



Weltraumstationen
sind Forschungskomplexe, die sich in einer Erdumlaufbahn
befinden und in denen unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit
wissenschaftliche Untersuchungen unterschiedlicher Art vorgenommen werden
können.
Die wichtigsten Forschungskomplexe dieser Art waren die russischen Weltraumstationen
"Salut" und "Mir" sowie die US-amerikanische Station
"Skylab". Gegenwärtig im Ausbau befindet sich die Internationale
Raumstation ISS.
Salut 1 - die erste Weltraumstation
Die am 19. April 1971 von der Sowjetunion in eine Erdumlaufbahn gebrachte
Weltraumstation "Salut 1"
(Bild 1) war die erste Weltraumstation in der Menschheitsgeschichte. Sie
hatte eine Länge von 20 m, einen Durchmesser von 3 m - 4 m und mit
angekoppeltem Sojus-Raumfahrzeug eine Masse von 25 Tonnen. Das Gesamtvolumen
des Moduls betrug etwa 100 Kubikmeter und war für maximal fünf
Personen eingerichtet. Die Energieversorgung erfolgte mithilfe von ausklappbaren
Solarzellen.
Das angekoppelte Raumfahrzeug vom Typ "Sojus" diente der Besatzung
zugleich als Ruhe- und Schlafraum. Der Aufbau der Station ist in Bild
2 dargestellt. Die Raumstation bewegte sich auf Bahnen zwischen 200 km
und 250 km über der Erdoberfläche. Zunächst diente "Salut
1" im Zusammenwirken mit dem am 23. 4. 1971 gestarteten Raumfahrzeug
"Sojus 10" als Zielsatellit zur Erprobung der Annäherung
und Kopplung von Raumfahrzeugen. Die Kosmonauten des am 6. 6. 1971 gestarteten
"Sojus 11" koppelten an, die Besatzung stieg um und hielt sich
24 Tage in der Station auf. Die Arbeiten wurden mit den Stationen "Salut
2" bis "Salut 7" bis 1982 fortgesetzt. Dabei wurden auch
zahlreiche Erkenntnisse gewonnen, die für den Bau der Weltraumstation
"Mir" genutzt wurden.
Die amerikanische Station "Skylab"
Die US-amerikanische Station "Skylab"
(= "Himmelslabor") wurde am 14. Mai 1973 in eine Erdumlaufbahn
gebracht. Sie hatte eine Masse von insgesamt 85 Tonnen, ein Volumen von
295 Kubikmetern und wurde auf eine Bahn in 435 km Höhe über
der Erdoberfläche gebracht. Eine Besonderheit dieser Raumstation
war ein 10 t schweres Sonnenobservatorium.
Ausgestattet war die Station mit einem Kopplungs-Adapter für Apollo-Kapseln.
Das ganze Projekt war eine Art "Abfallprodukt" des amerikanischen
Mondlandeprogramms, das 1969 zur ersten Landung von Menschen auf dem Erdmond
führte und bis 1972 weitergeführt wurde. Zum Start der Station
wurde die für Mondflüge entwickelte Rakete "Saturn 5"
verwendet, die Station selbst war ein Aus- und Umbau der 3. Stufe dieser
Superrakete.
Die erste Besatzung startete am 25. Mai 1973, eine zweite und dritte Mannschaft
im gleichen Jahr, wobei sich die dritte Besatzung 84 Tage in der Station
aufhielt und damit einen neuen Langzeitrekord für den Aufenthalt
im Weltraum aufstellte. Erforscht wurden vor allem Sonne und Erde. Darüber
hinaus wurden zahlreiche medizinische, biologische und technische Untersuchungen
durchgeführt.
"Skylab" wurde 1973 von der letzten Besatzung konserviert und
stürzte am 11. Juli 1979 über Australien ab, wobei der größte
Teil der Station in der Atmosphäre verglühte.
Die sowjetisch-russische Weltraumstation
"Mir"
Start und Betrieb der Weltraumstation "Mir"
(= "Frieden") war eines der erfolgreichsten Weltraumunternehmen.
Das Basismodul dieser Weltraumstation wurde am 20. 2. 1986 in der Sowjetunion
gestartet. Die Station war auch dann noch in Betrieb, als die Sowjetunion
längst nicht mehr existierte. Sie wurde von Russland weiter betrieben.
Nach dem erfolgreichen Start des Basismoduls wurde im Laufe der Zeit weitere
Module angedockt, sodass die Gesamtmasse der Station dann 135 Tonnen betrug
(Bild 4). Sie kreiste in etwa 350 km Höhe über der Erdoberfläche.
Für die "Mir" kann eine erstaunliche Bilanz gezogen werden:
Sie war für eine Betriebszeit von etwa 5 Jahren konzipiert, erreichte
aber ein Lebensalter von über 15 Jahren. Dabei umkreiste sie ca.
86.000-mal die Erde und legte eine Flugstrecke von 3,2 Milliarden Kilometern
zurück. An Bord arbeiteten im Laufe der Jahre insgesamt 107 Menschen
aus 14 Ländern: 44 aus den USA, 43 aus Russland, 6 aus Frankreich,
4 aus Deutschland (z. B. ULF MERBOLD, THOMAS REITER) und je einer aus
Afghanistan, Bulgarien, Großbritannien, Japan, Kanada, Kasachstan,
Österreich, der Slowakei, Syrien und der Ukraine.
