






Elektronische Schaltungen
sind Zusammenfügungen von aktiven und passiven Bauelementen zu einem
Gebilde, welches eine angestrebte Funktion realisieren kann. Man kann sie
nach ihrer Herstellungstechnologie und nach den in ihnen verarbeiteten Signalen
unterscheiden.
Werden sie aus einzelnen Bauelementen zusammengesetzt, sodass diese auch
grundsätzlich wieder aus der Schaltung herausgelöst werden könnten,
spricht man von diskreten Schaltungen. Werden sie dagegen so realisiert,
dass das einzelne Bauelement grundsätzlich nicht herausgelöst
werden kann, die Gesamtschaltung sich also wie ein einziges Bauelement verhält,
nennt man sie integrierte Schaltungen.
Unterschieden wird dabei nach der Art der verarbeiteten Signale zwischen
analogen und digitalen Schaltungen. Letztere werden in kombinatorische und
sequenzielle Schaltungen unterteilt. Nachfolgend wird ein Überblick
über die Grundlagen digitaler Schaltungen und einige Anwendungen gegeben.
Digitale Signale
Nach DIN 19226 repräsentieren Signale
Informationen. Durch ein Signal wird der Werteverlauf einer physikalischen
Größe abgebildet. Elektrische Signale sind als Abbildungen
des Werteverlaufs physikalischer Größen durch Ströme bzw.
Spannungen. Erfolgt die Abbildung auf eine stetige Funktion, spricht man
von analogen, andernfalls von diskreten Signalen.
Diskrete Signale (wir
nehmen solche mit 8 verschiedenen Werten an) werden an den Eingang eines
sogenannten Codierers gegeben,
der am Ausgang nur zweiwertige (binäre) Signale liefert. Für
8 Eingangswerte sind 3 Ausgangsleitungen erforderlich
(
). Diese 3
Leitungswerte bilden ein binäres Wort. Jedes binäre Wort mit
einer konkreten inhaltlichen Bedeutung heißt digitales
Signal. Wenn die angenommenen 8 diskreten Werte für in Volt gemessene
Spannungen stehen, bedeutet LHH = 3 V. Dabei sind L und H die Zeichen,
die für die beiden verschiedenen Werte eines binären Signals
stehen.
Werden diese Werte durch Spannungen repräsentiert, so steht L und
auch H immer für ein ganzes Spannungsintervall. Man spricht vom L-Pegel
bzw. vom H-Pegel.
H-Pegel ist derjenige der beiden Spannungsbereiche, der näher an
liegt.
Beide Pegel sind entweder positiv (p-Logik)
oder negativ (n-Logik). Bild 2
zeigt eine solche Pegelzuweisung.
Welche Werte sie im Einzelnen umfassen, hängt von den für die
Schaltungen verwendeten Halbleitermaterialien und ihrer Herstellungstechnologie
ab. Eine weitverbreitete Schaltkreisgruppe (Familie) ist die TTL-Familie
(Transistor-Transistor-Logik),
eine mit positiven Pegeln arbeitende Reihe. In ihr setzt man auch L =
0 und H = 1.
Verknüpfungen zwischen den Variablen 0 und 1 werden durch eine zweiwertige
Logik, die sogenannte boolesche
Algebra , beschrieben.
Für das Verständnis der Arbeitsweise digitaler Grundschaltungen
sind einige Kenntnisse der Verknüpfung binärer Größen
unerlässlich. Deshalb sind nachfolgend einige Grundlagen der boolschen
Algebra dargestellt.
Grundbegriffe der booleschen Algebra
Darin werden Verknüpfungen zwischen den Elementen 0 und 1 der Menge
erklärt.
