







Sowohl Dauermagnete als auch Elektromagnete werden in vielfältiger Weise genutzt. Nachfolgend ist diese Nutzung an einigen ausgewählten Beispielen beschrieben.
Kompass
Im Erdmagnetfeld richtet
sich eine Magnetnadel entlang
der Feldlinien des Erdmagnetfeldes aus. Da die Lage der magnetischen Pole
nur wenig von denen der geografischen Pole abweicht, stellt sich eine
Magnetnadel näherungsweise in Nord-Süd-Richtung ein. Der Nordpol
der Magnetnadel zeigt dabei nach Norden, weil sich in der Nähe des
geografischen Nordpols der magnetische Südpol befindet und sich
ungleichnamige Pole anziehen. Ein Kompass besteht aus einer frei beweglichen,
leichtgängig gelagerten und magnetisierten Eisennadel, die sich meist
in einem durchsichtigen Gehäuse befindet. Der äußere Rand
des Gehäuses ist oft mit einem Vollkreis und einer Skaleneinteilung
versehen. Auf diese Weise ermöglicht ein Kompass nicht nur die Auffindung
der Nordrichtung, sondern auch die Orientierung im freien Gelände.
Bei genauen Ortsbestimmungen ist die Missweisung
(Deklination) zu beachten, also die Abweichung zwischen der Richtung zum
geografischen und magnetischen Pol. Sie ist vom Ort abhängig und
beträgt in Deutschland zwischen 2° und 3°.
Lasthebemagnete
Mithilfe eines Lastenhebemagneten (Bild 2) kann man schwere ferromagnetische
Gegenstände anheben. Lastenhebemagnete sind Elektromagnete.
Sie bestehen aus einer kräftigen, meist ringförmigen Spule,
die sich in einem Eisengehäuse befindet. Das Gehäuse ist so
konstruiert, dass es selbst einen Teil des Eisenkerns der Spule darstellt.
Meist besitzt es eine glatte Unterseite, die als Haftfläche dient.
Schaltet man die Stromzuführung ein, dann baut sich um die Spule
ein kräftiges Magnetfeld auf. Ferromagnetische Gegenstände,
die in dieses Magnetfeld gelangen, werden selbst magnetisiert und dadurch
vom Elektromagneten angezogen. Sie bleiben an seiner Oberfläche haften.
Lastenhebemagnete werden häufig bei metallverarbeitenden Prozessen
eingesetzt. Anders als ein Bagger besitzen sie keine Greifzangen und halten
die Gegenstände deshalb oberflächenschonender fest. Häufig
finden sie auch auf Schrottplätzen Anwendung. Dort wirkt sich vorteilhaft
aus, dass Kunststoffe oder Werkstoffe aus Holz und Glas nicht magnetisierbar
sind. Beim Anheben einer Last, die aus einem lockeren Stoffgemisch besteht,
erfolgt somit gleichzeitig ein Sortieren nach ferromagnetischen und nicht
ferromagnetischen Werkstoffen.
Lautsprecher
Lautsprecher dienen der Umwandlung von Stromschwankungen in akustische
Signale. Das Funktionsprinzip vieler Lautsprecher basiert auf der magnetischen
Wirkung einer stromdurchflossenen Spule. Je nach den Anforderungen, die
man an die Klangwiedergabe stellt, kommen unterschiedliche Lautsprechertypen
zum Einsatz.
Dynamische Lautsprecher
verfügen über Membranen, die ein sehr gutes Schwingverhalten
aufweisen. Dies wird durch eine frei bewegliche Tauchspule
ermöglicht, die am Ende der Membran befestigt ist. Die Tauchspule
ragt in einen Elektromagneten hinein. Wird dieser Magnet von elektrischen
Strömen durchflossen, dann zieht er die Tauchspule in Abhängigkeit
von der Stromstärke unterschiedlich weit in sein Inneres hinein.
Durch diese Bewegung wird die gesamte Membran in Schwingungen versetzt.