240 wissenschaftliche und technische Geräte aus 27 Ländern mit
einer Gesamtmasse von 11,5 t wurden an Bord installiert. Es fanden 16500
Experimente statt. 600 neue technologische Verfahren wurden unter den
Bedingungen der Schwerelosigkeit erprobt. Etwa 100 Raumflugkörper
mit einer Gesamtmasse von 1500 t flogen die Station an und führten
etwa 200 An-, Ab- und Umkopplungen durch.
Verbunden ist diese Weltraumstation auch mit anderen Rekorden: Der russische
Arzt und Kosmonaut WALERI POLJAKOW hält mit insgesamt 679 Tagen Aufenthalt
im Weltraum den Weltrekord. 1988/89 verbrachte er 241 Tage an Bord der
Station, 1994/95 weitere 438 Tage. Er ist damit der Mensch, der bisher
am längsten im Weltraum gelebt hat.
Der größte Teil der Raumstation "Mir" verglühte
am 23. 3. 2001 bei dem geplanten Absturz in der Atmosphäre. Die Reste
stürzten, wie geplant, in den Südpazifik.
Die Internationale Weltraumstation
(ISS)
Die Internationale
Weltraumstation, englisch als International
Space Station oder abgekürzt als ISS
bezeichnet, ist ein Vorhaben, das in der ersten Hälfte der neunziger
Jahre des 20. Jahrhunderts international vereinbart und in Angriff genommen
wurde. Diese Station sollte eigentlich bis 2004 fertiggestellt sein (Bild
5). Wegen zahlreicher Verzögerungen kann jedoch frühestens 2006
mit der Fertigstellung gerechnet werden. Beteiligt sind neben den USA
und Russland auch Japan, Kanada und Brasilien sowie die europäischen
Länder, die der Europäischen Weltraumagentur (ESA) angehören
(Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien,
Italien, Niederlande, Norwegen, Schweden, Schweiz, Spanien).
Die Station soll im ausgebauten Zustand über 6 Labormodule verfügen,
darunter ein europäisches Labormodul. Die ständige Mannschaft
sollte ursprünglcih aus 6-7 Personen bestehen, wurde jedoch nach
dem Unglück der Raumfähre "Columbia" (01. 02. 2003)
auf zwei Personen reduziert. Die Station bewegt sich in Höhen zwischen
335 km und 460 km über der Erdoberfläche. Ihre Umlaufzeit um
die Erde beträgt ca. 90 Minuten. Im Endausbau soll die Station folgende
Abmessungen haben:
| Länge: |
108 m
|
|
| Breite: |
74 m
|
|
| Masse: |
415 t
|

Es wird mit einer Betriebsdauer von mindestens 10 Jahren gerechnet.
Als erstes Modul der künftigen Raumstation wurde 1998 das russische
Funktionsmodul "Sarja" (= "Morgenröte", 20 t
Masse, 12,5 m Länge) gestartet. Es ist das Basismodul der gesamten
Station, verfügt über mehrere Adapter zur Ankopplung von Raumfahrzeugen,
dient der Lageregelung und der Energieversorgung. Inzwischen sind weitere
Module angedockt worden. Am 2. November 2000 begann die erste Besatzung
der ISS ihre Arbeit. Sie bestand aus dem US-Amerikaner BILL SHEPHERD sowie
den beiden Russen JURI GIDSENKO und SERGEJ KRIKALKOW. Aufgabe der ersten
Besatzung war es, die Arbeitsfähigkeit der Station sicherzustellen
und sie weiter auszubauen.
Dieser Ausbau wird mit wechselnden Besatzungen weiter fortgesetzt. So
startete z. B. am 17. April 2001 mit dem Space Shuttle "Endeavour"
(= "Unternehmen") zum zehnten Mal innerhalb von drei Jahren
ein bemannter Raumflugkörper zur ISS. An dieser Mission nahmen sieben
Männer aus vier Ländern (USA, Russland, Kanada, Italien) teil.
Mit diesem Unternehmen wurde u. a. der kanadische Manipulator "Canadarm
2", ein spezieller Kranarm für Außenarbeiten, zur ISS
gebracht. Montiert wurde der Manipulator auf dem Labormodul "Destiny"
(= "Schicksal"). Er hat eine Länge von 17,6 m, einen Durchmesser
von 35 cm und eine Masse von 1,8 Tonnen. An Bord der "Endeavour"
befand sich auch ein in Italien gebauter Container für Experimentieranlagen
und Verbrauchsstoffe, der den Namen des berühmten Malers und Bildhauers
"Raffaelo" trägt. Dieser Container hat eine Länge
von 6,4 m und eine Masse von 4,6 Tonnen. Mit ihm kann eine Nutzlast von
9,1 Tonnen transportiert werden. Der Container, der für 25 Einsätze
in 10 Jahren vorgesehen ist, wird zum Entladen mit dem Greifarm der Raumfähre
an den ISS-Verbindungsknoten "Unity" (= "Einheit")
angesetzt und sein Inhalt in das Forschungsmodul "Destiny" umgeladen.
Danach wird er abgekoppelt und für den Rücktransport wieder
in der Ladebucht des Space Shuttle verstaut.