



Kreisprozesse bei Wärmekraftmaschinen
Die Umwandlung von Wärme in mechanische Arbeit ist von großer
wirtschaftlicher Bedeutung. Wird doch durch diesen Prozess die Energieform
qualitativ so verändert, dass sie unmittelbar in Produktionsprozessen
nutzbar ist. Dabei wird in Kauf genommen, dass ein Teil der zur Verfügung
stehenden inneren Energie für die Umwandlung benötigt wird.
Wie groß dieser Anteil ist und wie er verringert werden kann, war
und ist eine zentrale Frage beim Bau von Wärmekraftmaschinen.
Die ersten Maschinen zur Umwandlung von thermischer in mechanischer Energie
waren Dampfmaschinen. In ihnen wird der als Arbeitsmittel verwendete Wasserdampf
nacheinander in immer wiederkehrende Zustände überführt.
Einen solcher Prozess, in dem der Ausgangszustand stets wieder erreicht
wird, nennt man Kreisprozess.
Die Arbeitsweise der Dampfmaschinen war Vorlage für die theoretischen
Untersuchungen des französischen Ingenieurs und Physikers SADI
CARNOT (1796-1832). In seiner berühmten Schrift "Betrachtungen
über die bewegende Kraft des Feuers und die zur Entwicklung dieser
Kraft geeigneten Maschinen" zeigte er,
ÉMILE CLAPEYRON (1799-1864),
ein Schulfreund von S. CARNOT, stellte den Kreisprozess der Dampfmaschine
durch je zwei Isothermen und Adiabaten in einem p-V-Diagramm
dar (Bild 1). Dabei wird der Dampf als ideales Gas betrachtet und die
Prozessführung als reversible angenommen. Dieser Kreisprozess ist
heute als carnotscher Kreisprozess bekannt. Er ist gut geeignet, die Funktionsweise
von Energiewandlern zu erklären. Es ist darüber hinaus der Kreisprozess,
der den höchsten Wirkungsgrad
aufweist.
Der carnotsche Kreisprozess
CARNOT untersuchte den beschriebenen Prozess genauer. Eine Wärmekraftmaschine,
die einen solchen Kreisprozess durchläuft, bezeichnet man auch als
CARNOT-Maschine. CARNOT
unterteilte den Kreisprozess in vier Teilprozesse. Sie sind ausführlich
in Bild 2 dargestellt und nachfolgend erläutert:
(1) Isotherme Expansion:
Im Ausgangspunkt A hat das als Arbeitsmittel genutzte Gas

Um eine isotherme Expansion, also eine Vergrößerung des Volumens
bei konstanter Temperatur, zu realisieren, muss dem Gas eine Wärme
zugeführt
werden. Diese wird einem heißen äußeren Wärmespeicher
entnommen. Beim Übergang in den Zustand B vergrößert das
Gas sein Volumen. Es wird Arbeit verrichtet. Dabei verringert sich der
Druck.
Die Zustandsgleichung für die isothermen Expansion eines idealen
Gases lautet:
Die für die Zustandsänderung zugeführte Wärme ist
(2) Adiabatische Expansion:
Im Punkt B wird die Wärmezufuhr gestoppt. Das Gas dehnt sich aber
weiterhin aus und kühlt sich dabei auf die Temperatur
ab. Im Zustand C erreicht das Gas den kleinsten Druck und sein größtes
Volumen. Die dabei verrichtete Arbeit führt zu einer Verringerung
der inneren Energie des Gases. Der Kolben befindet sich im Umkehrpunkt.
Die Zustandsgleichung der adiabatischen Expansion des idealen Gases ist
(3) Isotherme Kompression:
Beim Übergang von C nach D wird bei konstanter Temperatur
das Volumen des Gases auf
verringert. Dabei erhöht sich der Druck. Für diesen Teilprozess
muss Arbeit aufgewendet werden. Die dabei entstehende Wärme
wird an einen kalten äußeren Wärmespeicher (die Umgebung)
abgeführt.
Die Zustandsgleichung der isothermen Kompression des idealen Gases lautet:

