
Die
Brennstoffzelle - eine neue Energiequelle
Die Brennstoffzelle ist ein Spezialfall eines galvanischen Elements, bei
dem chemische Energie direkt in elektrische Energie umgewandelt wird. Während
sich bei Batterien und Akkumulatoren die an den chemischen Reaktionen beteiligten
Materialien allmählich verbrauchen, werden bei der Brennstoffzelle
die Ausgangsstoffe und Produkte der Reaktion kontinuierlich zu- und abgeführt.
Betrieben wird sie üblicherweise mit Wasserstoff und Sauerstoff; ein
einzelnes Element einer typischen Brennstoffzelle liefert eine Gleichspannung
von knapp einem Volt. Praktische Ausführungen arbeiten mit Hintereinanderschaltungen
vieler solcher Elemente. Man unterscheidet je nach Betriebstemperatur Nieder-,
Mittel- und Hochtemperaturbrennstoffzellen.
Die Brennstoffzelle wurde bereits 1839 von Sir WILLIAM
ROBERT GROVE (1811-1896) erfunden, jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg
bis zur Praxisreife gebracht. Die ersten Anwendungen waren die Stromversorgungen
in den bemannten Raketen des amerikanischen Gemini- und Apollo-Programms
in den 60ger Jahren des 20. Jahrhunderts. Bis zum Jahr 2010 wird der Brennstoffzelle
ein großes Marktpotenzial, zum Beispiel als Fahrzeugantrieb und als
wesentliche Komponente zur Stromerzeugung in Heizkraftwerken, vorausgesagt.
Historisches
Die Stromerzeugung in Batterien und Akkumulatoren hat ihre historischen
Wurzeln in den berühmten Reizversuchen mit Froschschenkeln und elektrisierten
Metallen des italienischen Arztes und Naturforschers LUIGI GALVANI (1737-1798).
Deren korrekte Erklärung lieferte der italienische Physiker ALESSANDRO
VOLTA (1745-1827), der damit die Elektrochemie begründete. In der
ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden verschiedene galvanische
Elemente konstruiert, denen allen gemeinsam ist, dass sie bei einer chemischen
Reaktion frei werdende chemische Energie in elektrische Energie umwandeln.
1839 erfand der britische Physiker und Jurist Sir WILLIAM ROBERT GROVE
(1811-1896) die Brennstoffzelle, bei der die Reaktionen von Wasserstoff
und Sauerstoff an Platinelektroden den Aufbau einer elektrischen Spannung
bewirkten. GROVE konstruierte auch andere Batterien und nutzte sie zur
Beleuchtung seiner Physikvorlesungen.
Diese ersten Brennstoffzelle war aber so ineffizient und von so kurzer
Lebensdauer, dass sie mit Generatoren nicht konkurrieren konnten. Sie
führten daher während des gesamten 19. und auch der ersten Hälfte
des 20. Jahrhunderts nur ein Schattendasein. Allerdings wurde immer wieder
versucht, sie zu verbessern. Um 1890 entwickelten die englischen Chemiker
LUDWIG MOND und CARL LANGER eine Brennstoffzelle, bei welcher der (flüssige)
Elektrolyt durch einen porösen Festkörper gehalten wurde; die
poröse Oberfläche erleichterte auch den Kontakt zwischen Brennstoff
und Elektrolyt. In den 1920er Jahren experimentierten unter anderem die
deutschen Chemiker FRITZ HABER und WALTHER NERNST mit Brennstoffzellen,
ohne jedoch einen Durchbruch zur Praxistauglichkeit zu erreichen.
Entwicklungsimpulse durch Raumfahrt
und Treibhauseffekt
Nach Vorarbeiten durch britische und sowjetische Wissenschaftler in den
1930er Jahren gelangte die Brennstoffzelle nach dem Zweiten Weltkrieg
wieder mehr und mehr in den Mittelpunkt des Interesses der Forschung.
Der Grund hierfür waren einerseits Fortschritte in der Materialwissenschaft
und Elektrochemie, welche effizientere und haltbarere Zellen ermöglichten.
