
Mihilfe des lenzschen Gesetzes kann man vorhersagen, wie der bei Induktionsvorgängen entstehende elektrische Strom gerichtet ist. Es gilt:
Die induzierten Ströme sind stets so gerichtet, dass sie der Ursache ihrer Entstehung entgegenwirken.
Mitunter wird das lenzsche Gesetz auch als lenzsche Regel bezeichnet. Die Anwendung des lenzschen Gesetzes erweist sich bei vielen physikalischen Problemstellungen als sehr hilfreich, weil man es nicht nur auf rein elektromagnetische Vorgänge beziehen kann, sondern es ebenso für Induktionsprozesse nutzen darf, an denen auch mechanische Bewegungsabläufe beteiligt sind. Dadurch kann man auch kompliziertere Vorgänge relativ einfach verstehen. Nachfolgend werden einige Anwendungsbeispiele für das lenzsche Gesetz dargestellt.
Ausschalten eines Stromkreises, in dem sich eine Spule befindet
Unterbricht man einen einfachen Stromkreis mit einer eingeschalteten Spule, dann hört der Stromfluss durch diesen Stromkreis nicht schlagartig auf, sondern klingt erst mit merklicher Verzögerung ab. Die Erklärung für diesen Effekt liefert das lenzsche Gesetz: Beim Unterbrechen des Stromkreises ändert sich der Stromfluss durch die Spule. Dadurch wird in der Spule ein zusätzlicher Strom induziert, der entgegen seiner Entstehungsursache wirkt. Diese Ursache ist aber die Verkleinerung des ursprünglichen Stromes. Der Induktionsstrom wirkt dieser Verringerung entgegen, er ist also so gerichtet, dass er den Strom noch eine gewisse Zeit aufrecht erhält.
Bewegung eines Leiters im Magnetfeld
Verschiebt man einen langen Draht möglichst
senkrecht zur Richtung der Feldlinien eines magnetischen Feldes, dann wirkt
eine Gegenkraft auf den Leiter. Diese entsteht, weil der induzierte Strom
durch das Magnetfeld beeinflusst
wird, wodurch die bewegten Ladungsträger senkrecht zur Feldlinienrichtung abgelenkt werden. Verantwortlich dafür ist die Lorentzkraft,
deren Wirkungsrichtung man leicht mithilfe der Rechte-Hand-Regel
ermitteln kann.
Viel einfacher lässt sich der beschriebene Versuch mithilfe des lenzschen
Gesetzes interpretieren: Durch die Verschiebung wird im Draht ein Strom
induziert, der so gerichtet ist, dass er entgegen seiner Entstehungsursache
wirkt und daher die Bewegung hemmt.