Die dabei abgegebene Wärme ist:

(4) Adiabatische
Kompression: Im Punkt D ist die Wärme
abgegeben.
Das Gas wird aber weiter komprimiert, bis das Ausgangsvolumen erreicht
ist. In diesem Teilprozess erhöht sich der Druck und die Temperatur
steigt wieder auf
.
Für die Realisierung dieses Teilprozesses muss ebenfalls Arbeit aufgewendet
werden, die die innerer Energie des Gases erhöht. Der Kolben befindet
sich im zweiten Umkehrpunkt, dem Ausgangspunkt A.
Die Gleichung für die adiabatische Kompression lautet:

Bei den adiabatischen Zustandsänderungen erfolgt jeweils eine Änderung der inneren Energie des Gases, die zu einer Erniedrigung bzw. zu einer Erhöhung der Temperatur führt.
Nach dem 1. Hauptsatz der Thermodynamik ist die abgegebene mechanische Arbeit W gleich der Änderung der Wärme in dem System. Die nach außen abgegebene Arbeit W ergibt sich aus der Differenz der zugeführten und abgegebenen Wärme bei den isothermen Teilprozessen:
Dabei gilt für die Wärmen
,
da die isotherme Expansion bei höherer Temperatur erfolgt als die
isotherme Kompression.
Dies ist die Ursache, warum Dampfmaschinen, Verbrennungsmotoren und andere
Wärmekraftmaschinen in der Lage sind, mechanische Arbeit zu verrichten.
Die von den Isothermen und Adiabaten eingeschlossenen Fläche ist
ein Maß für die nach außen abgegebene Arbeit. Sie kann
durch Vergrößerung der Temperatur- und Volumendifferenzen verändert
werden.
Der Wirkungsgrad beim carnotschen
Kreisprozess
Wie groß die der Wirkungsgrad
beim carnotschen Kreisprozess ist, lässt sich ebenfalls ermitteln.
Der Wirkungsgrad ist das Verhältnis von abgegebener mechanischer
Arbeit W zu zugeführter Wärme
.
Setzt man die entsprechenden Größen in die Gleichung für
den Wirkungsgrad ein, so erhält man:

Für den als reversibel angenommenen Prozess ergibt sich für das ideale Gas im carnotschen Kreisprozess:

Die Verhältnisse der Volumen können aus den Zustandsgleichungen der Teilprozesse ermittelt werden. Es ist:

Für den Wirkungsgrad einer CARNOT-Maschine ergibt sich damit:

Er ist also nur von der Temperaturdifferenz des Prozessablaufs abhängig.
Da es in der Natur und in der Technik keine vollkommen reversibel ablaufende
Prozesse gibt, ist dies der höchstmögliche Wirkungsgrad, der
beim Umwandeln von thermischer in mechanischer Energie erreicht werden
kann.
Beispiel: Eine Dampfmaschine, deren
heißer Wärmespeicher siedendes Wasser bei Normdruck von 373
K enthält und deren kalter Wärmespeicher gefrierendes Wasser
von 273 K beinhaltet, hat demnach einen Wirkungsgrad von:

Das ist ein erstaunlich niedriger Wert. Um diesen Wert zu erhöhen,
muss die Temperaturdifferenz vergrößert werden. Technisch wird
das durch ein Überhitzen des Wasserdampfes auf mehr als 500 K erreicht.
Dabei wird das Wasser unter hohem Druck zum Sieden gebracht und der entstehende
Dampf bei entsprechend hohem Druck in die Dampfturbinen eingeleitet. Dadurch
werden in Kraftwerken bei der Erzeugung von Elektroenergie aus fossilen
Brennstoffen Wirkungsgrade von bis zu 45 % erreicht.
Die Wirkungsgrade bei den Verbrennungsmotoren, die für Fahrzeuge
genutzt werden (Dieselmotoren, Ottomotoren) liegen in der Regel deutlich
niedriger.