






Historischer Überblick
Versuche, Fluggeräte in Form von Ballons zu bauen, reichen bis ins
18. Jahrhundert zurück. Mit dem ersten Heißluftballon
der Gebrüder MONTGOLFIER wurde 1783 ein wichtiger Meilenstein gesetzt.
In der nachfolgenden Zeit gab es zahlreiche weitere Versuche, auch Ballons
zu konstruieren, die ohne Nutzung von Heißluft schweben. Erforderlich
war dabei die Füllung des Ballons mit einem Gas, das wesentlich leichter
als Luft war, um den erforderlichen Auftrieb zu erreichen. Das einzige
damals bekannte Gas, das diese Anforderungen erfüllte, war Wasserstoff,
ein leicht brennbares und damit hochgefährliches Gas.
Entscheidenden Anteil an der Entwicklung von Luftschiffen hatte der württembergische
General der Kavallerie FERDINAND GRAF VON ZEPPELIN (1837-1917). ZEPPELIN
(Bild 2) war 1890 wegen einer missliebigen Denkschrift in den Ruhestand
versetzt worden und beschäftigte sich seitdem intensiv mit Ballons
und Luftschiffen.
1895 ließ er sich ein Luftschiff patentieren (Bild 3), in dem das
Prinzip der künftigen Starrluftschiffe
deutlich wird: Auf einem Gerippe aus Trägern befindet sich eine zigarrenförmige
Hülle. Innerhalb dieser äußeren Hülle sind mit einem
Trägergas gefüllte
Zellen angebracht. Der Antrieb erfolgt mit Motoren, die sich an Gondeln
seitlich außerhalb der Hülle befinden. Auch die Passagiere
und die Fracht sind in Gondeln untergebracht.
Nach intensiven Arbeiten startete das in Friedrichshafen gebaute erste
Luftschiff des Grafen ZEPPELIN, die LZ 1, am 2. Juli 1900 von Pontons
aus zu einem Flug über den Bodensee. Es zeigten sich aber erhebliche
Mängel bei den Motoren und bei der Steuerung eines so großen
Luftfahrzeuges.
In der Folgezeit wurden zahlreiche Verbesserungen vorgenommen und durch
die Erprobung weiterer Luftschiffe wertvolle Erfahrungen gesammelt. Dabei
ging es nicht nur um die zivile, sondern auch um die militärische
Nutzung von Luftschiffen. So wurden z.B. während des Ersten Weltkrieges
auf den Werften in Friedrichshafen, Potsdam und Staaken bei Berlin 87
Luftschiffe für militärische Zwecke gebaut. Sie wurden zur Luftbeobachtung
und als Bombenträger genutzt. So wurden beispielsweise Bombenangriffe
gegen England geflogen. Mit Kriegsende wurde der Bau weiterer Luftschiffe
von den Alliierten untersagt, die existierenden Zeppeline mussten den
Alliierten übergeben werden. Dabei überquerte die LZ 126 im
Jahre 1924 den Atlantik und ging in amerikanischen Besitz über.
Erst 1927/28 entstand in Friedrichshafen
ein neues großes Luftschiff, die LZ 127, das auf den Namen "Graf
Zeppelin" getauft wurde. Dieser Zeppelin wurde das erfolgreichste
Luftschiff aller Zeiten.
1936 wurde mit der LZ 129 ein wesentlich größeres Luftschiff,
die "Hindenburg", in Betrieb genommen. Es hatte eine Länge
von 245 m, eine Antriebsleistung von 3.600 PS und erreichte eine Geschwindigkeit
von 125 km/h. Die Gasfüllung bestand aus 180.000 Kubikmetern Wasserstoff.
Neben Schlafkabinen verfügte es auch über Speise- und Aufenthaltsräume
für die Passagiere. Die Besatzung bestand als 54 Mann, das Luftschiff
konnte auf Langstreckenflügen72 Passagiere und Fracht befördern.
Vorgesehen war es für den Transatlantikverkehr zwischen Frankfurt
am Main und New York.
Am 6. Mai 1937 flog dieses Luftschiff nach einer Atlantiküberquerung planmäßig Lakehurst bei New York an. Beim Landemanöver geriet es in Brand und verbrannte innerhalb einer Minute vollständig (Bild 5). Es waren 35 Tote zu beklagen. Die Landung wurde live im Radio übertragen. In der Reportage hieß es:
"Es ist ein großartiger Anblick, dieses schwebende Hotel auf mich zukommen zu sehen. Ich erkenne die Passagiere oben an den Fenstern, wie sie erwartungsvoll nach unten schauen. Einige von ihnen winken. Jetzt sehe ich auch den Kapitän in der Führergondel. Er dirigiert das Landemanöver ... Meine Zuhörer, es ist etwas Schreckliches passiert. Das herrliche Schiff brennt. Ein furchtbarer Anblick. Wir müssen vor den Flammen fliehen."