Andererseits suchte man im Kalten Krieg während des "Wettlaufs
zum Mond" (1961-1969) und des Wettrüstens zwischen den USA und
der Sowjetunion nach Stromquellen mit langen Betriebsdauern, zum Beispiel
für Raketen, Satelliten oder U-Boote. Die erste praktische Anwendung
von Brennstoffzellen war die Stromversorgung der US-amerikanischen Gemini-Weltraummissionen
ab 1963. Auch die Raketen des Apolloprogramms, mit denen 1969 erstmals
Menschen zum Mond flogen, sowie die Space
Shuttle wurden mit Brennstoffzellen ausgerüstet.
Im Laufe der 1970er Jahre gelangte der zusätzliche, vom Menschen
verursachte Treibhauseffekt
in zunehmendem Maße ins öffentliche Bewusstsein. Seitdem wird
verstärkt an der Entwicklung von Brennstoffzellen für die allgemeine
Stromversorgung und auch als Fahrzeugantrieb geforscht; Brennstoffzellen,
die mit Wasserstoff und Sauerstoff betrieben werden, erzeugen nämlich
lediglich Wasser oder Wasserdampf als Abgas. Bis Ende der 1990er Jahre
konnte sich noch keine Anwendung der Brennstoffzellen am Markt durchsetzen,
der kommerzielle Einsatz dieser Technologie wird jedoch für das Jahr
2005 prognostiziert.
Aufbau und Wirkungsweise von Brennstoffzellen
Brennstoffzellen unterscheiden sich von elektrischen Batterien (Primärelementen)
und Akkumulatoren dadurch, dass bei ihnen die Materialien, die Elektronen
abgeben (Reduktionsmittel, Brennstoff) beziehungsweise aufnehmen (Oxidationsmittel),
kontinuierlich zu- und abgeführt werden. In Batterien dagegen werden
diese Materialien einmalig verbraucht, und bei Akkumulatoren werden sie
in einem Ladevorgang regeneriert, der von der Nutzung als Spannungsquelle
zeitlich getrennt ist.
Die bei einer Brennstoffzelle ablaufenden Reaktionen lassen sich mit den
Vorgängen bei der bekannten Knallgasreaktion vergleichen:
Wasserstoff und Sauerstoff vereinigen sich unter Energieabgabe zu Wasser.
Der entscheidende Unterschied zur Knallgasreaktion, die mit einer Explosion
verbunden ist, besteht darin, dass die Reaktionen räumlich getrennt
ablaufen und die Energie nicht unkontrolliert in Form von Wärme,
sondern kontrolliert als elektrische Energie abgegeben wird.
Die Anode (Bild 2) wird mit dem Brennstoff,
meist Wasserstoff, und die Katode mit Sauerstoff versorgt. Der Elektrolyt
verbindet die beiden Elektroden miteinander. Bei einer Betriebstemperatur
zwischen 80 °C und 1000 °C gibt Wasserstoff an der Anode (Minuspol)
Elektronen ab:
Die frei gewordenen Elektronen fließen über einen Verbraucher
zur Katode und können dabei Arbeit verrichten.
An der Katode nimmt Sauerstoff Elektronen auf. Sauerstoff-Ionen bewegen
sich durch den Elektrolyten zur Anode und vereinigen sich dort mit Wasserstoff-Ionen
zu Wasser:
Die Dissoziationsreaktion, also die "Verbrennung" des Wasserstoffs,
findet an der Anode, die Bildungsreaktion, also die Entstehung von Wasser,
an der Katode statt. Zwischen beiden Elektroden befindet sich ein spezieller
Elektrolyt, in dem - wie im
Fall der Niedertemperaturbrennstoffzelle - die positiven Wasserstoff-Ionen
zur Katode transportiert werden können, der jedoch für Elektronen
und neutrale Gase undurchlässig ist.
Bei Hochtemperaturbrennstoffzellen dagegen wandern die negativ geladenen
Sauerstoff-Ionen zur Anode.
Weil in der Brennstoffzelle chemische Energie nicht in Wärme, sondern
in elektrische Energie verwandelt wird, kann man die Vorgänge in
der Brennstoffzelle als "kalte Verbrennung" bezeichnen.
