



Mit Lupen oder Mikroskopen will man kleinere Objekte und Strukturen besser erkennen. Bei Fernrohren geht es um die bessere Erkennbarkeit von weit entfernten Gegenständen. Ein wichtiger Faktor ist in beiden Fällen die Vergrößerung, die mit dem jeweiligen optischen Gerät erreicht wird.
Was bedeutet Vergrößerung physikalisch?
Entscheidend dafür, wie groß wir einen Gegenstand sehen, ist
die Größe des Bildes, das auf der Netzhaut
entsteht. Diese Bildgröße ist davon abhängig, wie groß der Gegenstand ist und in welcher
Entfernung von den Augen er sich befindet. Bild 2 zeigt das am Beispiel:
Ein weit entfernter großer Gegenstand, z. B. ein Baum, kann
auf der Netzhaut ein genauso großes Bild hervorrufen wie ein kleinerer
Gegenstand, der sich näher an den Augen befindet. Entscheidend für
die Größe des Bildes auf der Netzhaut ist der Sehwinkel. Das ist der Winkel, unter dem man vom Auge aus gesehen einen Gegenstand
vollständig wahrnimmt (Bild 2).
Nutzt man ein Fernglas, dann sieht man einen Gegenstand,
z. B. einen Baum, ohne Fernglas unter einem kleineren Winkel als
mit Fernglas (Bild 3). Das bedeutet für die Abbildung auf der
Netzhaut: Ohne Fernglas ist das Bild auf der Netzhaut kleiner als mit
Fernglas
In der Physik wird als Vergrößerung das Verhältnis des
Sehwinkels mit optischem Instrument und des Sehwinkels ohne Instrument
genutzt. Dabei hat man festgelegt, nicht den Winkel, sondern den Tangens
dieses Winkels zu verwenden. In den Bildern 2 und 3 ist der Tangens das
Verhältnis zwischen der Größe des Gegenstandes und seiner
Entfernung vom Auge. Allgemein gilt also für die Vergrößerung
V optischer Geräte:

Für einzelne optische Geräte kann man die
Vergrößerung aus den optischen Daten der verwendeten Linsen
bzw. Linsensysteme bestimmen.
Vergrößerung einer Lupe
Eine Lupe ist eine Sammellinse. Will
man ein vergrößertes und aufrechtes Bild eines Objektes erhalten,
so muss sich das Objekt innerhalb der einfachen Brennweite der Linse befinden.
Aus Bild 4 ist erkennbar: Mit Lupe ist der Sehwinkel größer
als ohne Lupe.
Die Vergrößerung einer Lupe ist abhängig von ihrer Brennweite
und von der Bildweite, in der man das Bild sieht. Meist wird als Bildweite
die so genannte deutliche
Sehweite genutzt, eine festgelegte Entfernung, die 25 cm beträgt
und in der man ein Bild ohne besondere Anstrengung über einen längeren
Zeitraum betrachten kann. Für die Vergrößerung (genauer: Normalvergrößerung)
einer Lupe gilt:

Das bedeutet: Je kleiner die Brennweite einer Lupe ist, desto größer ist ihre Vergrößerung. Allerdings treten dann auch durch die stärker gekrümmten Flächen der Linse stärkere Abbildungsfehler auf. Beträgt z. B. die Brennweite einer Lupe 50 mm, so ist die Vergrößerung:

Lupen werden meist mit Vergrößerungen
zwischen 2 und 10 gebaut.
Vergrößerung eines Mikroskops
Beim Mikroskop (Bild 5) erfolgt die Abbildung des Objektes durch zwei Linsensysteme, das Objektiv und das Okular. Der Strahlenverlauf ist unter dem Stichwort "Mikroskop" dargestellt. Durch jedes der beiden Linsensysteme erfolgt eine Vergrößerung. Die Gesamtvergrößerung V ergibt sich folgendermaßen:

Die Vergrößerung lässt sich auch folgendermaßen berechnen:

Um unterschiedliche Vergrößerungen wählen
zu können, verfügen viele Mikroskope über Wechselobjektive,
d.h. über mehrere Objektive unterschiedlicher Brennweite. In der
Praxis arbeitet man mit Vergrößerungen bis etwa 1 500.
Vergrößerung eines Fernrohrs
Beim Fernrohr oder Fernglas (Bild 6) hängt die Vergrößerung von der Brennweite
des Objektivs und des Okulars ab. Der Strahlenverlauf ist unter dem Stichwort
"Fernrohr" oder "Fernglas" dargestellt.
Bei einem Fernglas
liegt die Vergrößerung meist zwischen 6 und 20. Angegeben wird
die Vergrößerung meist in der Form 8 x 40. Dabei
bedeutet 8 die Vergrößerung und 40 der Durchmesser des Objektivs
in Millimetern.
10 x 50 würde dann bedeuten: Das Fernglas hat eine zehnfache
Vergrößerung und einen Objektivdurchmesser von 50 mm.
Bei mehr als zehnfacher Vergrößerung ist es bereits schwierig,
das Fernglas mit den Händen so ruhig zu halten, dass man ein verwacklungsfreies
Bild sieht. Bei stärkeren Vergrößerungen sollte man ein
Stativ benutzen.
Astronomische
Fernrohre haben meist eine stärkere Vergrößerung.
Dort werden Werte bis etwa 1 000 erreicht. Wichtig ist aber hier:
Für astronomische Beobachtungen
ist neben der Vergrößerung auch die Linsenqualität sowie
der Objektivdurchmesser und damit das Lichtsammelvermögen von Bedeutung.
Erst damit werden lichtschwache Objekte sichtbar. Als Orientierung für
eine zweckmäßige Vergrößerung gilt in der Astronomie:
Die Vergrößerung sollte nicht größer sein als der
in Millimetern gemessene Objektivdurchmesser. Beträgt z. B.
der Objektivdurchmesser eines astronomischen Schulfernrohres 63 mm,
so sollte man maximal mit einer Vergrößerung von 60 arbeiten.
Notwendig ist bei solchen Vergrößerungen ein stabiles Stativ.