BENJAMIN FRANKLIN war ein bedeutender amerikanischer Politiker und Naturwissenschaftler,
der in einer Zeit großer gesellschaftlicher Umbrüche lebte.
Die heutigen Staaten der USA waren im 18. Jahrhundert britische Kolonien.
Mit dem Unabhängigkeitskrieg, der 1775 begann und mit dem Frieden
von Paris 1783 endete, wurde die Unabhängigkeit der amerikanischen
Staaten von Großbritannien besiegelt. Politische Höhepunkte
dieser Periode waren die von THOMAS JEFFERSON entworfene Unabhängigkeitserklärung
(1776) und die Formulierung der Bill of Right (1791), der noch heute gültigen
Verfassungsgrundsätze. GEORGE WASHINGTON wurde 1789 erster Präsident
der USA.
Auf wissenschaftlichem Gebiet begann im 18. Jahrhundert die Entwicklung
der Elektrizitätslehre als eigenständiges Teilgebiet der Physik.
Zu den Pionieren dieser Wissenschaft gehörte BENJAMIN FRANKLIN, aber
auch solche Wissenschaftler wie der Deutsche GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG
(1742-1799), die Franzosen CHARLES AUGUSTIN DE COULOMB (1736-1806) und
ANDRÉ MARIE AMPÈRE (1775-1836) und der Italiener ALESSANDRO
VOLTA (1745-1827).
Kindheit, Jugend und Ausbildung
BENJAMIN FRANKLIN wurde am 17. 1. 1706 in Governors Island bei Boston
als Sohn eines Seifensieders geboren. Sein Vater hatte England verlassen,
weil er dort in seiner Religionsfreiheit behindert wurde. Da er seine
Familie nur schwer ernähren konnte, musste BENJAMIN bereits nach
zwei Jahren den Besuch der Schule abbrechen. Er wurde zu einem älteren
Bruder in die Lehre gegeben und erlernte den Beruf eines Buchdruckers,
nutzte daneben aber alle Möglichkeiten der Weiterbildung. Ab 1723
war in Philadelphia als Buchdrucker tätig, ging 1724 nach England
und eignete sich dort umfangreiche Kenntnisse über Wissenschaft und
Politik seiner Zeit an. 1726 kehrte er nach Philadelphia zurück und
eröffnete dort eine eigene Druckerei.
Wirken als Publizist und Politiker
Bereits kurze Zeit später gab BENJAMIN FRANKLIN in Philadelphia eine
eigene Zeitung heraus, schrieb selbst viele Artikel und erlangte durch
seine publizistische Tätigkeit erheblichen Einfluss. Er war ein typischer
Vertreter der Klasse der self-made-men. Mit nur mangelhafter Schulbildung
war er in verschiedenen Bereichen tätig und bildete sich dort ständig
weiter. Durch seine politische Wirksamkeit hat er sich große Verdienste
für die Entstehung eines unabhängigen Nordamerika erworben.
Er erkannte als Vertreter Pennsylvanias in England als einer der Ersten
die Notwendigkeit gesellschaftlicher Veränderungen, denn die englische
Aristokratie konnte die Unabhängigkeitsbestrebungen Nordamerikas
weder anerkennen noch zügeln.
FRANKLIN wirkte in verschiedenen Funktionen. So war er 1736-1751 Schriftführer
des Parlaments von Pennsylvania, von 1753-1774 Generalpostmeister für
alle nordamerikanischen Kolonien, von 1776-1785 Gesandter in Paris und
nach 1785 Gouverneur von Pennsylvania. Er hatte wesentlichen Anteil am
Frieden mit England (Frieden von Paris 1783). FRANKLIN gehört auch
zu den Unterzeichnern der Unabhängigkeitserklärung (1776 verkündet)
und zu den Mitgestaltern der ersten Verfassung Nordamerikas (1791 verkündet).
Wissenschaftliche Tätigkeit
Mit großem Eifer widmete sich BENJAMIN FRANKLIN der Untersuchung
elektrischer Erscheinungen.