Katalysatoren und Elektrolyten
Eine große Schwierigkeit bei der Realisierung einer Brennstoffzelle
liegt darin, dass die Reaktionen an Anode und Katode stark temperaturabhängig
sind und bei Zimmertemperatur nur unter Einsatz eines geeigneten Katalysators
in der erforderlichen Geschwindigkeit ablaufen. Ein guter Katalysator
zeichnet sich dadurch aus, dass er sich selbst während der durch
ihn geförderten Reaktionen nicht verändert und dass er eine
große Fläche anbietet, auf der die Reaktionen ablaufen können.
Als Elektrodenmaterial verwendet man meist Kohle, die mit einem katalytisch
wirksamen Metall, zum Beispiel Platin, Palladium oder Nickel, überzogen
ist. Die Elektroden sind porös, sodass sie eine große spezifische
Oberfläche und dadurch einen guten Kontakt mit dem Elektrolyten und
den zugeführten Betriebsgasen besitzen. Die Elektroden dienen aber
nicht nur als Katalysator, sie müssen auch gemeinsam mit dem Elektrolyten
verhindern, dass sich das Brennstoff- und das Oxidationsmittelgas "kurzschließen",
das heißt in einer explosiven Reaktion direkt miteinander reagieren.
Als Elektrolyten werden Natron- oder Kalilauge, Phosphorsäure, geschmolzenes
Calciumcarbonat oder festes Zirkondioxid verwendet - fast alle sehr aggressive
Stoffe, wodurch hohe Anforderungen an die Beständigkeit der sonstigen
in der Zelle eingesetzten Materialien gestellt sind. Dies gilt vor allem
bei Mittel- und Hochtemperaturzellen, deren Arbeitstemperaturen bei 200
°C -1000 °C liegen.
Reformierung
Reines Wasserstoffgas und reines Sauerstoffgas sind aus Sicherheits- und
Kostengründen als Betriebsstoffe für Brennstoffzellen nicht
unbedingt vorteilhaft, vor allem Wasserstoff ist nicht nur hoch entzündlich,
sondern auch schwierig zu lagern: Wasserstoff ist das kleinste Molekül
und kann daher durch viele ansonsten "dichte" Behältermaterialien
hindurch diffundieren. Außerdem besitzt der gasförmige Wasserstoff
eine mehr als zehntausend Mal geringere Dichte als Wasser, daher sind
Wasserstofftanks entweder sehr groß oder stehen unter hohem Druck,
was den Umgang mit ihnen noch gefährlicher macht. Und schließlich
gibt es praktisch keine Infrastruktur zur flächendeckenden Versorgung
mit Wasserstoff, was für den Einsatz der Brennstoffzelle als Fahrzeugantrieb
eine notwendige Voraussetzung wäre.
Um dieses Problem zu umgehen, wurde ein Reformierung
genanntes Verfahren entwickelt. Darunter versteht man die Abspaltung von
Wasserstoff aus Kohlenwasserstoffen, etwa Alkohol (Methanol) oder Erdgas
(Hauptbestandteil: Methan) innerhalb oder außerhalb der Zelle. Der
Vorteil dieses Verfahrens besteht darin, dass anstatt des teuren und gefährlichen
Wasserstoffgases flüssiger Alkohol oder das preiswerte Erdgas als
Betriebsstoff zugeführt werden kann. Nachteilig ist, dass die Reformierung
Energie verbraucht, wodurch die Effizienz der Zelle herabgesetzt wird.
Die Versorgung mit Sauerstoffgas ist wesentlich weniger problematisch
als die mit Wasserstoff. Sauerstoff hat einen Anteil von etwa 20 % an
der Erdatmosphäre. Die meisten Brennstoffzellentypen können
Luftsauerstoff verarbeiten.
Wirkungsgrad von Brennstoffzellen
Eine wichtige Größe zur Charakterisierung der Effizienz eines
Energiewandlers ist sein Wirkungsgrad.
