




Unter einem Spektrum (Plural: Spektren) versteht man in der Optik ein Farbband und damit ein Band, das aus Licht unterschiedlicher Wellenlängen bzw. Frequenzen besteht. Bild 1 zeigt ein kontinuierliches Spektrum mit den sechs Spektralfarben und den Wellenlängen. An den sichtbaren Bereich schließen sich das für uns nicht sichtbare infrarote und ultraviolette Licht an.
Erzeugung von Spektren
Für die Erzeugung von Spektren gibt es zwei prinzipielle Möglichkeiten:
Man kann ein Spektrum mithilfe eines Prismas oder mithilfe eines optischen
Gitters erzeugen.
Trifft von einer Lichtquelle kommendes weißes Licht auf ein Prisma,
so wird es gebrochen (Bild 2). Dabei werden die kurzwelligen Anteile (blaues
Licht) stärker gebrochen als die langwelligen Anteile (rotes Licht).
Dadurch kommt es zu einer Auffächerung des Lichtes unterschiedlicher
Wellenlänge. Es entsteht ein Spektrum, das auch als Prismenspektrum
bezeichnet wird.
Verwendet man anstelle eines Prismas ein optisches Gitter, so tritt an diesem Gitter Beugung auf. Das gebeugte Licht überlagert sich, wobei die Lage der Interferenzmaxima auf einem Schirm von der Wellenlänge abhängig ist (Bild 3). Es entstehen farbige Interferenzstreifen, die in ihrer Gesamtheit ein Spektrum bilden, das auch als Gitterspektrum bezeichnet wird.
Ein Prismenspektrum und ein Gitterspektrum unterscheiden sich lediglich in der Abfolge der Farben (Bild 4). Bei Verwendung von weißem Licht kann man in beiden Fällen ein kontinuierliches Spektrum beobachten. Wie breit das Spektrum jeweils ist, hängt von den gegebenen Bedingungen ab.Kontinuierliche Spektren und Linienspektren
Ob durch Zerlegung von Licht ein kontinuierliches Spektrum oder ein Linienspektrum
entsteht, hängt nur von der Lichtquelle ab, von der das betrachtete
Licht ausgeht.
Ein kontinuierliches
Spektrum entsteht dann, wenn das Licht von glühenden festen Körpern,
Flüssigkeiten oder Gasen unter hohem Druck ausgeht. So liefert z.
B. das Licht einer Glühlampe ein kontinuierliches Spektrum (Bild
5). Ebenso liefert das von der Sonnenoberfläche oder von anderen
Sternen ausgehende Licht ein kontinuierliches Spektrum.
Ein Linienspektrum entsteht
dann, wenn das Licht von heißen Gasen unter geringem Druck ausgeht,
also z. B. von Leuchtstoffröhren oder Quecksilberdampflampen (Bild
5). Die Linienspektren verschiedener leuchtender Gase unterscheiden sich
deutlich voneinander. Jedes Gas sendet ein ganz charakteristisches Spektrum
aus. Damit gilt umgekehrt: Kennt man das Spektrum einer Lichtquelle, dann
kann man daraus schließen, welche Stoffe sich in dieser Lichtquelle
befinden. Das ist das Wesen der Spektralanalyse.
Emissionsspektren und Absorptionsspektren
Spektren, die allein durch das Licht entstehen, das von einer Lichtquelle
ausgesendet (emittiert) wird, nennt man Emissionsspektren.
Solche Emissionsspektren können kontinuierliche Spektren oder Linienspektren
sein. Was für ein Spektrum entsteht, hängt von der jeweiligen
Lichtquelle ab.
Befindet sich zwischen einer Lichtquelle, die ein kontinuierliches Spektrum
aussendet, und dem Prisma oder dem Gitter ein Stoff, z. B. Natriumdampf,
dann entsteht eine andere Art von Spektrum (Bild 6). Von dem durchstrahlten
Körper werden genau die Teile des Spektrums absorbiert (aufgenommen),
die er selbst ausenden würde, wenn er leuchtet.
Wenn z. B. Natriumdampf leuchtet, sendet er vorrangig gelbes Licht aus (Bild 5). Wenn dagegen weißes Licht durch nicht leuchtenden Natriumdampf hindurchgeht, werden genau diese Teile des Spektrums absorbiert. An den betreffenden Stellen erscheinen also schwarze Linien. Da diese schwarzen Linien durch Absorption zustande kommen, bezeichnet man das entstehende Spektrum als Absorptionsspektrum.
Fraunhofersche Linien
Der deutsche Optiker und Glasmacher JOSEPH VON FRAUNHOFER (1787-1826)
entdeckte bei seinen Untersuchungen, dass es im Spektrum von Sonnenlicht
zahlreiche dunkle Linien gibt (Bild 7). Sie werden nach ihrem Entdecker
als fraunhofersche Linien bezeichnet. Ähnliche Linien findet man auch bei der spektralen Zerlegung
des Lichts anderer Sterne.
Die Ursache dafür besteht in Folgendem: Die Sonne und andere Sterne
senden ein kontinuierliches Spektrum aus. Dieses Licht geht aber durch
kühlere Gasschichten hindurch, die sich um die Sonne oder andere
Sterne herum befinden. Dadurch werden genau die Linien absorbiert, die
diese kühleren Gase aussenden würden, wenn sie selbst leuchten.
Die Linien eines Absorptionsspektrums können ebenso wie die eines
Emissionsspektrums genutzt werden, um auf die Stoffe zu schließen,
die sich in der Umgebung der Lichtquelle oder in der Lichtquelle selbst
befinden.