






In einem Festkörper mit einer großen Anzahl
von Atomen treten durch die Wechselwirkungen nicht mehr diskrete Energieniveaus,
sondern relativ breite Energiebereiche auf, die man als Energiebänder
bezeichnet.
Innerhalb eines Bandes können die zugehörigen Elektronen einen
Energiewert zwischen dem tiefsten (Bandunterkante) und dem höchsten
(Bandoberkante) annehmen. Elektronen eines Bandniveaus haben in der Regel
auch in benachbarten Atomen verschieden hohe Energie.
Wie man aus dem Bild 2 anschaulich entnehmen kann, ist es möglich,
dass sich von einer bestimmten Höhe der Energie an die Potenzialtrichter
überschneiden und die Energiebänder durchgehend werden.
Ladungen, die sich in derartigen Bändern befinden, sind also keinem
Gitterpunkt mehr fest zugeordnet, sie bewegen sich durch das gesamte Gitter.
Das erste Band mit einer derartigen Eigenschaft nennt man das Leitungsband
(Bild 2). Nach oben wird die Energie der Elektronen durch die so
genannte Ablösearbeit begrenzt. Das ist der Energiewert, bei dem
die Elektronen durch die Außenfläche des Kristalls treten und
die Gitterbindung verlieren (Elektronenemission).
Das letzte Energieband, dessen untere Kante unterhalb
der Überschneidung der einzelnen Potenzialtrichter liegt, heißt
Valenzband V. In ihm befinden
sich die Elektronen, die einzelnen Atomen noch zugeordnet sind, aber gleichzeitig
den größten Kernabstand besitzen. Sie sind für die möglichen
chemischen Bindungen verantwortlich, woraus sich die Bandbezeichnung ableitet.
Für die Beschreibung elektrischer Vorgänge
reicht es völlig aus, Valenzband und Leitungsband zu betrachten.
Wie man vom bohrschen Atommodell weiß, ist zum Anheben eines Elektrons
auf ein höheres Energieniveau eine Energiezufuhr erforderlich. Analog
liegen die Verhältnisse auch im Kristallgitter. Um ein Elektron aus
dem Valenzband in das Leitungsband zu heben, ist ihm ebenfalls Energie
zuzuführen. Das kann z.B. durch Erwärmen, Zufuhr von Lichtenergie
oder elektrischer Energie erfolgen.
Anders jedoch als im freien Einzelatom, in dem die erforderliche Energie
stets den gleichen Wert für den gleichen Bahnübergang hat, ist
die erforderliche minimale Energie durch die Energiedifferenz zwischen
der unteren Bandkante des Leitungsbandes und der oberen des Valenzbandes
( Bild 3) bestimmt.
Leiter, Halbleiter
und Isolatoren im Bändermodell
Die gegenseitige Anordnung von Valenz- und Leitungsband bestimmt das elektrische
Verhalten der Festkörper (Bild 4).
In den Metallen
liegt die unter Bandkante des Valenzbandes unterhalb der Überschneidung
der Potenzialtrichter, die obere darüber. Das Leitungsband hat deshalb
eine Überschneidungszone mit dem Valenzband. Damit stehen im Leitungsband
der Metalle auch ohne äußere Energiezufuhr ständig Elektronen
zur Verfügung. Beim Anlegen einer Spannung fließt ein Strom.
In den Halbleitern
hat der Abstand der beiden Bandkanten meist die Größenordnung
von 1 eV und bleibt unter 3 eV. Das bedeutet, dass bei tiefen Temperaturen
das Leitungsband praktisch leer, das Valenzband voll besetzt ist: Das
Material verhält sich wie ein Isolator. Bei Zimmertemperatur kann
die erforderliche Mindestenergie aber aufgebracht werden, es gehen Elektronen
aus dem Valenzband ins Leitungsband über, das Material wird leitend.
Dieser Vorgang ist noch von einem zweiten begleitet, der weiter unten
aufgegriffen wird.
Bei Isolatoren ist das Leitungsband
weitgehend leer, der Abstand der Bandkanten ist größer als
3 eV und liegt meist in einer Größenordnung von etwa 7 eV.
Die Eigenleitung
bei Halbleitern
Weiter oben wurde bereits darauf hingewiesen, dass im halbleitenden Material
der Elektronenübergang aus dem Valenz- ins Leitungsband nicht allein
abläuft. Anders als in den Metallen, in denen sich die beiden Bänder
überlappen, also sich im Leitungsband Elektronen aufhalten, die energetisch
von solchen des Valenzbandes nicht zu unterscheiden sind, sodass ein solcher
Wechsel keine Änderung der Ladungsmengen nach sich zieht, bleibt
im Halbleiter im Valenzband zunächst eine unbesetzte Stelle zurück.
Da bei Energiezufuhr sich der Elektronenaufstieg ins Leitungsband an vielen
Stellen vollzieht, entsteht im Valenzband an vielen Gitterplätzen
ein positiv zurück bleibender Atomrumpf. Da die in das Leitungsband
aufgestiegenen Elektronen infolge von Wechselwirkungen untereinander oder
mit dem Kristallgitter dabei einen Teil ihrer ursprünglichen Energie
verlieren, müssen sie in das energieärmere Valenzband zurückkehren.