Zwei Untersuchungsausschüsse kamen zu dem Ergebnis, dass eine Verkettung
von unglücklichen Umständen zu der Katastrophe geführt
hat. Die genaue Ursache konnte nie vollständig geklärt werden.
Das Unglück von Lakehurst war auch das vorläufige Ende der Luftschifffahrt.
Von 1900 bis 1938 wurden in Deutschland insgesamt 119 Zeppeline gebaut.
Die letzten Luftschiffe wurden bis April 1940 abgewrackt.
LZ 127 "Graf Zeppelin" -
das erfolgreichste Luftschiff
Bild 6 zeigt das 1927/28 in Friedrichshafen gebaute Luftschiff. Es hatte
eine Länge von 236,6 m, sein größter Durchmesser betrug
30,5 m und die Gaszellen umfassten 105 000 Kubikmeter Wasserstoff. Das
Gerüst bestand im Wesentlichen aus Aluminium, die Gesamtmasse betrug
nur 58 Tonnen. Das Luftschiff hatte 5 Maschinengondeln mit je einem Motor
von 530 PS, erreichte also eine Antriebsleistung von 2 650 PS und eine
Spitzengeschwindigkeit von 128 km/h. Die Reisegeschwindigkeit lag zwischen
100 km/h und 110 km/h. Die Außenbespannung bestand aus 5-mal imprägniertem
Baumwollstoff, der mit einem Flammschutzmittel getränkt war. Dem
letzten Anstrich wurde pulverisiertes Aluminium beigemengt, sodass das
Luftschiff eine silbergraue Farbe erhielt. Das diente auch der Verminderung
der Erwärmung durch Sonneneinstrahlung.
Dieses Luftschiff absolvierte im Laufe der Jahre 590 Fahrten mit einer
Gesamtstrecke von etwa 1,7 Millionen Kilometern. Es überquerte mehrfach
den Atlantik, umrundete 1929 die Erde und unternahm 1931 eine Polarfahrt.
Moderne Zeppeline
In den letzten Jahrzehnten wurden lediglich einige kleinere Zeppeline
gebaut, die im Wesentlichen Werbezwecken dienten. Seit Mitte der neunziger
Jahre wird intensiv an der Entwicklung neuer Zeppeline unter Nutzung modernster
Technik gebaut. Für die Gasfüllung verwendet man statt des brennbaren
Wasserstoffs das nicht brennbare Helium. 1 Kubikmeter Helium bewirkt eine
Tragkraft von etwa 10 N. Das entspricht einer Masse von etwa 1 kg.
In Deutschland gibt es zwei aktuelle Entwicklungen. In Friedrichshafen
wird der Zeppelin NT (Bild
7) gebaut, ein Luftschiff, das vorrangig für den Touristenverkehr
vorgesehen ist. Die Bezeichnung NT
ist abgeleitet von Neue Technologie.
Der Erstflug fand am 18. September 1997 statt. Die Tragkraft des Zeppelins
beträgt 1,9 t. Er hat eine Länge von 75 m und einen maximalen
Durchmesser von 19,5 m. Die Gondel hat Plätze für Pilot und
Copilot sowie für 12 Passagiere. Der Antrieb erfolgt durch drei Propellertriebwerke
mit je 200 PS (147 kW), wobei die Propeller schwenkbar sind und damit
einen senkrechten Start ermöglichen. Das maximale Startgewicht beträgt
8 040 kg. Die maximale Geschwindigkeit des Luftschiffes beträgt 125
km/h, seine Reichweite 900 km und die maximale Flughöhe 2 600 m.
In Brand südlich von Berlin wurde seit den neunziger Jahren an der
Entwicklung des Cargolifters gearbeitet. Der Cargolifter
ist ein Luftschiff zum Transport großer Lasten. Konzipiert war das
Luftschiff für eine Tragkraft von bis zu 160 Tonnen, musste damit
auch wesentlich größere Abmessungen als der Zeppelin NT haben.
Es sollte eine Länge von 260 m und einen maximalen Durchmesser von
65 m besitzen. Das Hüllenvolumen umfasste 550.000 Kubikmeter. Bei
einem Leergewicht von 260 Tonnen sollte die maximale Nutzlast 160 Tonnen
betragen. Als Reisegeschwindigkeit war 90 km/h vorgesehen, die Reichweite
sollte bis zu 10.000 km betragen. Die absenkbare Ladeplattform hatte die
Maße 50 m x 8 m x 8 m. Die betreffende Firma ist inzwischen pleite,
die Entwicklungsarbeiten sind eingestellt worden.