Darunter versteht man das Verhältnis von erzeugter elektrischer zu
aufgewandter chemischer Energie. Während etwa Solarzellen Werte von
höchstens 20% und ein Ottomotor einen Wirkungsgrad von 25% (Dieselmotor
bis 40%) erreicht, liegt der Wirkungsgrad von Brennstoffzellen zwischen
40% und 65%. Durch die Brennstoffreformierung wird er zwar reduziert,
jedoch wird dieser Nachteil aufgewogen durch deutliche Einsparungen bei
Transport und Lagerung des Brennstoffs. Mithilfe von Brennstoffzellen
lässt sich darüber hinaus der Wirkungsgrad anderer Energiewandlungsanlagen
kräftig steigern. So können Hochtemperaturbrennstoffzellen in
Blockheizkraftwerken
eingesetzt werden, deren Prozesswärme die Voraussetzung für
den Betrieb der Brennstoffzellen liefert. Diese wandeln zugeführte
chemische Energie (Wasserstoff und Sauerstoff) in elektrischen Strom um,
wodurch der Wirkungsgrad der Gesamtanlage auf 70% - 80% anwächst
- weit mehr als die knapp 60%, die moderne Gaskraftwerke erreichen.
Brennstoffzelltypen
Eine Einteilung der verschiedenen bisher entwickelten Varianten der Brennstoffzelle
erfolgt meist nach der Betriebstemperatur. Niedertemperaturbrennstoffzellen
haben Betriebstemperaturen von unter 100 Grad Celsius. Damit in diesem
Temperaturbereich eine ausreichend hohe Reaktionsgeschwindigkeit erreicht
wird, müssen die Elektroden mit einem Katalysatormaterial beschichtet
sein.
Zu den Niedertemperaturbrennstoffzellen zählt vor allem die alkalische
Brennstoffzelle (AFC, alkaline fuel cell). Dieser Typ mit einer Betriebstemperatur
von 80 °C bis 90 °C benutzt Wasserstoffgas als Brennstoff sowie
Sauerstoff oder Luft als Oxidationsmittel. Namensgebend ist der Elektrolyt,
eine alkalische Lauge wie Natron- oder Kalilauge. Da die starke Elektrolytlauge
die meisten Polymere und viele andere Stoffe angreift, ist die Konstruktion
langlebiger AFCs nicht einfach. Sie werden jedoch seit Jahren mit Erfolg
im Space Shuttle eingesetzt, und zwar nicht nur zur Strom-, sondern auch
zur Wasserversorgung!
Bei 60 °C -80 °C wird die Polymer-Elektrolytmembran-Brennstoffzelle
(PEMFC) betrieben. Der Elektrolyt besteht aus einer dünnen, Protonen
(also Wasserstoff-Ionen) leitenden Membran aus Perfluorosulfonsäure
(Handelsname Nafion) oder einem anderen Polymer-Ionenleiter, welche sich
zwischen zwei ebenfalls flach ausgeführten Elektroden befindet. Eine
Zelleneinheit besteht aus vielen hintereinandergeschalteten Membran-Elektroden-Kombinationen.
Beide Niedertemperaturzellen eignen sich prinzipiell für die Anwendung
als Fahrzeugantrieb, jedoch muss wegen der niedrigen Betriebstemperatur
eine Reformierung extern erfolgen, oder es muss reiner Wasserstoff getankt
werden.
Mitteltemperaturbrennstoffzellen arbeiten bei 100 °C bis 600 °C. Ein Beispiel dafür ist die Phosphorsäure-Brennstoffzelle (PAFC, phosphoric acid fuel cell). Die Kohleelektroden tragen eine Katalysatorbeschichtung, der Elektrolyt ist Phosphorsäure. Die poröse Stützstruktur, welche den flüssigen Elektrolyten enthält, besteht aus Grafit, was die Gesamtkosten beträchtlich erhöht. Phosphorsäurezellen können mit Wasserstoff, der Kohlenstoffdioxid enthält, oder reformiertem Methan betrieben werden.
Hochtemperaturbrennstoffzellen
arbeiten bei 500 °C -1000 °C, zum Teil auch darüber. Zwei
Typen von Brennstoffzellen dominieren zurzeit im Hochtemperaturbereich:
die Schmelzcarbonat- und die Festkeramik-Brennstoffzelle. Die Schmelzcarbonat-Brennstoffzelle
(MCFC, molten carbonate fuel cell) hat geschmolzenes Calcium- oder Kaliumlithiumcarbonat
als Elektrolyt, die Betriebstemperatur liegt bei 650 °C. Als Brennstoff
dient eine Mischung aus Wasserstoff und Kohlenmonoxid, das aus Wasser
und einem fossilen Energieträger (z.B. Erdöl) gewonnen wird.