So führte er die Bezeichnungen "positiv" (plus) und "negativ"
(minus) für unterschiedliche elektrische Ladungen ein. In Anlehnung
an das Mündungsfeuer eines Gewehres, das er mit einem elektrischen
Funken verglich, sprach er von "Laden" und von "Ladung".
Auch der Begriff der Batterie
geht auf FRANKLIN zurück.
Daneben war FRANKLIN auch ein bedeutender Wissenschaftsorganisator: So
gründete er 1743 die American Philosophical Society und 1751 die
University of Philadelphia.
Durch zahlreiche Experimente, die er ab 1749 durchführte, hat er
die schon Anfang des 18. Jahrhunderts verbreitete Vermutung bestätigt,
Blitze seien eine elektrische Erscheinung.
Berühmt wurde seine Versuche mit Drachen,
die er im Juni 1752 steigen ließ. Am unteren Ende der Hanfschnur,
die den Drachen hielt, war ein eiserner Schlüssel angebracht (Bild
3). Zunächst passierte nichts. Als aber eine Gewitterwolke am Drachen
vorbeizog und die Schnur feucht wurde, sträubten sich die losen Fäden
der Schnur und vom Schlüssel sprangen Funken zu FRANKLINS Hand über.
Eine andere Methode der Untersuchung von Gewitterelektrizität
war, hohe Eisenstangen zu errichten und diesen während eines Gewitters
Elektrizität zu entziehen. Das führte FRANKLIN 1753 zu der Idee,
derartige Eisenstangen als Blitzableiter
zu nutzen. Seine Resultate teilte er in Briefen mit, die ihm die Mitgliedschaft
der Royal Society eintrugen. Er war auch Mitglied der französischen
Akademie der Wissenschaften.
FRANKLIN beschäftigte sich nicht nur mit elektrischen Erscheinungen,
sondern auch mit der Wärmeleitfähigkeit von Stoffen, dem Magnetismus
und der Meteorologie. Außerdem gilt als der Erfinder der Bifokalbrille,
also einer Brille mit zwei verschieden geschliffenen Teilen.
BENJAMIN FRANKLIN starb am 17. 4. 1790 in Philadelphia. Er war einer der ersten Amerikaner, der zur Entwicklung der Wissenschaft Wesentliches beigetragen hat.
Die im folgenden Text beschriebenen Untersuchungen zur Elektrizität wurden von BENJAMIN FRANKLIN 1753 durchgeführt. Er schreibt zu seinen Untersuchungen an Leitern und Nichtleitern:
Wenn der Ausgleich dieser Flüssigkeit durch
einen Leiter stattfindet, so kann dieser Ausgleich ohne Licht und ohne
Geräusch vor sich gehen, weil sich die feine Flüssigkeit in
dem Stoff des Leiters fortbewegt.
Ist der Leiter gut und von hinreichender Größe, so geht die
Elektrizität durch denselben hindurch, ohne ihn zu beschädigen;
wo nicht, so beschädigt sie ihn oder zerstört ihn sogar.
Alle Metalle und Wasser sind gute Leiter. Andere Körper, wie Holz
und die übrigen zu Bauten gebrauchten Materialien, vermögen,
falls sie eine gewisse Menge Wasser enthalten, die Elektrizität fortzuleiten.
Enthalten sie aber nicht viel Wasser, so sind sie keine guten Leiter und
werden daher oft bei einer Entladung beschädigt.
Glas, Wachs, Seide, Wolle, Haare, Federn und völlig trockenes Holz
sind Nichtleiter, d. h. sie widerstehen dem Durchgange der Elektrizität,
anstatt ihn zu erleichtern...
