9 192 631 770-fache der Periodendauer
der dem Übergang zwischen den beiden Hyperfeinstrukturniveaus des Grundzustandes
von Atomen des Nuklids Cs-133 (Caesium) entsprechenden Strahlung (Bild 2).
Basiseinheit Ampere
(Zeichen: A) als Einheit für die elektrische
Stromstärke:
Das Ampere ist die Stärke eines konstanten elektrischen Stromes, der,
durch zwei parallele, geradlinige, unendlich lange und im Vakuum im Abstand
von einem Meter voneinander angeordnete Leiter von vernachlässigbar
kleinem, kreisförmigen Querschitt fließend, zwischen diesen Leitern
je einem Meter Leiterlänge die Kraft von
Newton
hervorrufen würde.
Basiseinheit Kelvin
(Zeichen: K) als Einheit für die Temperatur:
Das Kelvin ist der 273,16te Teil der thermodynamischen Temperatur des Tripelpunktes
des Wassers.
Basiseinheit Mol
(Zeichen: mol) als Einheit für die Stoffmenge:
Das Mol ist die Stoffmenge eines Systems, das aus ebensoviel Einzelteilchen
besteht, wie Atome in 0,012 Kilogramm des Kohlenstoffnuklids
enthalten sind. Bei Benutzung des Mol müssen die Einzelteilchen spezifiziert
sein und können Atome, Moleküle, Ionen, Elektronen sowie andere
Teilchen oder Gruppen solcher Teilchen genau angegebener Zusammensetzung
sein.
Basiseinheit Candela
(Zeichen: cd) als Einheit für die Lichtstärke:
Die Candela ist die Lichtstärke in einer bestimmten Richtung einer
Strahlungsquelle, die monochromatische Strahlung der Frequenz
Hertz
aussendet und deren Strahlstärke in dieser Richtung 1/683 Watt durch
Steradiant beträgt.
Abgeleitete Einheiten
Aus diesen Basiseinheiten können weitere Einheiten abgeleitet werden.
Eine abgeleitete Einheit ist z. B. die Einheit für das Volumen: Ein
Kubikmeter (1
)
ergibt sich aus der Basiseinheit Meter.
Verschiedene abgeleitete Einheiten haben auch spezielle Bezeichnungen
erhalten. So ist z. B. die Einheit für die Kraft das Newton (Zeichen:
N):
Die Einheit für die Kraft ist aus den Basiseinheiten Kilogramm, Meter
und Sekunde zusammengesetzt.
Verantwortlich für die Darstellung der gesetzlichen Einheiten und
für die Aufbewahrung von Normalen (z. B. die Kopie des Urkilogramms,
siehe Bild 1) ist in der Bundesrepublik Deutschland die Physikalisch-Technische
Bundesanstalt in Braunschweig und Berlin.
Zur Geschichte des Internationalen
Einheitensystems
Im 19. Jahrhundert gab es zahlreiche Bemühungen, für die Einheiten
von Größen zu internationalen Vereinbarungen zu kommen. Der
Grund für diese Bemühungen lag nicht nur in der schnellen Entwicklung
der Naturwissenschaften selbst, sondern auch im zunehmenden Austausch
von Informationen und Waren zwischen den verschiedenen Ländern. Unterschiedliche
Einheitensysteme und ungenaue Festlegungen erschwerten den Austausch von
Informationen und Waren. Nachfolgend sind einige wichtige Etappen der
Entwicklung des Internationalen Einheitensystems genannt.
- 1800: In Frankreich führt eine Kommission unter Leitung des Mathematikers
PIERRE SIMON LAPLACE (1749-1827) die Definition der Längeneinheit
"Meter" offiziell ein. Das Meter wird festgesetzt als 40-millionster
Teil des durch Paris verlaufenden Längengrades der Erde.
- 1806: Die französischen Mathematiker PIERRE FRANCOIS ANDRE MECHAIN
und JEAN-BAPTISTE JOSEPH DELAMBRE erarbeiten eine wissenschaftliche
Grundlage für das metrische Maßsystem.
Die Wissenschaftler gehen von dem in Paris hinterlegten Urmeter
aus. Für Vielfache und Teile benutzten die Mathematiker das Dezimalsystem
und führten die Vorsilben Kilo-, Dezi-, Zenti- und Milli-
ein. Vom Meter wird die Volumeneinheit Kubikdezimeter abgeleitet, die
sie Liter nennen. Davon wiederum leiten sie die Masseeinheit her: 1
kg ist die Masse von einem Kubikdezimeter Wasser bei 4 °C. Als Zeiteinheit
fügen sie die Sekunde als 86 400sten Teil eines mittleren
Sonnentages hinzu.
- 1833: Einen wichtigen Schritt machen die deutschen Forscher CARL FRIEDRICH
GAUSS (1777-1855) und WILHELM EDUARD WEBER (1804-1891) mit der Schaffung
des cgs-Systems. Basiseinheiten dieses
Systems waren das Zentimeter (Zeichen: cm),
das Gramm (Zeichen: g) und die
Sekunde (Zeichen: s); daher
auch die Bezeichnung cgs-System.