Der Grundgedanke der dynamischen Lautsprecher geht auf WERNER VON SIEMENS
(1816-1892) zurück.
Elektromagnetisches
Relais
Relais sind elektromagnetische Schalter.
Sie dienen zum Ein- und Ausschalten eines oder mehrerer Arbeitsstromkreise.
Häufig werden Relais eingesetzt, wenn man einen starken Arbeitsstrom
mithilfe eines schwachen Stromes steuern möchte. Ein Relais besteht
aus einer Spule mit einem Eisenkern, einem beweglichen Anker und Kontaktfedern,
auf denen sich elektrische Kontakte befinden. Schließt man den Stromkreis
der Spule, der auch als Steuerstromkreis
bezeichnet wird, dann entsteht ein durch den Eisenkern verstärktes
Magnetfeld, das den Anker anzieht.
Dabei werden die Kontaktfedern zueinandergedrückt und der Arbeitsstromkreis
geschlossen. Öffnet man den Steuerstromkreis, kehrt der Anker in
seine Ausgangslage zurück, wodurch sich die Kontakte
öffnen und der Arbeitsstromkreis unterbrochen wird. Da nach dem einmaligen
Einschalten des Relais der Eisenkern dauerhaft magnetisiert ist, könnte
der Anker auch ohne Stromfluss an ihm haften bleiben. Um dies zu verhindern,
befindet sich auf dem Anker ein Trennstift
aus einem unmagnetischen Stoff, der einen kleinen Spalt zwischen Anker
und Eisenkern erzeugt. Dadurch wird die Trennung beider Bauteile nach
Stromabschaltung gewährleistet.
Elektrische
Klingel
Eine Klingel erzeugt ein periodisches akustisches Signal, sofern man einen
Gleichstromkreis schließt. Eine Klingel besteht aus einer meist
hufeisenförmig gewickelten Eisenspule, einem Anker
mit Klöppel und Kontaktfeder,
einer Stellschraube und der Glocke.
Hausklingeln werden mit Gleichstrom geringer Spannung betrieben. Betätigt
man den Klingelknopf, dann schließt sich der Spulenstromkreis. Durch
das Magnetfeld der Spulen wird der Anker zum Spulenkern gezogen. Dieser
Vorgang löst zwei Bewegungen aus: Der Klöppel schlägt gegen
die Glocke und erzeugt den Signalton, gleichzeitig hebt die Kontaktfeder
von der Stellschraube ab und unterbricht dadurch den Stromkreis. Das Spulenfeld
bricht zusammen und Kontaktfeder sowie Klöppel kehren in ihre Ausgangslage
zurück. Damit ist der Stromkreis wieder geschlossen. Der beschriebene
Ablauf kann erneut einsetzen.
Mithilfe eines Gewindes an der Stellschraube
kann man die Position zur Kontaktfeder justieren und so einen optimalen
Kontakt zwischen beiden Bauteilen sicher stellen. Das Funktionsprinzip
der Klingel besteht darin, dass ein Gleichstrom "zerhackt" wird.
Ohne die Glocke wäre eine Klingel lediglich ein periodischer Stromunterbrecher.
Ein solcher selbsttätiger Stromunterbrecher wuird als "wagnerscher
Hammer" bezeichnet. Der wagnersche Hammer wurde 1837 von J. WAGNER
(1799-1879) erfunden.
Telegrafie
Die gesellschaftliche Entwicklung im 18. und 19. Jahrhundert war gekennzeichnet
durch eine zunehmende Industrialisierung und die Notwendigkeit eines schnelleren
Informationsaustausches. Deshalb wurde nach Möglichkeiten gesucht,
Informationen schneller zu übermitteln, als es durch Boten oder Reiter
möglich war. Entwickelt wurden optische und später elektrische
Telegrafen, die es ermöglichten, Informationen auch zwischen Europa
und Amerika schnell auszutauschen.
