
ROBERT WILHELM BUNSEN ist einer der bedeutendsten Chemiker des 19. Jahrhunderts. Einerseits war er ein ausgezeichneter Lehrer, der viele später bekannte Chemiker der Welt zu seinen Schülern zählte. Andererseits leistete er auf wissenschaftlichem Gebiet Hervorragendes. Insbesondere entwickelte er in enger Zusammenarbeit mit dem Physiker GUSTAV ROBERT KIRCHHOFF (1824-1887) die physikalisch-chemische Arbeitsrichtung.
Kindheit, Jugend und Ausbildung
ROBERT WILHELM BUNSEN wurde am 31. Mai 1811 in Göttingen geboren. Sein Vater war Bibliothekar und Professor für Philologie. Bereits 1828, also im Alter von 17 Jahren, begann er an der Universität in Göttingen mit dem Studium der Chemie. Einer seiner Lehrer war der Chemiker STROMEYER, der Entdecker des Cadmiums. Neben der Chemie hörte BUNSEN auch Vorlesungen in Physik, Mathematik, Mineralogie, Geologie, Botanik und Anatomie und bekam so Einblicke in die unterschiedlichsten Bereiche der Naturwissenschaften. Dieses breite Interesse über seinen unmittelbaren Fachbereich hinaus blieb typisch für ihn.
1831 promovierte er mit einer Arbeit über Messgeräte und trat danach, wie in dieser Zeit üblich, eine einjährige Bildungsreise an. Sie führte ihn u. a. nach Paris, wo er führende Chemiker der damaligen Zeit kennenlernte.
Lehrer und Forscher
1834 wurde BUNSEN Privatdozent für Chemie an der Universität Göttingen und führte dort Lehrveranstaltungen durch. Ab 1835 wurde er als Lehrer für Chemie Nachfolger des berühmten FRIEDRICH WÖHLER an der Polytechnischen Schule in Kassel. Dort arbeitete er vier Jahre lang und wurde 1839 Professor für Chemie an der Universität in Marburg. Eine Berufung nach Berlin lehnte er 1846 aus politischen Gründen ab. Stattdessen machte er eine Forschungsreise nach Island.
1848 ging Bunsen für ein Jahr nach Breslau. Dort
lernte er den Physiker GUSTAV ROBERT KIRCHHOFF (1824-1887) kennen, mit
dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband und mit dem er in der Folgezeit
auch wissenschaftlich eng zusammenarbeitete.
1882 wurde BUNSEN als Professor für Chemie nach Heidelberg berufen.
Dort war er bis zu seinem Tode am 16. August 1899 tätig.
Wissenschaftliche Leistungen
Bereits die ersten wissenschaftlichen Arbeiten ließen den begabten
Forscher erkennen. So stellte BUNSEN 1834 Untersuchungen über die
Wirkungen des Eisenhydroxids als Mittel gegen Arsenvergiftungen an. Seine
Untersuchungen führten dazu, dass man in mehreren deutschen Staaten
die Apotheken anwies, Eisenhydroxid vorrätig zu halten, um es bei
den damals nicht seltenen Arsenvergiftungen sofort verabreichen zu können.
Anschließend wandte sich BUNSEN der Mineralogie und der chemischen
Geologie zu. Bei einer dreimonatigen Forschungsreise nach Island im Auftrag
der dänischen Regierung erforschte er vor allem die dort zahlreich
vorhandenen Geysire und sammelte eine Fülle von Material.
Ab 1836 beschäftigte sich BUNSEN mit organischer Chemie, insbesondere
mit der Theorie der Radikale.
Nach 1840 widmete sich Bunsen vorrangig Forschungen
aus dem Bereich der angewandten physikalischen Chemie und der Elektrochemie.
So untersuchte er die Verbrennungsabläufe in Hochöfen und schlug
Techniken zur Verminderung der Wärmeverluste vor.
In galvanischen Elementen ersetzte er die teure Platinelektrode durch
eine Kohleelektrode und schuf damit das Kohle-Zink-Element
(BUNSEN-Element), das heute noch bei Batterien und Monozellen genutzt
wird.
Zusammen mit GUSTAV
ROBERT KIRCHHOFF entwickelte er die Spektralanalyse.
BUNSEN bemühte sich, durch unterschiedliche Flammenfärbungen
mittels Salzen Elemente zu identifizieren. KIRCHHOFF regte an, dieses
Licht spektral zu zerlegen. Daraufhin entwickelten beide die chemische
Analyse durch Spektrallinienbeobachtungen, die wir heute Spektralanalyse
nennen.
1860 veröffentlichten beide mit der Arbeit "Chemische Analyse
durch Spektralbeobachtungen" die wissenschaftlichen Grundlagen der
Spektralanalyse.
Innerhalb kürzester Zeit entdeckten Chemiker durch Anwendung der
Spektralanalyse 10 neue Elemente. BUNSEN selbst fand durch spektralanalytische
Untersuchungen das Caesium (1860) und das Rubidium (1861).
BUNSEN hat auch eine Reihe
von Geräten und Apparaten entwickelt, die heute noch gebräuchlich
sind. Zu nennen sind hier vor allem der nach ihm benannten Bunsenbrenner
(1855), ein einfaches Fotometer zur Messung der Beleuchtungsstärke
(bunsensches Fettfleckfotometer,
1842) und die Wasserstrahlpumpe
(1868).
1901 wurde ihm zu Ehren die "Deutsche Elektrochemische Gesellschaft"
in " Deutsche Bunsen-Gesellschaft für angewandte physikalische
Chemie und Elektrochemie" umbenannt.