Im Betrieb verbinden sich zunächst die Carbonationen des Elektrolyten
mit Wasserstoff und Kohlenmonooxid und bilden dann mit dem zugeführten
Sauerstoff Wasser und Kohlendioxid. Als Strukturmaterialien für Pumpen,
Lager und Ähnliches werden Metalle und Spezialkunststoffe benutzt,
wodurch dieser Zelltyp zwar dreimal teurer als AFCs, jedoch immer noch
preiswerter als PAFCs ist. Neben den hohen Temperaturen stellt auch die
Tatsache, dass Kohlenmonooxid ein starkes Atemgift ist, die Ingenieure
vor Probleme.
Mit 850 °C -1000 °C benötigt die Festkeramik-Brennstoffzelle
(SOFC, solid oxide fuel cell) die höchsten Betriebstemperaturen.
Als Elektrolyt dient das feste keramische Zirkondioxid. Anders als in
den Protonen leitenden sauren und alkalischen Flüssigelektrolyten
wandern hier Sauerstoff-Ionen durch den Festelektrolyt von der Kathode
zur Anode. Das passiert allerdings nur bei den genannten hohen Temperaturen,
weswegen für den Betrieb einer SOFC von außen Wärme zugeführt
werden muss. Hochtemperaturbrennstoffzellen sollen zum Beispiel in Verbindung
mit Heizkraftwerken eingesetzt werden, durch deren Abwärme sie auf
Betriebstemperatur gebracht werden können. Dadurch verschlechtert
sich zwar die Energiebilanz, andererseits könnte bei den hohen Temperaturen
die Reformierung besonders effektiv genutzt werden, sie könnte nämlich
ohne weitere Energiezufuhr vor Ort, also innerhalb einer Zelle, erfolgen.
Anwendungen: Autos, Raumfahrzeuge
und Kraftwerke
Für alle Anwendungen der Brennstoffzelle gilt es zwei physikalisch
bedingte Hindernisse zu überwinden: Zum einen beträgt die theoretisch
maximal mögliche elektrische Spannung, die von einer einzelnen Zelle
abgegeben werden kann, je nach Typ nur etwas über ein Volt (reine
Wasserstoff/Sauerstoffzelle bei 25 Grad Celsius und Normaldruck: 1,23
Volt). Im Betrieb liegen die realen Zellspannungen einzelner Elemente
zwischen 0,5 und 0,9 Volt. Daher muss man für praktisch alle Anwendungen
eine größere Zahl von Einzelelementen zu Stapeln oder Stacks
hintereinanderschalten. Auf diese Weise erreichen dann allerdings größere
Einheiten Spannungen bis in den Kilovoltbereich hinein.
Das zweite Hindernis besteht darin, dass Brennstoffzellen wie alle galvanischen
Elemente Gleichstrom liefern, der mit einem Konverter in den üblicherweise
benötigten Wechselstrom umgewandelt werden muss.
Ebenfalls für alle Varianten gilt, dass es sich um komplexe technische
Systeme handelt, die neben dem eigentlichen Spannung erzeugenden Element
viele weitere Komponenten enthalten (z.B. Pumpen, Gebläse, Zu- und
Abführungen für die Reaktionsprodukte, Brennstoffspeicher sowie
eine große Zahl von Sensoren und Stellgliedern, mit denen der sichere
Betrieb einer Zelleneinheit überwacht und gewährleistet werden
kann).
Fahrzeugantrieb: Relativ
weit entwickelt ist der Einsatz der Brennstoffzelle - in Verbindung mit
einem Elektromotor - zum Antrieb von Personen- und Nutzfahrzeugen. Pionier
dieser Entwicklung war der Daimler-Benz-Konzern (seit 1998: Daimler-Chrysler),
der 1994 das Versuchsfahrzeug Necar-I (New Electric Car), einen Kleintransporter,
vorstellte, der mit einer Niedertemperatur-PEM-Brennstoffzelle ausgestattet
war. Im März 1999 wurde der auf der A-Klasse basierende Necar-4 präsentiert,
nach Firmenangaben der erste emissionsfreie Brennstoffzellenpersonenwagen;
er hat eine Leistung von 56 Kilowatt und erreicht über 100 km/h Höchstgeschwindigkeit.
