
Kernwaffen sind eine Waffenart, bei der die Kernspaltung (Atombomben, Kernspaltungsbomben) oder die Kernfusion (Wasserstoffbomben) genutzt wird. Ihre Entwicklung hängt eng mit dem Zweiten Weltkrieg zusammen.
Zur Entwicklung von Kernwaffen
Bereits kurz nach der Entdeckung der Kernspaltung
durch OTTO HAHN (1879-1968), LISE MEITNER (1878-1968) und FRITZ STRASSMANN
(1902-1980) war vielen Physikern bewusst, dass bei der Kernspaltung viel
Energie frei wird, die möglicherweise auch technisch genutzt werden
kann.
1939/40 existierte in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den
USA und der Sowjetunion etwa der gleiche Kenntnisstand zur Kernenergie,
da auch alle grundlegenden Arbeiten in allgemein zugänglichen Zeitschriften
veröffentlicht worden waren.
Entwicklung in den USA
Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges veränderte sich die Situation
aber grundlegend. Eine Reihe von Forschungen wurden als kriegswichtig
und damit für geheim erklärt. Der Austausch zu Ergebnissen wissenschaftlicher
Forschung war nicht mehr möglich. Aus Europa in die USA emigrierte
Wissenschaftler, darunter auch ALBERT EINSTEIN (1879-1955), machten auf
die grundsätzliche Möglichkeit und auf die Gefahr der Entwicklung
von Kernwaffen im faschistischen Deutschland aufmerksam.
Das gab schließlich den Anstoß zum "Manhattan-Projekt",
zur Entwickung einer amerikanischen Atombombe.
Mit riesigem Aufwand, zu dem in dieser Zeit nur die USA in der Lage waren,
wurden ab 1942 die Arbeiten an einer Atombombe
vorangetrieben. Beteiligt an den Arbeiten waren auch viele Wissenschaftler,
die aus Europa in die USA emigriert waren, u. a. der Italiener ENRICO
FERMI, die aus Ungarn stammenden Physiker EDWARD TELLER, LEO SZILARD und
EUGEN WIGNER, der dänische Physiker NIELS BOHR oder die aus Deutschland
stammenden Physiker HANS A. BETHE, KLAUS FUCHS und JAMES FRANCK. Einbezogen
wurden auch viele britische Kernforscher, u.a. der Entdecker des Neutrons,
JAMES CHADWICK, und der Schöpfer des ersten Zyklotrons, ERNEST O.
LAWRENCE.
Beteiligt waren auch zahlreiche amerikanische Wissenschaftler wie HAROLD
E. UREY (Entdecker des schweren Wasserstoffs), GLENN TH. SEABORG (Mitentdecker
zahlreicher neuer Elemente) oder RICHARD P. FEYNMAN.
Wissenschaftlicher Leiter des amerikanischen Atombombenprojektes war der
amerikanische Kernphysiker ROBERT OPPENHEIMER (1904-1967). Es gelang innerhalb
von 3 Jahren, eine Atombombe zu bauen.
Die erste Atombombe, eine Plutoniumbombe,
explodierte am 16. Juli 1945 auf einem Versuchsgelände in New Mexico
(USA). Die ersten Atombomben wurden am 6. August 1945 über der janischen
Stadt Horishima und am 9. August über der japanischen Stadt Nagasaki
abgeworfen. Die Bombe von Hiroshima nutzte als Kernsprengstoff Uran-235,
die von Nagasaki
Plutonium-239. Die Folge waren unmittelbar Hunderttausende Tote und in
den Jahrzehnten danach weitere Tausende Tote sowie zahlreiche andere Schäden.
Entwicklung in Deutschland
In Deutschland interessierte sich das
Heereswaffenamt für die militärische Nutzung der Kernenergie
und richtete 1939 im Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie in Berlin-Dahlem
eine entsprechende Forschungsstelle ein. Leiter war Dr. DIEBNER. Parallel
dazu wurden an verschiedenen Universitäten Forschungen betrieben.
So wurde 1941 im Physikalischen Institut der Universität Leipzig
ein Versuchsreaktor aufgebaut 1942 lieferte dieser Reaktor mehr Neutronen,
als eine Neutronenquelle in seinem Inneren abgab. Damit war der Beweis
erbracht, dass eine Kettenreaktion technisch realisierbar ist.
