


Aufbau und Wirkungsweise
Wichtigstes Bauteil eines Oszillografen ist eine Elektronenstrahlröhre
mit elektrischer Ablenkung (Bild 2). Sie wird auch als Oszillografenbildröhre
oder Oszillografenröhre bezeichnet. Mit geheizter Katode, Wehneltzylinder
und Anode wird ein feiner Elektronenstrahl
erzeugt, der durch die Anode und das Ablenksystem zum Leuchtschirm
verläuft und an der Stelle, an der er auftrifft, einen hellen Fleck,
den Leuchtfleck, erzeugt.
Das Ablenksystem besteht
aus einem vertikal und einem horizontal angeordneten Plattenpaar. Beim
Anlegen einer Spannung an das vertikal angeordnete Plattenpaar wird der
Elektronenstrahl je nach der Polung nach links oder rechts abgelenkt.
Legt man eine Spannung an das horizontal angeordnete Plattenpaar, so erfolgt
eine Auslenkung des Elektronenstrahls nach oben bzw. unten. Würde
man z.B. an dieses Plattenpaar eine Wechselspannung von 50 Hz anlegen,
so würde man auf dem Leuchtschirm einen senkrechten Strich beobachten,
da der Leuchtpunkt auf dem Leuchtschirm sich so schnell nach unten bzw.
oben bewegt, dass man mit den Augen diese schnelle Bewegung des Punktes
nicht mehr auflösen kann.
Um den zeitlichen Verlauf einer Spannung darzustellen, wendet man folgenden "Trick" an: An die vertikal angeordneten Platten wird eine Spannung angelegt, die bewirkt, dass sich der Leuchtfleck auf dem Leuchtschirm gleichmäßig von links nach rechts bewegt und dann plötzlich wieder zum linken Ausgangspunkt zurückspringt. Das erreicht man durch eine so genannte Kippspannung (Bild 3), die durch einen Kippgenerator im Gerät erzeugt wird. Nach der Form dieser Spannung wird sie auch als Sägezahnspannung bezeichnet. Die Frequenz dieser Kippspannung kann man an einem Regler verändern und so der Spannung, die man darstellen will, anpassen. Liegt nur die Kippspannung an, so bewegt sich der Leuchtfleck von links nach rechts, springt zurück, bewegt sich wieder von links nach rechts usw. Bei kleiner Kippfrequenz kann man diese Bewegung des Leuchtpunktes gut verfolgen. Bei größerer Kippfrequenz sieht man eine horizontale Linie.
Nun wird gleichzeitig an die horizontal angeordneten Platten die zu untersuchende
Spannung angelegt. Es erfolgt eine Bewegung des Elektronenstrahls nach
oben bzw. unten.
Insgesamt wird dann der Elektronenstrahl durch die Kippspannung in horizontaler
Richtung und durch die zu untersuchende Spannung in vertikaler Richtung
abgelenkt und damit der zeitliche Verlauf dieser Spannung auf dem Bildschirm
sichtbar.
Anwendungen
Oszillografen werden genutzt, um den Verlauf von Wechselspannungen darzustellen
und ermöglichen damit die Analyse des Verlaufs solcher Spannungen.
Bild 4 zeigt ein einfaches Beispiel: Wandelt man Töne mithilfe eines
Mikrofons in Spannungsschwankungen und legt diese Spannung an den Oszillografen,
so kann man erkennen: Reine Töne zeigen einen sinusförmigen
Verlauf. Unterschiedlich hohe Töne kann man an der unterschiedlichen
Anzahl der Schwingungen erkennen. Unterschiedlich laute Töne haben
eine verschieden große Amplitude (Bild 4).
Kennt man die Spannung für eine bestimmte vertikale Auslenkung, so
kann man einen Oszillografen auch als Spannungsmesser nutzen.
Kennt man die Kippfrequenz, so kann man die Frequenz der untersuchten
Spannungen abschätzen.
Oszillografen, die vor allem für Messzwecke genutzt werden, bezeichnet
man auch als Messoszillografen.
Will man zwei Spannungsverläufe gleichzeitig untersuchen, so kann
man einen Zweistrahloszillografen
nutzen. Das Prinzip besteht darin, dass bei einem solchen Oszillografen
zwei Strahlerzeugungssysteme und die entsprechenden Ablenksysteme übereinander
angeordnet sind und damit auf dem Leuchtschirm zwei Spannungsverläufe
unmittelbar miteinander verglichen werden können.