




Reversible
und irreversible Vorgänge
In Natur und Technik gehen ständig eine Vielzahl von Vorgänge
vor sich, die man in unterschiedlicher Weise einteilen kann. Eine aus physikalischer
Sicht ganz wesentliche Unterscheidung ist die zwischen reversiblen und irreversiblen
Vorgängen.
Der Unterschied soll an einem einfachen Gedankenexperiment verdeutlicht
werden (Bild1): Zwei Kugeln aus verschiedenem Material fallen aus gleicher
Höhe zu Boden. Während die völlig elastische Kugel annähernd
wieder ihren Ausgangspunkt erreicht, bleibt die Kugel aus Knetmasse am Boden
liegen.
Vorgänge in Natur und Technik, die von einem Ausgangszustand aus von
allein wieder zu diesem Ausgangszustand gelangen, bezeichnet man als reversible
Vorgänge oder umkehrbare
Vorgänge. Solche reversiblen
Vorgänge sind z.B. näherungsweise die Bewegung der Erde um die
Sonne, ein hin und herschwingendes Fadenpendel während eines kurzen
Zeitraumes oder die Bewegung des in Bild dargestellten hochelastischen Balls.
Daneben gibt es aber viele Vorgänge, die von
selbst nur in einer bestimmten Richtung ablaufen. Ein Beispiel ist der
in Bild 1 dargestellte Körper aus Knetmasse: Es ist nie beobachtet
worden, dass ein solcher unelastischer Körper von allein wieder seine
ursprüngliche Gestalt annimmt und in seinen Ausgangszustand zurückkehrt,
obwohl das mit dem Energieerhaltungssatz vereinbar wäre. Ähnliches
gilt für eine Tasse mit heißem Tee: Die Wärmeübertragung
erfolgt stets von heißen Tee an die kühlere Umgebung, niemals
von selbst in der umgekehrten Richtung. Bei solchen Vorgängen wird
der Ausgangszustand von allein nicht wieder erreicht. Vorgänge in
Natur und Technik, die von einem Ausgangszustand aus unbeeinflusst in
einer bestimmten Richtung ablaufen und bei denen von allein der Ausgangszustand
nicht wieder erreicht wird, nennt man irreversible
Vorgänge oder auch nicht
umkehrbare Vorgänge.
Zusammenfassend kann man einen irreversiblen Vorgang durch folgende Merkmale
kennzeichnen:
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(1)
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Wärme wird an die Umgebung abgegeben und "zerstreut" sich dort. |
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(2)
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Ein System gelangt in einen Zustand größerer Unordnung. |
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(3)
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Die Energie und die Teilchen des Systems nehmen eine wahrscheinlichere Verteilung an. |
Auch bei solchen irreversiblen Vorgängen lässt
sich der Ausgangszustand wieder herstellen, allerdings passiert das nicht
von allein, sondern durch Eingriffe von außen. Dabei zeigt eine
genauere Analyse beliebiger Beispiele: In der Regel verlaufen Vorgänge
irreversibel. Reversible Prozesse sind Grenzfälle irreversibler Prozesse.
Betrachtet man reversible und irreversible Vorgänge aus energetischer
Sicht, dann gilt:
Der Energieerhaltungssatz
erlaubt keine Entscheidung darüber, ob ein Vorgang reversibel oder
irreversibel ist. Reversibilität und Irreversibilität von Vorgängen
sind nach dem Energieerhaltungssatz möglich. Um irreversible Prozesse
genauer kennzeichnen zu können, wurde als neue physikalische Größe
die Entropie eingeführt.
Entropie und Wahrscheinlichkeit
Der Begriff Entropie wurde 1865 durch den deutschen Physiker RUDOLF
CLAUSIUS (1822-1888) in die Physik eingeführt. CLAUSIUS selbst
nutzte für die Größe auch den Terminus "Verwandlungswert".
Sie ist eine Größe, mit deren Hilfe man die Irreversibilität
eines Vorganges kennzeichnen kann. Von praktischer Bedeutung ist nicht
der absolute Betrag der Entropie S, sondern
ihre Änderung. Gemessen wird sie in der Einheit J/K (Joule durch
Kelvin).
Um das Wesen der Größe Entropie zu klären, wird der in
Bild 2 dargestellte Modellversuch betrachtet: In einem Volumen
befinden sich Gasteilchen, die von einem gleichgroßen Volumen abgetrennt
sind und sich nach Entfernen der Trennwand im gesamten Volumen
ausbreiten können. Wartet man eine hinreichend lange Zeit, dann ist
zu erwarten, das sich die Gasteilchen im gesamten Volumen gleichmäßig
verteilt haben. Eine Gleichverteilung ist die wahrscheinlichste Verteilung.
