Verbundene Gefäße
sind Anordnungen von Gefäßen, die aus mehreren Teilen bestehen,
wobei diese Teile miteinander verbunden sind. Daher stammt auch die Bezeichnung.
Die Flüssigkeit steht in allen Teilen des verbundenen Gefäßes
gleich hoch, unabhängig davon, welche Form diese Teile haben. Diese
Erscheinung wird als
hydrostatisches Paradoxon
bezeichnet. Beispiele für verbundene Gefäße sind Kaffeekannen
mit Tülle, Gießkannen, Füllstandsmesser an Behältern,
ein Wasserturm mit dem damit verbundenen Leitungssystem (Bild 1), eine Schlauchwaage
oder eine Schleuse.
Warum stehen
die Flüssigkeitssäulen überall gleich hoch?
Eine Erklärung für die gleiche Höhe der Flüssigkeitssäule
in den verschiedenen Teilen des verbundenen Gefäßes ergibt sich
aus Betrachtungen zum
Schweredruck, den
die jeweiligen Flüssigkeitssäulen ausüben: In einer bestimmten
Tiefe müssen sich die Drücke, die infolge der Gewichtskraft der
Flüssigkeitssäulen wirken, ausgleichen. Da der Druck nur von der
Höhe der Flüssigkeitssäule, nicht aber von der Gefäßform
abhängig ist, müssen bei einer Flüssigkeit die Säulen
in allen Teilen des verbundenen Gefäßes gleich hoch stehen.
Anwendungen
Um zu sichern, dass z. B. Mauern gleich hoch sind, nutzt man auf Baustellen
Schlauchwaagen (Bild 3). Eine solche Schlauchwaage
besteht aus zwei röhrenförmigen Gefäßen, die mit einem
Schlauch verbunden und mit Wasser gefüllt sind. Da die Flüssigkeitssäule
in beiden Gefäßen gleich hoch steht, kann man mit der Schlauchwaage
feststellen, ob z. B. eine Mauer an verschiedenen Stellen tatsächlich
gleich hoch ist.
Bei
Wasserversorgungsanlagen
(Bild 4) nutzt man ebenfalls, dass Wasser in verbundenen Gefäßen
gleich hoch steht, unabhängig davon, welche Form diese Gefäße
haben. Um eine stabile Wasserversorgung zu sichern, wird Wasser in einen
Wasserturm gepumpt. Es gelangt damit zu
allen Zapfstellen, die eine geringere Höhe als der Wasserspiegel im
Wasserturm haben. Für Hochhäuser oder Gebäude, die über
diesem Wasserspiegel liegen, sind Zusatzpumpen erforderlich.
Um den Füllstand von undurchsichtigen Behältern
mit Flüssigkeit kontrollieren zu können, verwendet man
Füllstandsanzeiger
(Bild 5). Das ist ein durchsichtiges Glas- oder Plastikröhrchen, das
mit dem Behälter verbunden ist und mit ihm ein verbundenes Gefäß
bildet. Die Flüssigkeit steht in dem Anzeigeröhrchen und im Behälter
gleich hoch. Damit kann man den jeweiligen Füllstand kontrollieren.
Auch bei einer Schleuse bildet je nach
Stellung der Tore die Schleusenkammer mit dem Unterwasser oder dem Oberwasser
ein verbundenes Gefäß (Bild 6). Durch unterschiedliches Öffnen
und Schließen der Tore und Ventile wird das hydrostatische Paradoxon
genutzt, dass in verbundenen Gefäßen Flüssigkeitssäulen
gleich hoch stehen. Ist z. B. das obere Tor geöffnet und das untere
Tor geschlossen, so kann ein Schiff aus dem oberen Wasser in die Schleusenkammer
einfahren. Dabei muss das untere Ventil geschlossen sein. Dann wird nach
Schließen des oberen Tors und des Ventils das untere Ventil geöffnet.
Das Wasser kann aus der Schleusenkammer in den unteren Wasserlauf abfließen.
Der Wasserspiegel mit dem Schiff senkt sich so weit, bis er genau so hoch
ist wie das Unterwasser. Das Schiff kann ausfahren. Beim Hochschleusen
müssen die Tore und Ventile in der umgekehrten Reihenfolge geöffnet
und geschlossen werden.