Nun wird ein zurückkehrendes Elektron in der Regel nicht wieder genau
dorthin kommen, wo es herkam. Die Folge davon ist, dass sich die zu einem
gegebenen Zeitpunkt ergebende Verteilung der positiven Rumpfstellen im
Gitter fortwährend ändert. Das entspricht formal einer Eigenbeweglichkeit
dieser Rümpfe, da zu verschiedenen Zeiten positive Stellen an verschiedenen
Gitterorten auftreten. Diese positiven Gitterrümpfe nennt man positive
Löcher oder Defektelektronen.
In Bild 5 ist dieser Vorgang veranschaulicht. Man nennt die Entstehung
eines Elektrons und eines positiven Lochs infolge des Elektronenübergangs
vom Valenz- zum Leitungsband eine Paarbildung.
Der entgegengesetzte Vorgang, bei dem ein Elektron des Leitungsbandes
nach Energieabgabe ins Valenzband zurückkehrt und dort wieder in
das Gitter eingebunden wird, heißt Rekombination.
Paarbildung und Rekombination befinden sich in einem dynamischen Gleichgewicht.
Das bedeutet, dass je Zeiteinheit die Anzahl beider Vorgänge gleich
ist. Die Anzahl beweglicher Ladungsträger in beiden Bändern
nimmt mit der Temperatur zu. Der hier geschilderte Vorgang spielt sich
in dieser Form allerdings nur in solchen Halbleitern ab, die keine (zumindest
praktisch keine) Atome eines anderen Stoffes im Kristallgitter haben.
Den Leitungsmechanismus, der in extrem reinen Halbleitern
allein durch die in gleicher Zahl vorhandenen Elektronen und Defektelektronen
möglich ist, nennt man Eigenleitung.
Sie ist in den verschiedenen Halbleiterwerkstoffen unter sonst gleichen
Bedingungen verschieden intensiv.
Germanium mit einem Bandabstand von 0,72 eV hat bei 300 K (also 27 °C)
eine wesentlich stärkere Eigenleitung als Silicium mit einem Bandabstand
von 1,1 eV. Denn bei der gleichen Temperatur können im Germanium
mehr Elektronen aus dem Valenz- ins Leitungsband gehoben werden, da die
erforderliche Energieanhebung kleiner ist, also mit der gleichen zugeführten
Energie im Germanium mehr Elektronen als im Silicium in das Leitungsband
kommen.
Die Störstellenleitung
Bei der Störstellenleitung kann es sich um eine n-Leitung (Überschussleitung)
oder um eine p-Leitung (Mangelleitung) handeln.
n-Leitung:
Baut man in einen zunächst extrem rein hergestellten Halbleitereinkristall
mittels spezieller Verfahren (z.B. Diffusion, Ionenimplantation) Atome
eines anderen Elements ein, so erzeugen diese Störungen im Kristallgitter.
Wählt man für diese Störstellen etwa Atome mit 5 Außenelektronen,
so ist an der Einbaustelle mehr vorhanden als für den Gitteraufbau
erforderlich, denn im Halbleiter, der 4 Außenelektronen hat, bildet
jedes Atom mit 4 weiteren je eine Elektronendoppelbindung, sodass die
letzte Schale mit 8 Elektronen besetzt ist und damit ein sehr stabiles
Gitter liefert ( Bild 6).
Ist das eingebaute Störstellenatom so ausgewählt, dass sein
Valenzband
dicht unter dem Leitungsband des Halbleiters liegt, so genügt bereits
eine minimale Energie, um das überzählige Elektron in das Valenzband
des Halbleiters zu transportieren. Die übrigen 4 Elektronen werden
über die Gitterbindung fest am eingebauten Platz gehalten.
Hat man z.B. Phosphor gewählt, so beträgt die Energiedifferenz
der beiden Bänder nur 0,044 eV. Die stehen aber bei normaler Umgebungstemperatur
zur Verfügung.
Dieses Störstellenatom liefert nach dem Verlust
des 5. Elektrons an das Valenzband natürlich kein positives Loch,
denn wegen der Umgebungsbedingungen sind die Elektronenenergien im Leitungsband
zu groß für eine Rekombination im Valenzband der Störstelle.
Dort bildet sich lediglich ein ortsfestes negatives Ion. Bild 7 versucht
diese Verhältnisse zu veranschaulichen.
Neben den Elektronen und Defektelektronen aus dem Mechanismus der Eigenleitung
kommt nun je Störstelle ein Elektron hinzu. Das bisher bestehende
Gleichgewicht zwischen der Anzahl der Elektronen und der Defektelektronen
wird nun zugunsten der Elektronen verschoben.
Damit ergibt sich folgende Ladungsträgerbilanz:
![]() |
Wegen der größeren Zahl freier
negativer Ladungen wird diese durch die Störstellen ausgelöste
Situation auch Überschussleitung
genannt.
Das Halbleitermaterial verfügt jedoch nur dann über einen dominierend
von Elektronen geprägten Leitungsmechanismus, wenn das Verhältnis
ist. Eine
derartige Forderung lässt sich aber nur innerhalb eines bestimmten
Temperaturbereichs realisieren, denn die Anzahl der Ladungen aus der Eigenleitung
zeigt eine starke Temperaturabhängigkeit. Oberhalb des zulässigen
Temperaturbereichs strebt
.
Unterhalb des genannten Bereichs passiert das gleiche, denn wegen der
sinkenden Energie wird eine Rekombination zum Valenzband der Störstellen
möglich, so dass wiederum nur die Eigenleitung verbliebe.
Die eingebauten Störstellen, die ein zusätzliches Leitungselektron
liefern, nennt man Donatoren,
den Vorgang des Einbaus von Störstellen Dotieren. Weitere Donatoren
könnten neben Phosphor auch Arsen und Antimon sein.