


Was
ist ein Bezugssystem?
Um den Ort und die Bewegung von Körpern oder ihren energetischen Zustand
eindeutig beschreiben zu können, muss klar formuliert werden, worauf
sich die Angaben beziehen. Zur genauen Kennzeichnung des Ortes oder der
Bewegung von Körpern ist ein Koordinatensystem erforderlich, das zumeist
mit einem bestimmten Bezugskörper verbunden ist (Bild 1).
Ein Koordinatensystem mit dem entsprechenden Bezugskörper bezeichnet man als Bezugssystem.
In Bild ist ein solches Bezugssystem dargestellt, bei dem die Erdoberfläche
als Bezugskörper gewählt ist.
Will man die Bewegung eines Körpers im Raum eindeutig kennzeichnen, so ist ein räumliches Koordinatensystem erforderlich, so wie das in Bild 2 dargestellt ist. Darüber hinaus benötigt man auch noch eine Uhr, um z.B. den zeitlichen Ablauf von Bewegungen erfassen zu können.
Räumlich kann man die Lage eines Körpers auch mithilfe eines
Ortsvektors erfassen. Ein solcher Ortsvektor
ist ein Vektor, der vom Ursprung des Koordinatensystems bis zum betreffenden
Körper verläuft.
In der Physik verzichtet man meist auf die relativ komplizierte räumliche Betrachtung und beschränkt sich auf eine Raumrichtung und die Zeit. Damit erhält man einfach zu überschauende Sachverhalte, die sich auch mathematisch gut beschreiben und grafisch veranschaulichen lassen (Bild 3). Damit lassen sich insbesondere Ortsveränderungen (Bewegungen) relativ einfach beschreiben. Statt mit Ort-Zeit-Diagrammen arbeitet man häufig mit Weg-Zeit-Diagrammen, Geschwindigkeits-Zeit-Diagrammen oder Beschleunigung-Zeit-Diagrammen.
Ruhe und Bewegung
Die Antwort auf die Frage, ob sich ein Körper bewegt oder ob er in
Ruhe ist, hängt von der Wahl des Bezugssystems ab.
Ein Körper ist in Bewegung,
wenn er seine Lage gegenüber einem Bezugssystem verändert. Er
ist in Ruhe, wenn er seine Lage gegenüber
einem Bezugssystem nicht ändert. Jede Bewegung ist somit relativ
und kann nur gegenüber einem Bezugsystem angegeben werden. Man spricht
deshalb auch von der Relativität
der Bewegung bzw. der Ruhe.
Häufig ist das gewählte Bezugsssystem ein mit der Erdoberfläche
verbundenes Koordinatensystem. Es kann aber auch ein beliebiges anderes
Bezugssystem gewählt werden. Sitzt man z. B. in einem fahrenden Zug
still, so ist man sowohl in Ruhe als auch in Bewegung. Gegenüber
dem Zug ist man in Ruhe, denn man ändert seine Lage gegenüber
dem Zug nicht. Gleichzeitig fährt aber der Zug mit hoher Geschwindigkeit
auf den Gleisen entlang. Gemeinsam mit dem Zug ändert man seine Lage,
z. B. gegenüber den Häusern an der Bahnstrecke (Bild 2).
Lange wurde in der Physik die Frage diskutiert, ob es ein absolut ruhendes
Bezugssystem (einen absoluten Raum) gäbe, also ein bevorzugtes Bezugssystem.
ALBERT EINSTEIN hat in der speziellen Relativitätstheorie gezeigt,
dass es weder einen absoluten Raum noch eine absolute Zeit gibt. Genauere
Informationen dazu sind unter den betreffenden Stichwörtern zu finden.
Unbeschleunigte Bezugssysteme
In der Physik ist zwischen unbeschleunigten und beschleunigten Bezugssystemen
zu unterscheiden.
Ein Bezugssystem, in dem das newtonsche Trägheitsgesetz gilt, nennt
man unbeschleunigtes
Bezugssystem oder Inertialsystem,
abgeleitet von inertia (lat.) = Trägheit. In solchen Inertialsystemen
lassen sich die viele physikalische Gesetze, z.B. die Bewegungsgesetze,
besonders einfach formulieren. Für solche unbeschleunigten Koordinatensysteme
gilt:
Zu beachten ist: Ein mit der Erdoberfläche
verbundenes Koordinatensystem kann nur näherungsweise als Inertialsystem
angesehen werden, da die Erde um ihre Achse rotiert und damit jeder Punkt
der Erdoberfläche eine beschleunigte Bewegung ausführt.
Beschleunigte Bezugssysteme
Jeder hat mit beschleunigten Bezugssystemen schon Erfahrungen gesammelt:
In einem bremsenden Bus muss man sich festhalten, um nicht nach vorn zu
fallen, beim Anfahren wirkt eine Kraft nach hinten. Bei einem Kettenkarussell
wirkt eine Kraft radial nach außen.
Ein Bezugssystem, das fest mit einem Körper verbunden ist, der sich
beschleunigt bewegt, wird als beschleunigtes
Bezugssystem bezeichnet. Bild 4 zeigt dafür ein Beispiel.
Bezugssysteme und Relativitätstheorie
Die Auseinandersetzung mit der von ISAAC NEWTON (1643-1727) postulierten
absoluten Zeit und dem absoluten Raum führten Anfang des 20. Jahrhunderts
zu neuen Vorstellungen von Raum und Zeit, die ALBERT EINSTEIN (1879-1955)
zusammenfassend in der speziellen Relativitätstheorie
(SRT) formulierte. Das führte auch zu veränderten Auffassungen
über Bezugssysteme. Genauere Informationen findet man im Abschnitt
"Relativitätstheorie" unter solchen Stichwörtern wie
Raum und Zeit
in der SRT, Grundaussagen der SRT, galileisches
Relativitätsprinzip und LORENTZ-Transformation.