





Historisches
zu Masse und Energie
Masse und Energie
(früher auch häufig als Kraft bezeichnet) waren in der klassischen
Physik Größen, die unabhängig voneinander existierten und
lediglich bei einigen Gleichungen, z.B. bei den Gleichungen für die
potenzielle oder kinetische Energie, beide eine Rolle spielten. Das änderte
aber nichts an ihrer voneinander unabhängigen Existenz.
Neben einem Energieerhaltungssatz
gab es auch einen Satz
von der Erhaltung der Masse. Beide
gelten im Bereich der klassischen Physik.
Bestimmten Objekten wurde nur eine Energie; ABER KEINE Masse zugeordnet,
z.B. dem Licht oder dem elektrischen Feld. Ende des 19. Jahrhunderts waren
aber auch einige Erscheinungen und experimentelle Ergebnisse bekannt, die
im Rahmen der klassischen Theorie nicht befriedigend erklärt werden
konnten. Dazu gehörten z.B. der von HALLWACHS entdeckte lichtelektrische
Effekt, die von BECQUEREL entdeckte radioaktive Strahlung oder die Ergebnisse
der Experimente von MICHELSON und MORLEY zum Äther.
Eine neue Sicht auf Masse und Energie
Mit seinen 1905 veröffentlichten Arbeiten zur speziellen Relativitätstheorie
entwickelte ALBERT EINSTEIN
(1879-1955) nicht nur neue Vorstellungen über Raum und Zeit. In seinem
1905 erschienenen Beitrag unter dem Titel "Ist
die Trägheit eines Körpers von seinem Energiegehalt abhängig?"
stellte EINSTEIN fest:
"Die Masse eines Körpers ist ein Maß für dessen Energiegehalt".
Den quantitativen Zusammenhang zwischen Masse und Energie gab er in Form einer Gleichung an, die sicher zu den berühmtesten und bekanntesten Gleichungen der Physik gehört. Sie lautet:

In Worten: Die Gesamtenergie eines Körpers und seine dynamische Masse
sind zueinander proportional. Masse und Energie sind äquivalent.
Man spricht auch vom Äquivalenzprinzip.
Was bedeutet Äquivalenz von Masse
und Energie?
Äquivalenz von Masse und Energie bedeutet im Unterschied zur Auffassung
der klassischen Physik, dass die beiden Größen nicht unabhängig
voneinander existieren, sondern dass jeder Form von Energie eine Masse
zugeordnet werden kann und umgekehrt jeder Masse eine Energie entspricht.
Äquivalenz bedeutet auch:
Jede Masseänderung bedeutet eine Energieänderung und umgekehrt.
Es bedeutet darüber hinaus:


Beispiele für die Äquivalenz
vom Masse und Energie
Der grundlegenden Zusammenhang von Masse und Energie spielt bei vielen
Vorgängen in der Atom- und Kernphysik sowie in der Physik der Elementarteilchen
eine fundamentale Rolle. Auch bei Alltagsvorgängen gibt es diesen
Zusammenhang zwischen Masse und Energie. Die dabei auftretenden Effekte
sind aber so gering, dass sie völlig vernachlässigt werden können.
Völlig anders ist das z.B. in der Kernphysik (siehe Beispiele).
Beispiel 1: Kernspaltung
Kernspaltung bedeutet, dass
Atomkerne von Elementen spontan oder durch äußere Beeinflussung
in Kerne leichterer Elemente zerfallen und dabei Energie freigesetzt wird.
Nach der Äquivalenz von Energie und Masse entspricht einer Energiefreisetzung
eine Verringerung der Masse. So erfolgt beispielsweise die Spaltung von
Uran-235 entsprechend der Gleichung:
Aus dieser Reaktionsgleichung folgt die Massebilanz bei der Kernspaltung:
Diesem Massendefekt entspricht eine Energie, die bei der Kernspaltung
freigesetzt wird:

Das bedeutet: Bei der Kernspaltung ist die Masse vor der Spaltung größer
als nach der Spaltung. Dem Massendefekt entspricht bei der Spaltung eines
Urankerns eine Energie von ca. 200 MeV.
Beispiel 2: Kernfusion
Kernfusion im Inneren der Sonne
ist die Quelle der Sonnenenergie, die Voraussetzung für die Entstehung
und Entwicklung des Lebens auf der Erde ist. In jeder Sekunde verschmelzen
im Inneren der Sonne 567 Mio. Tonnen Wasserstoff zu 562,8 Mio. Tonnen
Helium (Bild 3). Der Massendefekt beträgt damit in jeder Sekunde
4,2 Mio. Tonnen. Daraus ergibt sich die Energie, die in jeder Sekunde
von der Sonne abgegeben wird:

Das entspricht einer Strahlungsleistung der Sonne (in der Astronomie als
Leuchtkraft L bezeichnet) von:
Beispiel 3: Paarzerstrahlung
Die 1932 von ANDERSON entdeckten Positronen treten mit Elektronen in Wechselwirkung.
Dabei tritt ein Effekt auf, der als Paarzerstrahlung
oder Paarvernichtung bezeichnet
wird: Ein Elektron-Positron-Paar verschwindet, dabei entsteht Gammastrahlung
(Bild 4).
Damit ergibt sich für diese Paarzerstrahlung die folgende Bilanz:

Beispiel 4: Paarbildung
Auch der umgekehrte Vorgang, die Paarbildung,
ist möglich. Die wichtigste Paarbildung ist die Umwandlung
eines Photons
in ein Elektron-Positron-Paar.
Dazu ist eine Mindestenergie des Photons von 1,02 MeV erforderlich, denn
es muss entsprechend der Äquivalenz von Energie und Masse mindestens
die Energie vorhanden sein, die der Masse eines Elektrons plus eines Positrons
äquivalent ist.
Die Paarbildung spielt eine entscheidende Rolle bei der Schwächung
elektromagnetischer Strahlung beim Durchgang durch Stoffe. Insbesondere
gilt das auch für die Strahlung, die aus dem Weltraum auf die Erdatmosphäre
trifft: Durch Paarbildung in der Erdatmosphäre wird die auftreffende
Strahlung erheblich abgeschwächt.
Beispiel 5: Kernbindungsenergie
Als Kernbindungsenergie
wird die Energie bezeichnet, die erforderlich wäre, um einen Kern
in seine Bestandteile zu zerlegen. Es ist zugleich die Energie, die frei
wird, wenn ein Kern aus seinen Bestandteilen zusammengefügt wird.
Dabei gilt: Die Masse der Bestandteile eines Kerns ist größer
als die Kernmasse. Beim Zusammenfügen der Bestandteile tritt ein
Massendefekt auf, der der Kernbindungsenergie äquivalent ist. Es
gilt:

Damit kann man für einzelne Atomkerne die Kernbindungsenergie berechnen.
Die Kernbindungsenergie hängt von der Nukleonenzahl ab (Bild 5).
Die mittlere Bildungsenergie je Nukleon liegt zwischen 7 MeV und 9 MeV.