- 1871: Im Deutschen Reich wird das metrische Maßsystem mit einem
Reichsgesetz als verbindliches Einheitensystem eingeführt.
- 1875: Es erfolgt der Abschluss der Internationalen Meterkonvention,
bei der international ein Meter als Längeneinheit (Bild 3) und
ein Kilogramm als Masseeinheit vereinbart werden. Das ist ein wichtiger
Schritt zur Vereinheitlichung der Definition physikalischer Einheiten.
- 1881: In Paris tagt der erste Elektrikerkongress und trifft zahlreiche
Festlegungen zu Maßeinheiten. So wird z. B. das von GAUSS und
WEBER entwickelte cgs-System übernommen. Darüber hinaus werden
auch die Einheiten Ampere, Coulomb, Farad, Ohm und Volt festgelegt.
So ist z. B. ein Ampere die Stromstärke, die bei der Elektrolyse
von Silbersalzen in einer Sekunde 1,118 mg Silber abscheidet.
- 1889: Auf der 1. Generalkonferenz für
Maß und Gewicht (CGPM, Abkürzung für das französische
Conférence Générale
des Poids et Mesures)
werden die ersten Definitionen der internationalen Basiseinheiten "Meter"
und "Kilogramm" getroffen. Das Urkilogramm,
ein Zylinder aus Platin und Iridium von 39 mm Höhe und 39 mm
Durchmesser, wird in Sèvres bei Paris aufbewahrt. Die Kopie Nr.
52 für Deutschland befindet sich in der Physikalisch-Technischen
Bundesanstalt in Braunschweig (Bild 1), ebenso die Kopie für das
Urmeter (Bild 3).
- 1893: Im deutschen Reichs-Gesetzblatt wird das "Gesetz betreffend
der Einführung einer Einheitlichen Zeitbestimmung" veröffentlicht.
Darin heißt es: "Wir Wilhelm von Gottes
Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen verordnen ...,
was folgt: Die gesetzliche Zeit in Deutschland ist die mittlere Sonnenzeit
des fünfzehnten Längengrades von Greenwich".
- 1946: Der amerikanische Physiker WILLARD FRANK LIBBY erfindet die
Atomuhr. Der erste Zeitmesser dieser
Art wird zwei Jahre später für das National Bureau of Standards,
das nationale amerikanische Normungsinstitut, gebaut. Die Uhr arbeitet
durch Zählen der Eigenchwingungen von Caesiumatomen. 1967 wird
die aus Caesiumatom-Schwingungen bestimmte Sekundendauer als neue internationale
Zeiteinheit festgelegt.
- 1960: Durch die 11. Generalkonferenz für Maß und Gewicht
wird die Bezeichnung "Systeme International d' Unites" (Internationales
Einheitensystem) und die Abkürzung SI für dieses System
festgelegt. Die international vereinbarten SI-Basiseinheiten sind
- das Meter (1 m) als Einheit der Länge bzw. des Weges,
- das Kilogramm (1 kg) als Einheit der Masse,
- die Sekunde (1 s) als Einheit für die Zeit,
- das Ampere (1 A) als Einheit für die Stromstärke,
- das Kelvin (1 K) als Einheit für die Temperatur,
- das Mol (1 mol) als Einheit für die Stoffmenge,
- die Candela (1 cd) als Einheit für die Lichtstärke.
- 1967: Die 13. CGPM legt fest: Eine Sekunde ist das 9 192 631 770-fache
der Periodendauer der dem Übergang zwischen den beiden Hyperfeinstrukturniveaus
des Grundzustandes von Atomen des Nuklids Cs-133 entsprechenden Strahlung.
In Deutschland werden Zeitsignale über die Atomuhr in der Physikalisch-Technischen
Bundesanstalt in Braunschweig gesteuert, darunter auch die Zeitsignale
für Funkuhren, die über den Sender DCF 77 der Telekom in Mainflingen
bei Frankfurt/Main abgestrahlt werden.
Auf der gleichen Konferenz wird festgelegt: Das Kelvin, die Einheit
der thermodynamischen Temperatur, ist der 273,16te Teil der thermodynamischen
Temperatur des Tripelpunktes des Wassers.
- 1983: Die 17. CGPM legt als internationale Basiseinheit das Meter
neu fest: Es ist die Länge der Strecke, die Licht im Vakuum während
der Dauer von 1/299 792 458 Sekunden durchläuft. Damit wird die
Lichtgeschwindigkeit im Vakuum als eine Konstante angenommen. Bis dahin
war die Sekunde festgelegt als der 86 400-ste Teil des mitteleren
Sonnentages (bis 1956) bzw. als der 31 556 925,974 4-ste Teil
des tropischen Jahres.
Eine möglichst genaue Bestimmung der einzelnen Einheiten bleibt
eine aktuelle Aufgabe von Wissenschaft und Technik. In Deutschland ist
für eine möglichst genaue Darstellung von Einheiten die Physikalisch-Technische
Bundesanstalt in Braunschweig und Berlin verantwortlich.