Negation:
,
bezeichnet als "a negiert" bzw. "nicht a"
Konjunktion:
,
bezeichnet als "a und b"
Disjunktion:
,
bezeichnet als "a oder b"

Oberhalb der Trennlinie stehen Axiome, darunter daraus ableitbare Gesetze.Deren
Bestätigung ist durch unmittelbares Einsetzen möglich, denn
es gibt immer nur endlich viele Belegungen.
Dass damit nicht die Gesamtheit der Beziehungen in der booleschen Algebra
dargestellt ist, versteht sich von selbst. Es sind lediglich solche ausgewählt,
die für das Verständnis der folgenden Betrachtungen unbedingt
erforderlich sind.
Kombinatorische Schaltungen
Kombinatorische
Schaltungen verfügen über (mindestens) zwei Eingangs- und
eine Ausgangsleitung. Das ist in Form einer Black Box in Bild 3 skizziert.
Die erforderlichen Spannungsanschlüsse werden in der Regel nicht
gezeichnet.
Die Eingangsleitungen
können unabhängig voneinander mit 0 oder 1 belegt werden. Auf
der Ausgangsleitung A treten ebenfalls nur 0 und 1 auf. Für derartige
Systeme gibt es also nur 16 verschiedene Ein- und Ausgangsbelegungen.
Darunter sind jedoch mehrere triviale sowie Wiederholungen lediglich mit
vertauschten Eingangsleitungen. Dadurch bleiben nur 9 echte Verknüpfungen
übrig. Diese sind als Übersicht in Bild 4 zusammenfassend
dargestellt.
Es lässt sich nachweisen, dass sich alle neun Schaltungen allein mit NAND bzw. mit NOR realisieren lassen. In Bild 5 ist das beispielhaft für einige Schaltungen mit Nutzung von NAND darstellt.
Der entscheidende Aspekt, der aus dieser Tatsache folgt, ist der, das
es möglich ist, beliebige kombinatorische Schaltungen auf einer Chipfläche
dadurch zu erzeugen, dass man in einem ersten technologischen Prozess
nur NAND auf dem Chip erzeugt, die in einer zweiten Schrittfolge in der
richtigen Weise untereinander verbunden werden. So gelingt es, auf einer
Chipfläche einerseits eine große Menge gleicher kombinatorischer
Schaltungen zu erzeugen, die dann nach dem Trennen zu jeweils einem Baustein
verarbeitet werden können.
Andererseits ist es aber auch möglich, auf einer Chipfläche
eine große Menge verschiedener kombinatorischer Schaltungen zu realisieren,
die in einem abschließenden Schritt zu einem neuen komplexen Gebilde
zusammengefasst werden können.
Etwas vereinfacht lässt sich also sagen, dass digitale Schaltungen in integrierter Technik durch vielfache Wiederholungen der NAND-Struktur auf einem Chip realisiert werden können. Entsprechend wäre das prinzipiell auch mit NOR-Strukturen möglich.
Der entscheidende Gewinn dieser integrierten Schaltungstechnik ist der Umstand, dass sich das fertige Objekt hinsichtlich seiner mittleren Lebensdauer wie ein einzelnes Bauelement verhält. Wollte man derartige komplexe Schaltungen aus der erforderlichen großen Anzahl von einzelnen Transistoren, Widerständen und Verbindungsleitungen in diskreter Schaltungstechnologie erzeugen, sinkt mit der wachsenden Anzahl von Einzelelementen und Verbindungen die mittlere Lebensdauer (also die Zeit einer vollen Funktionsfähigkeit) rapide. Außerdem würde ein derartiger Aufbau zu einem großen Volumen führen.
Neben weiteren Vorzügen haben die beiden Komponenten - die Realisierung sehr komplexer digitaler Schaltungen aus wenigen Grundstrukturen und die integrierte Herstellungstechnologie - der Digitaltechnik zu ihrer heutigen Bedeutung verholfen.
Zwei alltägliche Probleme, nämlich eine elementare Waschmaschinensteuerung und das automatische Auslösen einer Sprinkleranlage, sollen mithilfe digitaler Schaltungen gelöst werden.
