


Die Erde ist rund - diese Tatsache, die heute als selbstverständlich betrachtet wird, war jahrhundertelang heftig umstritten.
Hätten sich die Menschen bei der Erforschung der Erde und der Klärung ihrer Gestalt lediglich auf die eigene Erfahrung verlassen und auf wissenschaftliche Methoden verzichtet, sie hätten erst am 12. April 1961 den anschaulichen Beweis von der annähernden Kugelgestalt der Erde erhalten (Bild 1). JURI ALEXEJEWITSCH GAGARIN konnte als erster Mensch in einer Raumkapsel sitzend diesen lange bewiesenen Sachverhalt direkt wahrnehmen.
Beweise für die Kugelgestalt der Erde waren schon erforderlich.
So sahen z. B. die ägyptischen Priester, aber auch die christliche
Kirche bis weit ins Mittelalter hinein die Erde als eine kreisrunde
Scheibe an.
Diese Vorstellung beruhte auf den Alltagserfahrungen der Menschen und
ihrem - im wahrsten Sinne des Wortes - beschränkten Horizont.
Danach gab es einen kreisrunden Erdrand, um den sich das Weltmeer, der
Okeanos, befand (Bild 2). Das Zentrum dieser Scheibe bildete Griechenland,
genauer die Stadt Delphi mit ihrem Orakel als der "Nabel der Welt".
Von hier aus verkündete das Orakel die weisen Ratschläge des
Gottes Apollon den Griechen (Bild 3).
Die wahre Gestalt der Erde war wie ihre Größe und die Verteilung
von Kontinenten und Ozeanen unbekannt. Dass HEKATAIOS überhaupt eine
Karte zeichnen konnte, in der es schon viele Ähnlichkeiten mit der
heute bekannten Wirklichkeit gibt, ist mit seinen vielfältigen Reisen
in der damals bekannten Welt zu erklären.
Bereits einige Jahre bevor HEKATAIOS seine Erdkarte zeichnete, entstand allerdings schon der Gedanke, die Erde sei eine Kugel. Er tauchte seit PYTHAGORAS, einem Philosophen und Mathematiker aus Samos, immer wieder auf, konnte sich jedoch gegenüber den herrschenden Lehren der Priester, wonach die Erde eine Scheibe war, nicht durchsetzen. Erst etwa 200 Jahre später wurden u. a. von ARISTOTELES indirekte Beweise für die Kugelgestalt angeführt:
Wenige Jahre danach hatte ERATOSTHENES
die Kühnheit, die Größe der Kugel Erde bestimmen zu wollen
(Bild 4), obwohl sich die Vorstellung von der Kugelgestalt der Erde noch
längst nicht durchgesetzt hatte und es für diese Vermutung noch
keinerlei direkte Beweise gab. Sein Forschermut muss auch deshalb bewundert
werden, weil zu seiner Zeit den Griechen nur etwa zehn Prozent der Kontinente
der Erde bekannt waren, von den Ozeanen höchstens drei Prozent!
Durch seine Beobachtungen, Messungen und Berechnungen hat ERATOSTHENES
zu Gestalt und Größe der Erde wissenschaftliche Aussagen formuliert.
Diese konnten jederzeit nachgeprüft werden, und deshalb waren auch
die vorwissenschaftlichen Spekulationen zu diesem Gegenstand nahezu überwunden.
Die feste Gewissheit des Griechen von der Kugelgestalt der Erde brauchte
überhaupt nicht mehr verändert zu werden, und die Genauigkeit
seiner Bestimmung des Erdumfanges hatte länger als ein Jahrtausend
Bestand.