




Die ersten Satelliten
Die Geschichte der Raumfahrt und damit auch die Geschichte von Erdsatelliten
reicht bis in das 19. Jahrhundert zurück. In Russland entwickelte
KONSTANTIN EDUARDOWITSCH ZIOLKOWSKI (1857-1935) wichtige theoretische
Grundlagen des Raketenflugs. Er schlug u. a. vor, für Raketen flüssige
Treibstoffe zu verwenden, propagierte das Prinzip der Mehrstufenrakete,
entwarf Vorschläge für Raketentriebwerke und entwickelte Vorstellungen
für Raumflüge.
In den USA entwickelte der Physiker ROBERT GODDARD (1882-1945) in langjähriger
Arbeit eine Flüssigtreibstoffrakete, die 1926 erstmals erfolgreich
erprobt wurde.
Die Rakete erreichte in 2,5 s eine maximale Flughöhe von 12,5 m.
In seinem 1923 erschienenen Buch "Die Rakete zu den Planetenräumen"
wies der deutsche Forscher HERMANN OBERTH (1894-1989) nach, dass mit Raketen
andere Planeten erreicht werden können und demzufolge auch Satelliten
um die Erde möglich sind. Bereits 1927 wurde von einer kleinen Gruppe
von Enthusiasten in Berlin der "Verein für Raumschifffahrt"
gegründet. In ihm arbeiteten u. a. HERMANN OBERTH und WERNHER VON
BRAUN (1912-1977) mit. BRAUN war auch maßgeblich an der Entwicklung
der V 2 beteiligt (Bild 2). Diese für Kriegszwecke entwickelte Rakete
hatte eine Länge von 14 m, eine Masse von 12,5 t, eine Nutzlast von
etwa 1 000 kg, eine Reichweite von ca. 300 km und eine Höchstgeschwindigkeit
von
5 000 km/h.
Am 3. 10. 1942 wurde mit einer solchen Rakete eine Höhe von 90 km
und damit der Weltraum erreicht.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden vor allem in der USA und in der Sowjetunion
die Forschungen zu Raketen fortgesetzt. Im Rahmen des 1954 verkündeten
Internationalen Geophysikalischen Jahres, an dem sich 67 Staaten beteiligten
und das für den Zeitraum vom 1. Juli 1957 bis 31. Dezember 1958 festgelegt
wurde, planten sowohl die Sowjetunion als auch die USA den Start von Satelliten.
So kündigte 1955 der amerikanische Präsident EISENHOWER für
das Internationale Geophysikalische Jahr den Start von "kleinen,
erdumkreisenden Satelliten für wissenschaftliche Zwecke" an.
24 Stunden später zog die Sowjetunion mit einer entsprechenden Erklärung
nach.
Die Sensation gelang am 4. 10. 1957: An diesem Tag wurde in der Sowjetunion der Satellit "Sputnik 1" gestartet. "Sputnik 1" (Bild 3) war der erste künstliche Erdsatellit. Er hatte einen Durchmesser von 58 cm und eine Masse von 83,6 kg. Außen waren vier Stabantennen von 2,4 m bzw. 2,9 m Länge angebracht. Der Satellit bewegte sich auf einer elliptischen Bahn in Höhen von 228 km bis 947 km über der Erdoberfläche. Die Funktionsdauer der an Bord befindlichen Instrumente betrug etwa 3 Wochen, die Lebensdauer des Satelliten 92 Tage.
Für die westliche Welt, insbesondere für die USA, war es ein
Schock, dass es den Russen als Ersten gelungen war, einen solchen Erfolg
zu erzielen. Dieser Schock - man spricht auch vom Sputnikschock - vertiefte
sich mit dem Start von "Sputnik 2" am 3. 11. 1957. Dieser zweite
sowjetische Satellit hatte die Versuchshündin "Laika" in
einem hermetisch abgeschlossenen Behälter an Bord. Der kegelförmige
Satellit "Sputnik 2" war 4 m hoch und hatte einen Basisdurchmesser
von 1,7 m. Er hatte eine Masse von 508 kg und war mit der 3 t schweren
Raketenendstufe fest verbunden. Dies alles zeugte von einem klaren Vorsprung
der Sowjetunion in der Trägerraketenentwicklung. Der Satellit umkreiste
die Erde auf einer elliptischen Bahn in einer Höhe zwischen 224 km
und 1661 km.
Sieben Tage lang funkte er Daten über den Gesundheitszustand der
Hündin, über Innen- und Außentemperatur sowie andere physikalische
Daten.
Am 31. 1. 1958 starteten die US-Amerikaner mit "Explorer 1" ihren ersten Satelliten. In der weiteren Entwicklung holte die USA aber schnell auf. So wurden 1962 mithilfe des amerikanischen Nachrichtensatelliten "TELSTAR" erstmals Fernsehbilder zwischen den USA (Bodenstation Andover) und Frankreich (Bodenstation Pleumeur-Bodou) in der Nähe der nordfranzösischen Atlantikküste) übertragen. Mit dem amerikanischen Satelliten "Syncom 1" erreichte 1963 der erste Nachrichtensatellit eine geostationäre Bahn.
