
In der Thermodynamik oder Wärmelehre ist es üblich, zur Beschreibung der Zustände oder Vorgänge in einem thermodynamischen System unterschiedliche Betrachtungsweisen anzuwenden. Neben der kinetisch-statistischen Betrachtungsweise wird die phänomenologische Betrachtungsweise genutzt. Es ist eine Beschreibungsweise, die gut geeignet ist, um z.B. die Wirkungsweise von Wärmekraftmaschinen (Bild 1) oder das thermische Verhalten von Körpern bei Temperaturänderung zu beschreiben. Sie ist auch die historisch ältere Betrachtungsweise.
Das Wesen der phänomenologischen
Betrachtungsweise
Wie bereits der aus dem Griechischen hergeleitete Name (phainomenon =
Erscheinung, Phänomen) sagt, ist die phänomenologische Betrachtungsweise
dadurch gekennzeichnet, dass Zustände und Prozesse von ihrer Erscheinung
her beschrieben werden. Die phänomenologische Betrachtungsweise lässt
sich dann folgendermaßen charakterisieren:
Zusammenfassend kann man formulieren:
Die Beschreibung thermodynamischer Systeme
mithilfe makroskopischer Zustands- und Prozessgrößen und ihre
Charakterisierung durch dynamische Gesetze wird als phänomenologische
Betrachtungsweise bezeichnet.
Nicht betrachtet werden dabei die elementaren Vorgänge, die in einem thermodynamischen System existieren oder vor sich gehen, z.B. die unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Teilchen oder statistische Schwankungen der Dichte.
Beispiel
1: Will man die Längenänderung einer Brücke
(Bild 2) berechnen, so muss man neben dem Stoff, aus dem die Brücke
besteht, die Länge der Brücke bei bestimmter Temperatur und die
Temperaturänderung kennen. Dann kann man eindeutig die Längenänderung
vorhersagen. Das betreffende dynamische Gesetz lautet:
Beispiel 2: Die
Druckänderung des Gases in einer Gasflasche lässt sich eindeutig
bestimmen, wenn man den Druck bei einer bestimmten Temperatur und die
Temperaturänderung kennt. Sie lässt sich dann mithilfe der Gasgesetze
berechnen. Für ein konstantes Volumen, das man bei einer Gasflasche
voraussetzen kann, gilt dann:
Anwendungsbereich
der phänomenologischen Betrachtungsweise
Grundsätzlich gilt, dass man eine bestimmte Erscheinung sowohl kinetisch-statistisch
als auch phänomenologisch beschreiben kann. So kann man z.B. den
thermischen Zustand phänomenologisch durch die Temperatur, kinetisch-statistisch
durch die mittlere kinetische Energie aller Teilchen kennzeichnen. Der
Druck in einem Gas lässt sich als Zahlenwert angeben oder als Stöße
von Teilchen interpretieren.
In den meisten Fällen ist es eine Frage der Zweckmäßigkeit
und der Zielstellung, welche Beschreibungsweise man nutzt.
Die phänomenologische Beschreibungsweise wird vor allem in folgenden
Bereichen angewendet:
- Beschreibung des thermischen Verhaltens von Körpern (Volumenänderung,
Längenänderung, Temperaturänderung von Festkörpern
und Flüssigkeiten)
- Beschreibung des Verhaltens von Gasen mit den Größen Druck,
Volumen und Temperatur (Gasgesetze);
- Beschreibung der Wirkungsweise von Wärmekraftmaschinen.
Grundsätzlich gilt: Phänomenologische und
kinetisch-statistische Betrachtungsweise ergänzen einander. Sie können
auf ein- und dieselben Prozesse und Erscheinungen angewendet werden. Welche
der Betrachtungsweise man jeweils nutzt, hängt von den gegebenen
Bedingungen und Zielen ab.