Optische
Zeigertelegrafen - die Vorläufer
elektrischer Telegrafen: 1792 entwickelten die Gebrüder
CHAPPE aus Frankreich ein optisches Telegrafensystem. Dazu wurden
auf Gebäuden oder Bergen weithin sichtbare Signalarme aufgebaut,
die in unterschiedliche Stellungen gebracht werden konnten (Bild 6). Jede
Stellung bedeutete einen bestimmten Buchstaben oder eine bestimmte Zahl.
Die Information wurde jeweils von einer Station zur nächsten weitergegeben,
wobei sich die Stationen in Sichtweite befinden mussten.
Die erste Strecke wurde 1794 in Frankreich in Betrieb genommen. Für
die 840 km zwischen Paris und Toulon brauchte ein Signal nicht mehr als
20 Minuten. 1795/96 gingen in Deutschland und in England die ersten Linien
in Betrieb, darunter eine Verbindung zwischen Berlin und Frankfurt/Main.
Noch heute erinnern Bezeichnungen an die optischen Telegrafen: Auf dem
heutigen Telegrafenberg in Potsdam befand sich eine Station der Strecke
Berlin-Frankfurt/Main.
Die optischen Telegrafen hatten einen entscheidenden Nachteil: Bei Nacht
oder bei ungünstiger Witterung (Nebel) konnten sie nicht genutzt
werden.
Elektrische
Telegrafen: Zu Beginn des
19. Jahrhundert vollzogen sich bedeutsame Entwicklungen in der Elektrizitätslehre.
ALESSANDRO VOLTA (1745-1827) schuf elektrische Quellen, die über
längere Zeit funktionierten. ANDRÉ MARIE AMPÈRE (1775-1836)
untersuchte die verschiedenen Wirkungen des elektrischen Stromes. HANS
CHRISTIAN OERSTED (1777-1851) fand die magnetische Wirkung des elektrischen
Stromes. Diese neuen Erkenntnisse versuchten verschiedene Wissenschaftler
und Techniker auch zur Nachrichtenübertragung zu nutzen.
Einen der ersten elektrischen Telegrafen bauten 1838 in Göttingen
der Mathematiker CARL FRIEDRICH GAUSS (1777-1855) und der Physiker WILHELM
WEBER (1804-1891), um schneller Beobachtungs- und Messergebnisse austauschen
zu können. Das Prinzip der Nachrichtenübertragung war relativ
einfach (Bild 7). Bei Betätigung des Schalters in Raum 1 fließt
ein Strom durch die Leitungen, die Magnetnadel in Raum 2 wird ausgelenkt.
Bei mehrmaliger Betätigung des Schalters wird die Magnetnadel mehrmals
ausgelenkt, bei Umpolung an der elektrischen Quelle verändert sich
die Richtung der Auslenkung. Die beiden Wissenschaftler hatten ein Alphabet
verabredet und konnten sich durch die Anzahl und Richtung der Auslenkungen
verständigen. Das erste Telegramm, das so übertragen wurde,
lautet: "Michelmann kommt". Michelman war der Labordiener in
Göttingen.
Wesentliche Fortschritte wurden
durch die Arbeiten des amerikanischen Malers und Bildhauers SAMUEL
MORSE (1791-1872) erzielt. MORSE nutzte auf der Sendeseite eine Taste
als Schalter, die sogenannte Morsetaste. Auf der Empfängerseite
befand sich ein Elektromagnet mit Anker, an dem ein Schreibstift befestigt
war. Bild 8 zeigt die gesamte Anordnung, den Morseapparat. MORSE meldete
seinen Telegrafen 1837 zum Patent an.
Wurde die Morsetaste betätigt, so wurde der Schreibstift auf einen
langsam vorbeigleitenden Papierstreifen gedrückt und hinterließ
je nach Dauer der Betätigung der Morsetaste Punkte oder Striche als
"Abdruck" für kurze bzw. lange Signale.
MORSE entwickelte auch ein entsprechendes Alphabet aus kurzen und langen
Signalen, das sich allmählich auch international durchsetzte und
als Morsealphabet auch heute
noch verwendet wird.