Die Wahrscheinlichkeit
dafür, dass sich alle Teilchen wieder im ursprünglichen Volumen
versammeln,
ist äußerst gering, allerdings nicht null. Diese Zusammenhänge
kann man auch quantitativ beschreiben:
Ein zufällig herausgegriffenes Teilchen befindet sich mit einer Wahrscheinlichkeit
von
Die Wahrscheinlichkeit, es im halb so großen Volumen
Dasselbe gilt auch für ein beliebiges zweites
Teilchen. Die Wahrscheinlichkeit, beide Teilchen gleichzeitig im Volumen
zu finden,
beträgt dann nur noch:
Allgemein gilt für ein solches sich selbst überlassenes System:

Dieser eben beschriebene Zusammenhang wird für
die Definition der Entropie genutzt. Es wird definiert:
Je größer für ein System die Wahrscheinlichkeit
ist, desto größer soll die Änderung der Entropie
sein, wenn es vom Ausgangszustand in den Endzustand gelangt. Es gilt:
Eine andere Definition
der Entropie
Den oben genannten Zusammenhang kann man für quantitative Betrachtungen
von Vorgängen nutzen. Er kann aber schwerlich für eine praktikable
Messung der Entropieänderung genutzt werden. Das kann man bei einem
anderen Herangehen erreichen. Dazu wird ein Wärmebad der (konstanten)
Temperatur T betrachtet, das Wärme an
ein Gas abgibt (Bild 3). Der frei bewegliche Kolben verschiebt sich dadurch.
Die Gasteilchen verteilen sich in einem größeren Raumbereich.
Die Entropie nimmt zu. Es gilt:
Davon ausgehend kann man die Entropieänderung
folgendermaßen definieren:
Beispiele für
Entropieänderungen
Nachfolgend sind einige elementare Vorgänge genannt und die jeweiligen
Entropieänderungen angegeben.
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(1)
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Schmelzen und Sieden eines Stoffes: Beim Schmelzen und bei Sieden eines Stoffes wird bei einer bestimmten Temperatur (Schmelztemperatur, Siedetemperatur) Wärme zugeführt. Die Unordnung der Teilchen wird größer. Die Entropie vergrößert sich. |
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(2)
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Temperaturausgleich zwischen zwei Körpern: Es wird insgesamt ein wahrscheinlicherer Zustand angenommen. Die Entropie vergrößert sich. |
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(3)
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Kondensieren und Erstarren eines Stoffes: Beim Kondensieren und Erstarren wird bei einer bestimmten Temperatur Wärme an die Umgebung abgegeben. Die Ordnung der Teilchen wird größer. Die Entropie nimmt ab. |
Der Wärmetod
- Was ist das?
Nachdem Ende des 19. Jahrhunderts die physikalische Bedeutung der Entropie
erkannt wurde, verbreitete sich auch in der physikalischen Literatur eine
Vorstellung, die die Menschen in Angst und Schrecken versetzte: Wenn das
Universum ein abgeschlossenes System ist, dann nimmt in ihm die Entropie
beständig zu. Irgendwann müsste das Universum dann einen Zustand
erreichen, bei dem ein vollständiger Temperaturausgleich zwischen
allen Körpern eingetreten ist. Das gesamte Universum wäre dann
ein Wärmebad mit konstanter und sehr niedriger Temperatur. Es könnten
keine weiteren Änderungen erfolgen. In der Welt würde sich nichts
mehr bewegen. Insbesondere wäre auch kein Leben mehr möglich.
Dieser Zustand wurde als Wärmetod
bezeichnet.
Ob unserem Universum ein Wärmetod bevorsteht und wann er eintreten
könnte, sind Fragen, die selbst heute nicht eindeutig beantwortet
werden können. Wir wissen aber: Die Sonne wird der Erde noch mehrere
Milliarden Jahre Wärme und Licht spenden und damit alle Prozesse
auf der Erde aufrechterhalten. Allerdings könnte das Universum in
einer sehr fernen Zukunft tatsächlich einen Wärmetod erleiden.
Gegenwärtig weiß man aber noch gar nicht, ob das Universum
tatsächlich ein abgeschlossenes physikalisches System ist. Deshalb
ist es durchaus möglich, dass ihm eine andere Zukunft als der Wärmetod
bevorsteht. Es könnte sogar recht heiß enden.
Ein Ausblick: Der
Mensch als thermodynamisches System
Physikalisch betrachtet ist der Mensch ein komplexes, hoch organisiertes,
offenes System. Er nimmt Stoff (Nahrung), damit auch Energie und Entropie
auf und exportiert diese auch wieder (Bild 5).
Stoffe werden in Form von Nahrung und Getränken aufgenommen, durch
Ausscheidungen werden Stoffe abgegeben. Konstantes Gewicht vorausgesetzt,
ist die Summe der aufgenommenen Stoffe gleich der Summe der ausgeschiedenen
Stoffe.
Mit der Nahrung erfolgt eine Energieaufnahme. Für den Grundumsatz,
d.h. zur Aufrechterhaltung der Lebensfunktionen, ist im Durchschnitt eine
Energie von 6.500 kJ pro Tag erforderlich. Die gleiche Energie wird auch
wieder abgegeben, meist in Form von Wärme an die Umgebung (Wärmestrahlung,
Wärmeleitung). Die mit der Nahrung aufgenommene Energie ist in der
Regel hochwertige Energie, die in den organischen Substanzen der Lebensmittel
gespeichert ist. Diese Energie wird durch den Verdauungsprozess entwertet.
Damit ist eine Entropieerhöhung verbunden. Mit der Abgabe der entwerteten
Energie an die Umgebung wird auch Entropie exportiert.
Der Entropieexport eines Menschen ist beträchtlich.
Er kann mit folgender Gleichung berechnet werden:
Das ist der auf den Grundumsatz bezogene Entropieexport.
Dieser Entropieexport ist Voraussetzung dafür, dass sich ein Mensch
entwickeln kann.