Auch andere Fahrzeughersteller arbeiten an entsprechenden Antriebsystemen.
Allerdings sind nur rein Wasserstoff betriebene Brennstoffzellenfahrzeuge
wirklich emissionsfrei, Fahrzeuge, die reformierte Kohlenwasserstoffe
verwenden, emittieren das Treibhausgas Kohlendioxid, wenn auch in deutlich
geringerem Ausmaß als herkömmliche Verbrennungsmotoren. Welches
der beiden Konzepte sich langfristig durchsetzen wird - entweder emissionsfrei,
aber Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur, oder niedrige Kohlendioxidemission
unter Nutzung der bestehenden Tankstelleninfrastruktur -, kann heute noch
nicht abgesehen werden. Die geringen oder verschwindenden Schadstoffemissionen
sind nicht der einzige Vorteil des Brennstoffzellenantriebs: Er ist lärmarm,
nahezu vibrationsfrei, sehr wartungsfreundlich und hat, aufgrund des hohen
Wirkungsgrads, einen sehr niedrigen Verbrauch. Der größte Nachteil
ist die Gefahr einer Explosion des Wasserstofftanks bei Unfällen
sowie die noch relativ geringe Reichweite.
Kraftwerke: Die zweite kommerziell
aussichtsreiche Anwendung der Brennstoffzelle ist die Stromerzeugung in
Großkraftwerken oder lokalen Blockheizkraftwerken. Für große
Anlagen bieten sich Hochtemperaturzellen auf der Basis von Feststoffkeramikelektrolyten
(SOFC) an, die mit der in einem Kraftwerk anfallenden Prozesswärme
auf Betriebstemperatur gebracht werden können.
In Berlin-Treptow wird seit Mitte 1999 ein Blockheizkraftwerk mit einem
PEMFC-Testaggregat betrieben. Es liefert 250 Kilowatt Strom und 230 Kilowatt
Wärme. In Essen ist eine Demonstrationsanlage mit 300 Kilowatt Leistung
im Jahr 2000 in Betrieb gegangen.
Raumfahrt: Das erste und am längsten erprobte Einsatzgebiet der Brennstoffzelle ist die Raumfahrt. AFCs haben viele, vor allem bemannte Raummissionen begleitet. Der Space Shuttle besitzt drei 92 Kilogramm schwere Brennstoffzelleneinheiten mit je 14 Kilowatt Leistung. Gleichzeitig produziert die Anlage sieben Liter Wasser pro Stunde. Der Wirkungsgrad der in der Raumfahrt benutzten Niedertemperaturzellen liegt mittlerweile bei über 80%.
Solare Wasserstoffwirtschaft
Brennstoffzellen allein lösen trotz ihrer vielen Vorteile nicht das
Problem der Klimaerwärmung durch die Verstärkung des natürlichen
Treibhauseffekts. Die entscheidende Frage ist, auf welche Weise der Wasserstoff
als Brennstoff gewonnen wird. Geschähe dies auf herkömmliche
Weise durch Elektrolyse mit Strom aus Kohlekraftwerken, so würde
die Kohlendioxidemission nur von der Brennstoffzelle in das Kraftwerk
verlagert. Daher spielt in heutigen Szenarien für eine globale nachhaltige
Energiewirtschaft die solare Wasserstoffwirtschaft eine große Rolle.
Diese verbindet die Stromerzeugung aus Wasserstoff mit der Gewinnung von
Wasserstoff durch Ausnutzung der Sonnenenergie. Der Strom, der für
die Erzeugung von Wasserstoff aus Wasser benötigt wird, könnte
beispielsweise fotovoltaisch, also mit Solarzellen, gewonnen werden. Die
Hauptschwierigkeit der Wasserstoffwirtschaft ist der sichere Transport
und die Lagerung von großen Mengen von Wasserstoff, sollte dieser
zum Hauptenergieträger der Weltwirtschaft werden. Die hierzu notwendigen
Entwicklungskosten sollten aber durch die Vorteile einer praktisch unerschöpflichen
und klimaverträglichen Energiequelle mehr als aufgewogen werden.