


Künstliche Satelliten können sich auf sehr unterschiedlichen Bahnen um die Erde oder zu anderen Himmelskörpern hin bewegen (Bild 1) . Dabei handelt es sich um kreisförmige, elliptische oder parabelförmige Bahnen, die aber durch Triebwerke oder durch den Einfluss von Himmelskörpern verändert werden können.
Erdnahe Bahnen
Die meisten künstlichen Satelliten bewegen sich auf elliptischen
Bahnen um die Erde, wobei sie den keplerschen Gesetzen folgen. In Bild
1 sind die wichtigsten Bahnparameter angegeben. Das Perigäum
ist der erdnächste Punkt einer Satellitenbahn. Der Flugkörper
besitzt hier seine größte Geschwindigkeit. Das Apogäum
ist der erdfernste Punkt. Der Satellit bewegt sich in der Nähe dieses
Punktes am langsamsten.
Die Bahnneigung oder Inklination
ist der in Gradmaß angegebene Winkel zwischen der Ebene der Satellitenbahn
und der Ebene des Erdäquators.
Beträgt die Inklination 90°, so verläuft die Bahn über
die Pole und wird als Polarbahn
bezeichnet. Ist die Bahnneigung 0°, so befindet sich der Flugkörper
auf einer Bahn über dem Äquator (äquatoriale
Bahn).
Ohne größere Bahnkorrekturen kann man einen Satelliten nur von einem äquatornahen Startplatz in eine Umlaufbahn mit der Inklination 0° bringen. Ein solcher Startplatz am Äquator hat zusätzlich den Vorteil, dass beim Start in Richtung Erddrehung (nach Osten) ein merklichen Teil der notwendigen Bahngeschwindigkeit durch die Eigendrehung der Erde, also quasi umsonst, zur Verfügung steht. Weiter nördlich oder südlich gelegene Startrampen befinden sich näher an der Erdachse. Entsprechend größer ist der Energiebedarf beim Start.
Damit ein Satellit eine erdnahe Bahn erreicht, ist eine Geschwindigkeit
zwischen 7,9 km/s (1. kosmische Geschwindigkeit, minimale Kreisbahngeschwindigkeit)
und 11,2 km/s (2. kosmische Geschwindigkeit, Fluchtgeschwindigkeit) erforderlich.
Die Bahn ist in der Regel davon abhängig, für welchen Zweck
der Satellit genutzt werden soll.
Geostationäre Bahnen
Als geostationär bezeichnet man die Bahn eines Raumflugkörpers,
der sich ständig mit der gleichen Winkelgeschwindigkeit bewegt, mit
der die Erde um ihre Achse rotiert. Der Radius der Flugbahn beträgt
etwa 42.000 km. Der Satellit steht dabei über einem Punkt des Äquators.
Man kann den Bahnradius relativ einfach berechnen, wenn man davon ausgeht,
dass die Radialkraft (Zentralkraft), die den Satelliten auf seiner Bahn
hält, gleich der Gravitationskraft zwischen Erde und Satellit ist:

