Unter Supraleitung oder Supraleitfähigkeit versteht man die Erscheinung, dass bei einer Reihe von elektrischen Leitern bei sehr tiefen Temperaturen der elektrische Widerstand verschwindet und damit auch ein elektrischer Strom fließen kann, ohne dass ein ständiger Antrieb vorhanden ist. Neben etwa 30 supraleitenden Elementen sind inzwischen mehr als 1000 supraleitende Legierungen und Verbindungen bekannt.
Entdeckung der Supraleitung
Die Supraleitung wurde 1911 von dem
niederländischen Physiker HEIKE KAMERLING-ONNES (1853-1926) in Leiden
durch Untersuchungen der Leitfähigkeit von Quecksilber bei tiefen
Temperaturen entdeckt. Intensivere Forschungen setzten aber erst in den
fünfziger Jahren ein. In den sechziger Jahren konstruierte man die
ersten Magnete auf dieser Grundlage und suchte nach weiteren Anwendungen.
Die kritische Temperatur
Bei Abkühlung von Stoffen geht der Übergang von einem Leiter
zu einem Supraleiter in einem sehr engen Temperaturintervall vonstatten.
Bei einer Temperatur, die man kritische
Temperatur nennt, wird ein Leiter zu einem Supraleiter. Unterhalb
dieser Temperatur ist er supraleitend. Diese kritischen Temperaturen liegen
bei Elementen im Bereich von wenigen Kelvin, also bei Temperaturen um
-270 °C. Die nachfolgende Übersicht zeigt einige Werte für
Elemente:
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Element
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kritische Temperatur
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| Aluminium |
1,19 K
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| Blei |
7,20 K
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| Cadmium |
0,55 K
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| Iridium |
0,14 K
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| Osmium |
0,65 K
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| Quecksilber |
4,15 K
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| Titan |
0,39 K
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Hochtemperatur-Supraleiter
Inzwischen ist auch gelungen, Legierungen zu schaffen, bei denen die kritische
Temperatur über 40 Kelvin liegt. Es werden heute auch schon Werte
von ca. 100 K , das sind etwa - 170 °C, erreicht. Solche Supraleiter
mit kritischen Temperaturen über 40 K bezeichnet man als Hochtemperatur-Supraleiter.
Diese Gruppe von Supraleitern wurde 1986 von den Physikern JOHANNES GEORG
BEDNORZ (*1950) und KARL ALEX MÜLLER (*1927) entdeckt. Beide erhielten
bereits 1987 dafür den Nobelpreis für Physik. Hochtemperatur-Supraleiter
sind komplizierte Legierungen aus Barium, Kupferoxid, und solchen Elementen
wie Yttrium, Strontium oder Titan.
Ihre große Bedeutung liegt darin, dass man als Kühlmittel für
diese Supraleiter statt des sehr teuren flüssigen Heliums den industriell
leicht herstellbaren flüssigen Stickstoff (Siedepunkt: 77 K oder
-196 °C) als Kühlflüssigkeit nutzen kann.
Die Supraleitung wird heute u. a. genutzt, um mit supraleitenden Spulen
starke Magnetfelder zu erzeugen. Das macht man z. B. in der Medizin bei
Kernspin-Tomografen und bei starken Magneten in Beschleunigern.
Versuche gibt es auch zur Nutzung der Supraleitung in der Rechentechnik,
bei der Konstruktion von Generatoren und zur verlustarmen Übertragung
von Elektroenergie mit supraleitenden Kabeln über weite Strecken.