Die Entfernung, in welcher ein mit Elektrizität geladener Körper
sich plötzlich entlädt, indem dieselbe durch die Luft auf einen
anderen Körper überspringt, der nicht oder weniger geladen ist,
ist verschieden groß, je nach der Menge der Elektrizität, der
Größe und Gestalt der Körper, sowie der Beschaffenheit
der dazwischen befindlichen Luft. Dieser Abstand wird die Schlagweite
genannt. Erst wenn die Körper sich innerhalb derselben befinden,
tritt Entladung ein.
Bezüglich Gewittern und Blitzen kommt BENJAMIN FRANKLIN zu folgenden Erkenntnissen:
Die Wolken enthalten oft mehr Elektrizität
als die Erde. In diesem Falle verläßt dieses Fluidum die Wolken
und schlägt in die Erde, sobald sie nahe genug, d. h. in die Schlagweite
kommen, oder sobald sie einen Leiter antreffen. Wenn eine stark mit Elektrizität
geladene Wolke zu hoch ist, als daß sie innerhalb der Schlagweite
sein könnte, so zieht sie ruhig ohne Schall- und Lichterscheinungen
vorüber, es wäre denn, daß sie eine Wolke anträfe,
die weniger stark geladen ist.
Große Bäume und hohe Gebäude, wie Burgen und Kirchtürme,
werden zuweilen zu Leitern zwischen den Wolken und der Erde; aber sie
werden oft dabei beschädigt, weil sie keine guten Leiter sind, das
heißt, weil sie die Elektrizität nicht ungehindert durchlassen.
Gebäude, die mit Blei oder anderem Metall bedeckte Dächer und
metallene Traufen haben, welche zur Ableitung des Wassers vom Dache bis
in die Erde reichen, werden nie vom Blitz beschädigt, weil derselbe
jedesmal, wenn er ein derartiges Gebäude trifft, in die Metalle und
nicht in die Mauern schlägt.
Wenn andere Gebäude sich in der Schlagweite solcher Wolken befinden,
so fährt die Elektrizität in die Mauern, sie mögen aus
Holz, aus Ziegeln oder Steinen bestehen, und verläßt sie nicht
eher, bis sie bessere Leiter in der Nähe erreicht, wie metallene
Stäbe, Riegel, Fenster- und Türangeln, vergoldetes Tafelwerk
oder Bilderrahmen, Quecksilber hinter den Spiegeln, Glockenzüge oder
lebende Wesen; letztere sind leitend, weil sie wässrige Flüssigkeiten
enthalten.
Bei ihrem Wege durch das Haus folgt die Elektrizität der Richtung dieser Leiter und benutzt alle diejenigen, welche ihr den Durchgang, sei es in gerader oder krummer Linie, erleichtern. Sie springt, wenn der Abstand nicht so groß ist, von dem einen auf den anderen über und beschädigt das Gemäuer nur dort, wo die guten Leiter zu weit voneinander entfernt sind.
Wird außerhalb des Gebäudes ein eiserner
Stab angebracht, der ununterbrochen von dem höchsten Teile bis in
das feuchte Erdreich fort geht, einerlei, ob in gerader Richtung oder
gebogen, so nimmt dieser Stab den Blitz an seinem oberen Ende auf, indem
er ihn so anzieht, daß er ihn von einem Einschlagen in andere Teile
abhält, und bietet ihm eine gute Leitung bis in die Erde. Auf solche
Weise wird die Beschädigung irgend eines Teiles des Gebäudes
verhindert. Man hat gefunden, daß eine geringe Menge Metall imstande
ist, eine große Menge Elektrizität fortzuleiten. Ein eiserner
Draht, der nicht stärker als eine Gänsefeder war, vermochte
eine Elektrizitätsmenge fortzuführen, die an seinen beiden Enden
eine schreckliche Zerstörung anrichtete. Es ist wahrscheinlich, daß
dickere Stäbe nicht erforderlich sind, obgleich man sie in Amerika
einen halben, dreiviertel oder auch wohl einen ganzen Zoll stark zu machen
pflegt.
(Aus: Experiments and observations on electricity made at Philadelphia
in America by Benjamin Franklin, London 1769)