








Die einfachste Anordnung zur Erzeugung eines Bildes besteht darin, eine
Blende in zweckmäßiger Entfernung vor einen Schirm zu setzen
(Bild 2). Versieht man Blende und Schirm noch mit einem lichtundurchlässigen
Gehäuse, dann hat man eine Lochkamera
vor sich. Sie wird in größerer Form auch als Camera
obscura (dunkle Kammer) bezeichnet.
Eine zweite Möglichkeit, eine solche eindeutige Zuordnung zwischen
Gegenstandspunkt und Bildpunkt vorzunehmen, besteht in der Verwendung
von Sammellinsen.
Sammellinsen und ihre Bauformen
Sammellinsen sind durchsichtige
Körper aus Glas oder Kunststoff, die sehr unterschiedliche Form haben
können. Wenn Licht auf sie trifft, wird es nach dem Brechungsgesetz
gebrochen. Sie sind dadurch charakterisiert, dass auf sie fallendes achsenparalleles
Licht hinter der Linse zunächst in einem Punkt, dem Brennpunkt, konzentriert
wird (Bild 3). Die Bezeichnung "Sammellinse" kennzeichnet somit
die optische Wirkung einer Linse.
Sammellinsen aus Glas oder Kunststoff sind in der Mitte dicker als am
Rand (Bild 2). Nach dieser äußerlich wahrnehmbaren Form bezeichnet
man solche Sammellinsen auch als Konvexlinsen.
Beachte: Man kann nicht bei jeder Linse aus der äußeren
Form erkennen, ob sie wie eine Sammellinse oder wie eine Zerstreuungslinse
wirkt. Das gilt insbesondere für Linsen, die mit einer Flüssigkeit
gefüllt sind oder die aus verschiedenen Stoffen bestehen.
Eine besondere Form von Sammellinsen sind FRESNEL-Linsen, die nach dem französischen Physiker AUGUSTIN JEAN FRESNEL (1788-1827) benannt sind, der diese Art von Linsen entwickelt hat. FRESNEL-Linsen sind meist großflächige Linsen aus Kunststoff (Bild 5), die aufgrund ihres Aufbaus die gleiche brechende Wirkung wie dicke Glaslinsen haben. Es gibt sie als Sammellinsen oder als Zerstreuungslinsen. FRESNEL stellte fest, dass für die Stärke der Brechung des Lichtes durch eine Linse nicht die Dicke der Glasschicht entscheidend ist, sondern die Krümmung ihrer Oberfläche. Um eine genauso starke Krümmung und damit die gleiche Brechkraft wie bei einer dicken Linse zu erreichen, ging FRESNEL folgendermaßen vor:
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Die Linse wird, ausgehend von ihrer Mitte, in sehr kleine kreisförmige Bereiche (Kreisringe) unterteilt. Diese Bereiche sind sehr schmal und mit bloßem Auge kaum sichtbar. |
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Die einzelnen Kreisringe erhalten an der Oberfläche genau die Krümmung, die eine dicke Linse an dieser Stelle hätte. |
Damit wird die gleiche Brechung des Lichtes erreicht wie mit einer entsprechenden
dicken Linse. Mit modernen Kunststoffen kann man solche Linsen sehr dünn
und großflächig herstellen. FRESNEL-Linsen werden vor allem
dort genutzt, wo man preiswerte, dünne und großflächige
Linsen benötigt, z.B. als Kondensorlinsen bei Tageslichtprojektoren
oder als Lesehilfen.
Bildentstehung an Sammellinsen
Von jedem Punkt eines Gegenstandes geht Licht in die unterschiedlichsten
Richtungen aus. Das Licht, das von einem Punkt P ausgeht und auf die Sammellinse
fällt, trifft hinter der Linse wieder in einem Punkt P' zusammen
(Bild 1). P' ist der Bildpunkt
des Gegenstandspunktes
P.
Um nun von einem Gegenstand das Bild zu erhalten, könnte man für
alle möglichen Gegenstandspunkte die Bildpunkte konstruieren. Die
Summe der Bildpunkte ergibt das Bild des Gegenstandes.