Wettersatelliten
Heute existiert ein Netz von Wettersatelliten,
die vom Weltraum aus das Wettergeschehen registrieren und Bilder zur Erde
senden. Das Wettergeschehen über dem Atlantik und Europa wird gegenwärtig
von einem geostationären Wettersatelliten vom Typ "Meteosat"
beobachtet. Er übermittelt alle 30 Minuten ein Wetterbild von Europa
(Bild 4).
Neben dem sichtbaren Bereich des elektromagnetischen Spektrums werden
auch andere Spektralbereiche, insbesondere der infrarote Bereich, untersucht.
Diese Satellitenbilder sind eine wichtige Ergänzung zu den erdgebundenen
Messungen. Insbesondere ist durch Einbeziehung von Satellitenbildern für
größere Gebiete eine bessere Wettervorhersage möglich.
Wettersatelliten vom Typ "Meteosat" sind zylindrische Körper
mit einer Masse von 312,5 kg, einer Höhe von
3,20 m und einem Durchmesser von 2,10 m. Ihre mittlere Lebensdauer beträgt
3 Jahre.
Nachrichtensatelliten
Nachrichtensatelliten
dienen dazu, von der Erde gesendete Informationen, darunter auch Fernsehprogramme,
wieder zur Erde zurückzusenden und so den Empfang in einem Gebiet
zu sichern
(Bild 5). Genutzt werden heute für die Übertragung von Fernsehprogrammen
Satelliten vom Typ "Astra". Das sind geostationäre
Satelliten, also Satelliten, die über dem Äquator stehen
und die sich genau so schnell um die Erdachse bewegen wie die Erde selbst.
Sie befinden sich damit stets genau über einem bestimmten Punkt der
Erdoberfläche. Nur dadurch ist es möglich, die Satellitenantennen
auf der Erde fest auszurichten. Die Höhe eines solchen geostationären
Satelliten über der Erdoberfläche beträgt 35 800 km, sein
Bahnradius also 42 170 km. Die Umlaufzeit beträgt ebenso wie die
Umlaufzeit der Erde selbst 24 Stunden. Somit bewegt sich ein solcher Satellit
mit einer Geschwindigkeit von 3,1 km/s.
Forschungssatelliten
Forschungssatelliten ermöglichen
zahlreiche Untersuchungen, die von der Erdoberfläche aus nicht realisierbar
sind. Das betrifft z. B. das großräumige Wettergeschehen, aber
auch Untersuchungen zur Struktur der Erdoberfläche, zur Temperaturverteilung,
zur Vegetationsverteilung, zur Dicke der Ozonschicht oder zur Verschmutzung
der Atmosphäre.
Darüber hinaus ermöglichen Satelliten außerhalb der Erdatmosphäre
auch genauere Untersuchungen zur Sonnenaktivität.
Ein besonders interessantes und wissenschaftlich überaus erfolgreiches
Unternehmen ist das Hubble-Weltraumteleskop (Bild 6). Das 1990 gestartete
Teleskop befindet sich in einer Erdumlaufbahn und kann Beobachtungen von
Sternen ohne den störenden Einfluss der Erdatmosphäre durchführen.
Durch das Teleskop erfolgen Beobachtungen im infraroten, sichtbaren und
ultravioletten Spektralbereich. Das Teleskop ist etwa 10 m lang und 12,5
t schwer. Sein Hauptspiegel hat einen Durchmesser von 2,4 m und eine Masse
von 800 kg. 1993 erfolgte durch Linsen eine Korrektur des falsch geschliffenen
Hauptspiegels, 1997 und 1999 wurden eine technische Wartung und ein Austausch
von Instrumenten im Orbit vorgenommen. Bis zum Jahre 2000 ergab sich eine
beeindruckende Bilanz: Das Teleskop lieferte über 270000 Einzelbeobachtungen
mit faszinierenden Aufnahmen von Sternen, Galaxien, Quasaren und schwarzen
Löchern. Die bisherigen Kosten für die Entwicklung, den Betrieb
und die Wartung des Weltraumteleskops belaufen sich auf einige Milliarden
Dollar.
Militärisch genutzte Satelliten
Seit Jahrzehnten gibt es eine große Anzahl von Satelliten, insbesondere
der USA und Russlands, die militärisch genutzt werden. Ihr Aufbau
und ihre Aufgaben sind meist geheim. Bekannt ist aber, dass viele von
ihnen Spionagezwecken dienen. Mit spezialisierten militärischen
Satelliten ist es heute möglich, auf der Erdoberfläche
Objekte mit Abmessungen von 10 cm bis 20 cm zu erkennen. Militärische
Satelliten dienen z. B. zur Erfassung von Raketenstellungen, der Verteilung
von Truppen, Fahrzeugen und Flugzeugen. Sie werden zur Informationsübertragung,
zur Ortung von Objekten und zur satellitengestützten Navigation
(GPS) genutzt. Letzteres wird zunehmend
auch im zivilen Bereich angewendet, etwa bei Navigationssystemen in PKW.