Die Berliner Versuche mussten 1945 wegen der Luftangriffe abgebrochen
werden. Der Berliner Versuchsreaktor wurde in einem ehemaligen Weinkeller
in Haigerloch bei Hechingen neu aufgebaut. Das Gebiet wurde im April 1945
von den Amerikanern besetzt, der Reaktor abtransportiert und die beteiligten
Wissenschaftlern in England inhaftiert. Spätere Berechnung ergaben:
Bei einer geringfügigen Vergrößerung des Reaktors hätte
er erfolgreich in Gang gesetzt werden können. Von der Entwicklung
einer Atombombe war man in Deutschland allerdings weit entfernt.
Entwicklung in der Sowjetunion
Anders verlief die Entwicklung in der Sowjetunion.
Auch hier hatten, ähnlich wie in den USA, verschiedene Wissenschaftler
militärische Stellen und die Regierung auf die Möglichkeit des
Baus von Kernwaffen aufmerksam gemacht. Sicher auch in Kenntnis der Entwicklungen
in den USA begann man 1943 in der Sowjetunion unter der Leitung von IGOR
WASILJEWITSCH KURTSCHATOW (1903-1960) an der Entwicklung einer Atombombe
zu arbeiten. Im August 1949 wurde die erste sowjetische Atombombe auf
einem Versuchsgelände gezündet.
Unmittelbar danach - es war die Zeit des Kalten Krieges zwischen der
Sowjetunion und den USA - begann mit der Entwicklung von Wasserstoffbomben
eine neue Runde des Wettrüstens. 1952 wurden durch die USA und 1953
durch die Sowjetunion die ersten Waserstoffbomben gezündet. Die Sprengkraft
dieser Bomben betrug ein Vielfaches der ersten Atombomben.
In den vierziger bis siebziger Jahren des 20. Jahrhundert gab es zahlreiche
Versuche mit Atombomben und Wasserstoffbomben, verbunden mit einer erheblichen
radioaktiven Belastung der Atmosphäre. Inzwischen sind diese Versuche
eingestellt worden. Ein breites Arsenal von Atomwaffen existiert weiter,
wobei neben den USA und Russland inzwischen auch eine Reihe weiterer Länder
über Atomwaffen verfügen, z. B. Frankreich, Großbritannien,
China, Indien, Pakistan oder Israel.
Aufbau und Wirkungsweise von Kernwaffen
Bild 2 zeigt in stark vereinfachter Form den Aufbau
einer Atombombe. Die Teilmassen
sind so klein gewählt, dass in ihnen keine Kettenreaktion erfolgt.
Schießt man sie aber durch Zündung von herkömmlichem Sprengstoff
aufeinander, so wird die kritische Masse
überschritten. Das ist diejenige Masse, bei der von selbst eine
Kettenreaktion abläuft. Bei einer ungesteuerten Kettenreaktion
verläuft sie explosionsartig. Dabei wird in Bruchteilen von Sekunden
eine riesige Energie freigesetzt.
Die kritische Masse ist von der Konstruktion der Bombe und vom verwendeten
Kernsprengstoff abhängig.
Bei Verwendung von Uran-235 beträgt die kritische Masse ca. 50 kg.
Das entspricht einer Kugel mit einem Durchmesser von etwa 17 cm. Bei Plutonium-239
beträgt die kritische Masse etwa 10 kg. Das entspricht einer Kugel
von etwa 10 cm Durchmesser.
Diese kritische Masse lässt sich deutlich verkleinern, wenn der spaltbare
Stoff von einem Reflektor (schweres Wasser, Graphit, Beryllium) umgeben
ist, der die austretenden Neutronen in das Uran oder das Plutonium zurücklenkt.
Bei schwerem Wasser als Reflektor sinkt die kritische Masse bei
Uran-235 auf ca. 23 kg, bei Plutonium-239 auf 5,4 kg.
Wirkungen von Kernwaffen
Die Wirkungen einer Atombombenexplosion
sind vielfältig und teilweise kurzzeitig, teilweise auch länger
anhaltend:
Inzwischen gibt es auch Atomwaffen, die nur für Lebewesen tödlich sind, Gebäude und Anlagen aber kaum beschädigen. Solche Neutronenwaffen geben eine intensive Neutronenstrahlung ab.
Wasserstoffbomben
Bei Wasserstoffbomben wird die ungesteuerte
Kernfusion genutzt. Um die für eine Kernfusion notwendige Temperatur
und den erforderlichen Druck zu erzeugen, nutzt man als "Zünder"
für eine Wasserstoffbombe eine "normale" Atombombe. Die
Sprengkraft dieser Bomben übersteigt die von Kernspaltungsbomben
um ein Vielfaches. Ihr Einsatz wäre eine Katastrophe für die
Menschheit.