Zur zeichnerischen Konstruktion von Bildern reicht es aus, den Verlauf
einiger charakteristischer Strahlen durch Sammellinsen zu kennen. Genutzt
werden zur Bildkonstruktion Parallelstrahlen,
Brennpunktstrahlen
und Mittelpunktstrahlen
(Bild 2).
Wenn diese Strahlen an einer dünnen Sammellinse gebrochen werden,
so gilt unter der Bedingung achsennaher Strahlen:
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Ein Parallelstrahl wird so gebrochen, dass er dann durch den Brennpunkt verläuft. |
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Ein Brennpunktstrahl wird so gebrochen, dass er dann parallel zur optischen Achse verläuft. |
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Ein Mittelpunktstrahl geht ungebrochen durch eine Sammellinse. |
Diese drei charakteristischen Strahlen kann man zur Bildkonstruktion
nutzen (Bild 7). Um einen Bildpunkt zu erhalten, reicht es aus, jeweils
zwei Strahlen zu zeichnen. Fertigt man eine maßstäbliche Skizze
an, so kann man aus der Zeichnung die Bildweite
und die Bildgröße
ermitteln.
Bringt man einen Schirm an die Stelle, an der sich die Strahlen schneiden,
so erhält man auf dem Schirm ein scharfes Bild des Gegenstandes.
Der Schirm befindet sich dann genau in der Bildweite. Verschiebt man den
Schirm, so erhält man ebenfalls ein Bild. Es ist aber unscharf.
Was für ein Bild eines Gegenstandes durch eine Sammellinse entsteht,
ist von der Gegenstandsweite
(Entfernung Gegenstand-Linse) und von der Brennweite der Linse abhängig.
Bild 8 zeigt einige Bilder eines Gegenstandes bestimmter Gegenstandsgröße
bei unterschiedlicher Gegenstandweite. Ist die Gegenstandsweite größer
als die Brennweite, entstehen reelle und umgekehrte Bilder unterschiedlicher
Größe. Befindet sich der Gegenstand innerhalb der einfachen
Brennweite, so entstehen virtuelle und aufrechte Bilder. Die Sammellinse
wirkt als Lupe.
Die mathematischen Zusammenhänge zwischen Gegenstandsgröße,
Bildgröße, Gegenstandsweite, Bildweite und Brennweite der Linse
werden durch den Abbildungsmaßstab und durch die Abbildungsgleichung
erfasst.
Für den Abbildungsmaßstab
A gilt:
Die Abbildungsgleichung
für dünne Linsen lautet:
Dabei ist zu beachten, dass die Brennweite von Sammellinsen im Unterschied
zu der von Sammellinsen als positiver Wert angegeben wird. Eine Brennweite
von f = +100 mm bedeutet: Es liegt eine Sammellinse
mit einer Brennweite von 100 mm vor.
Der in Metern gemessene Kehrwert der Brennweite einer Linse wird als deren
Brechkraft oder als Brechwert
D bezeichnet. Es gilt somit:
Bei Brillen ist es üblich, die Brechkraft in Dioptrien
(dpt) anzugeben. Eine Brechkraft von +2,5 dpt bedeutet dann: Es liegt
eine Sammellinse mit einer Brennweite von
vor.
Das fermatsche Prinzip bei Sammellinsen
Nach dem fermatschen Prinzip legt das Licht den zeitlich kürzesten
Weg zurück. Wenn Licht also von A nach B gesendet wird, so wird es
den geraden Weg und niemals den Umweg über C wählen (Bild 9a).
Bringt man jedoch in die geradlinige Verbindung zwischen A und B bei
ein Medium, in dem Licht sich langsamer ausbreitet, so kann durchaus der
Weg über C der zeitlich kürzeste sein (Bild 9b).
Im Punkt
muss
dieses Medium nicht mehr ganz so breit sein, um dieselbe Verzögerung
zu erreichen, weil nun der Weg ein wenig kürzer ist als der über
(Bild 9c).
So kann man eine Figur aus diesem Medium konstruieren, damit alle Wege
von A nach B gleich lang dauern, d.h. alle von A ausgehenden Lichtstrahlen
durch dieses Medium in einem Punkt gesammelt werden. Dies ist die Sammellinse
(Bild 9d).