

Der Physiker und Erfinder KARL FERDINAND BRAUN gehörte in der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den Pionieren auf dem Gebiet der Funktechnik. Neben solchen bedeutenden Forschern, wie dem Deutschen HEINRICH HERTZ, dem Russen ALEXANDER POPOW und dem Italiener GUGLIELMO MARCONI, entwickelte er wichtige Grundlagen für die Rundfunk- und die Fernsehtechnik.
Schule, Ausbildung und
berufliche Tätigkeit
KARL FERDINAND BRAUN wurde am 6.6.1850 in Fulda geboren. Er studierte
in Marburg und Berlin Naturwissenschaften und wurde anschließend
Assistent am Physikalischen Labor der Berliner Gewerbeakademie. 1872 promovierte
er bei dem berühmten Naturforscher HERMANN VON HELMHOLTZ
mit einer Arbeit über die Schwingungen von Saiten und ging anschließend
für zwei Jahre nach Würzburg, wo er als Assistent von GEORG
HERMANN QUINCKE (1834-1924) arbeitete. Neben seinen physikalischen Forschungen
beschäftigte er sich auch mit etwas völlig anderem: BRAUN veröffentlichte
in der damals weit verbreiteten Zeitschrift "Fliegende Blätter"
einige satirisch-ironische Beiträge. Schon hier zeigte sich eine
für Naturwissenschaftler nicht so häufige Begabung: Er schrieb
in einem sehr flüssigen Stil und verstand es, sich klar und allgemein
verständlich auszudrücken. Mit seinen literarischen Arbeiten
und mit Nachhilfeunterricht besserte BRAUN sein recht geringes Gehalt
auf.
1873 erwarb BRAUN die Lehrbefugnis für höhere Schulen in den
mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern sowie bis zu den mittleren
Klassen im Fach Deutsch.
Ab 1874 musste BRAUN seinen Lebensunterhalt als Lehrer für Mathematik
und Physik an der Leipziger Thomas-Schule verdienen. Er erhielt dort zunächst
eine "provisorische Oberlehrerstelle" und wurde Ostern 1875
"17. ständiger Oberlehrer". Nach dem Stundenplan der Schule
hat BRAUN 16 Stunden Naturkunde und 8 Stunden Mathematik, also insgesamt
24 Wochenstunden, unterrichtet. Während seiner Tätigkeit als
Lehrer machte sich BRAUN durch viele populärwissenschaftliche Arbeiten
einen Namen. So schrieb er u.a. ein Buch mit einem Umfang von 420 Seiten
unter dem Titel "Der junge Mathematiker und Naturforscher".
Offensichtlich war er auch ein sehr guter Lehrer, denn der Rektor der
Thomas-Schule formulierte beim Ausscheiden von BRAUN aus dem Schuldienst
im Jahre 1877:
"Aus dem Collegium schied zu Michaelis 1877 Oberlehrer
Dr. Braun ... Wir haben den trefflichen Amtsgenossen, der in den wenigen
Jahren seiner hiesigen Thätigkeit den naturwissenschaftlichen Unterricht
mit regem Eifer gefördert und auch bei den dafür erforderlichen
Einrichtungen des neuen Schulhauses unermüdlich mit gewirkt hat,
ungern verloren."
1877 erhielt BRAUN eine Professur für Physik an der
Universität Marburg. 1880 wechselte BRAUN nach Strasbourg, 1883 nach
Tübingen.
In dieser Zeit beschäftigte er sich intensiv mit den physikalischen
Grundlagen der Funktechnik, einem
sich gerade in dieser Zeit sehr schnell entwickelndem Zweig der Technik.
Aufgrund seiner hervorragenden wissenschaftlich-technischen Leistungen
erhielt BRAUN im Jahre 1909 gemeinsam mit dem Italiener GUGLIELMO MARCONI
den Nobelpreis für Physik.
Im Auftrag der Firma Telefunken
reiste BRAUN 1915 in die USA. Dort wurde er wegen des Krieges (Erster
Weltkrieg 1914 - 1918) interniert und starb nach einem Unfall am 20.4.1918
in New York.