Ein solcher geostationärer Satellit bewegt sich auf einer Bahn mit
einem Radius von 42230 km. Das ist eine Höhe von
42230 km - 6371 km = 35859 km oder von rund 36000 km über der Erdoberfläche.
HOHMANN-Bahnen
Der deutsche Ingenieur WALTER
HOHMANN (1880-1945) beschäftigte sich mit Problemen der Raumfahrt.
In seinem 1925 veröffentlichten Buch "Die Erreichbarkeit der
Himmelskörper" beschrieb er mögliche Flugbahnen interplanetarer
Raumfahrzeuge, die man heute als HOHMANN-Bahnen
bezeichnet.
Die Grundidee ist dabei, solche Flugbahnen zu finden, bei denen ein Raumflugkörper
möglichst ohne Verbrauch von Treibstoff sein Ziel erreicht. Nach
HOHMANN besteht eine Möglichkeit darin, die Flugbahn so zu wählen,
dass der Raumflugkörper eine elliptische Bahn hat, die die Erdbahn
und die Bahn des Zielplaneten tangential berührt (Bild 3). Solche
HOHMANN-Bahnen sind vor allem eine energiesparende Variante einer Flugbahn
und insofern bedeutsam für die Realisierung interplanetarer Flüge.
Swing-by-Technik
Einen besonderen Typ von Flugbahnen erhält man durch Nutzung der
Gravitationsfelder und der Eigenbewegung anderer Planeten. Man spricht
dann von der Swing-by-Technik. Das Prinzip besteht in folgendem: Nähert
sich eine Raumsonde einem anderen Planeten, so wird sie im Gravitationsfeld
dieses Planeten beschleunigt. Darüber hinaus wird die Bahnform der
Sonde beeinflusst. Es lässt sich auf diese Weise ohne irgendeinen
Antrieb die Bahngeschwindigkeit und die Flugbahn einer Raumsonde ändern.
Nach dem Energieerhaltungssatz muss die zusätzliche kinetische Energie,
die eine Sonde erhält, vom betreffenden Himmelskörper stammen.
Angesichts der Masseverhältnisse ist dessen Geschwindigkeitsverringerung
vernachlässigbar klein.
Genutzt wurde die Swing-by-Technik beispielsweise bei den amerikanischen Voyager-Sonden. Die 1977 gestarteten Sonden Voyager 1 und Voyager 2 führten 1979 an Jupiter ein Swing-by-Manöver durch. Dadurch wurde erreicht, dass die Sonden 1980/81 den Saturn anflogen und zahlreiche Aufnahmen von diesem Planeten machten. Voyager 2 wurde in Richtung Uranus und später in Richtung Pluto umgelenkt und lieferte die ersten Fotos von diesen Planeten. Beide Sonden sind nicht mehr aktiv. Es dürften die ersten Sonden sein, die die Grenze unseres Sonnensystems erreichen.
Bemerkungen zur Energie von künstlichen
Satelliten und Sonden
Für Satelliten auf einer Erdumlaufbahn
gilt, dass sie zum einen auf eine bestimmte Bahn über der Erdoberfläche
transportiert werden müssen. Dazu ist Arbeit im Gravitationsfeld
der Erde erforderlich. Die Satelliten besitzen damit bezüglich der
Erdoberfläche eine bestimmte potenzielle Energie, die ihrer Höhe
über der Erdoberfläche abhängt. Für den Transport
in eine bestimmte Höhe und damit für ihre potenzielle Energie
in dieser Höhe gilt:

Darüber hinaus muss sich der Satellit längs seiner Bahn mit
einer bestimmten Bahngeschwindigkeit bewegen, ansonsten würde er
in Richtung Erde stürzen
Damit besitzt er eine bestimmte kinetische Energie:

Kinetische und potenzielle Energie liegen bei Satelliten in einer Erdumlaufbahn
meist in der gleichen Größenordnung.
Beispiel: Für einen Satelliten
mit einer Masse von 1000 kg ergeben sich bei einer kreisförmigen
Bahn folgende Werte:
|
Höhe über der
Erdoberfläche |
potenzielle Energie
|
kinetische Energie
|
|
500 km
|
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|
36 000 km
|
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Die Gesamtenergie ergibt sich als Summe von potenzieller und kinetischer Energie.
Bei Raumsonden, die den Bereich der Erde verlassen,
spielen potenzielle und kinetische Energie eine unterschiedliche Rolle.
Eine bestimmte Geschwindigkeit und damit eine bestimmte kinetische Energie
ist Voraussetzung dafür, dass der Bereich der Erde überhaupt
verlassen werden kann. Diese Geschwindigkeit ist die 2. kosmische Geschwindigkeit
(Fluchtgeschwindigkeit),
die für die Erde einen Wert von 11,2 km/s hat.
Die potenzielle Energie einer Raumsonde hängt dann entscheidend davon
ab, wo sie sich befindet. Sie spielt insofern eine Rolle, als Geschwindigkeit
und Bahnform durch Gravitationsfelder beeinflusst werden können und
sich mit der Bewegung auch die potenzielle Energie der Sonde ständig
ändert. Trotzdem gilt auch für Raumsonden der Energieerhaltungssatz.
Es muss dabei aber beachtet werden, dass zu dem betreffenden abgeschlossenen
System alle Körper mit ihren Gravitationsfeldern gehören, mit
denen die Sonde in Wechselwirkung tritt.