Waschmaschinensteuerung
Die Darstellung zur Waschmaschinensteuerung
ist vereinfacht. Es erfolgt eine Beschränkung auf eine der vielen
Funktionen.
Wir betrachten zunächst den Startvorgang "Einfüllen des
Wassers". Dabei sind offensichtlich folgende Sachverhalte zu berücksichtigen:
Die beeinflussenden Größen sind:
Diese drei Größen werden binäre Werte zugeordnet:
W = 0, kein Programm ausgewählt
W = 1, ein Waschprogramm gewählt.
E = 0, Einfüllöffnung unverschlossen
E = 1, Einfüllöffnung geschlossen
F = 0, Endfüllstand noch nicht erreicht
F = 1, Endfüllstand erreicht
Die davon beeinflusste Größe ist die Ventilstellung V:
V = 0, Ventil zu
V = 1, Ventil geöffnet.
Das ergibt eine formale Belegungstabelle mit
Zeilen.
|
Zeile
|
W
|
E
|
F
|
V
|
|
1
|
0
|
0
|
0
|
0
|
|
2
|
0
|
0
|
1
|
0
|
|
3
|
0
|
1
|
0
|
0
|
|
4
|
1
|
0
|
0
|
0
|
|
5
|
1
|
1
|
0
|
1
|
|
6
|
1
|
0
|
1
|
0
|
|
7
|
0
|
1
|
1
|
0
|
|
8
|
1
|
1
|
1
|
0
|
Praktisch dürfen die Zeilen 5 und 8 nur allein durch die Steuerung
realisiert werden. Zeile 5 öffnet das Ventil, Zeile 8 schließt
es. Die Zeile 5 lässt sich durch eine UND-Verknüpfung ausdrücken:
. Wie man durch
Einsetzen unmittelbar nachprüfen kann, öffnet allein die Belegung
aus Zeile 5 das Ventil, mit der Belegung aus Zeile 8 wird es geschlossen.
Eine Realisierung zeigt Bild 6. Natürlich werden in einer vollständigen Steuerung der Waschmaschinenfunktionen durch den Wahlschalter W nicht nur die Wasserzufuhr, sondern auch die Wassertemperatur (Heizung an/aus), die Wäschebewegung (Motor an/aus) usw. beeinflusst. Das sind strukturell aber ähnliche Schritte wie die bereits beschriebenen.
Steuerung einer Sprinkleranlage
In einer Lagerhalle werde eine Sprinkleranlage
über zwei Rauchsensoren gesteuert. Wenn mindestens einer der beiden
Sensoren anspricht, möge das Ventil der Löscheinrichtung geöffnet
werden. Bezeichnet man die Sensoren mit S und T, das Ventil mit V und
verabredet, dass das Fehlen von Rauch in S und T den Wert 0, sonst 1 liefert,
die geschlossene Stellung von V wieder 0, die geöffnete 1 liefern
soll. Das ergibt eine 4-zeilige Belegungstabelle:
|
Zeile
|
S
|
T
|
V
|
|
1
|
0
|
0
|
0
|
|
2
|
0
|
1
|
1
|
|
3
|
1
|
0
|
1
|
|
4
|
1
|
1
|
1
|
Wie man aus der Tabelle unmittelbar ablesen kann, gilt
Die
gleiche Verknüpfung bestünde auch dann, wenn eine größere
Anzahl von Sensoren zum Einsatz kommen würde. Es wäre aber auch
möglich gewesen, für V die Beziehung
abzulesen.
Denn unabhängig von der Belegung hat einer der drei Terme immer den
Wert 1. Da sie durch ODER verknüpft sind,wäre also V = 0 nur
für S = T = 0, sonst immer 1. Der Schaltungsaufwand wäre aber
weitaus höher.
Man stößt also hier auf das Problem, dass es offenbar zu einer
Aufgabenstellung durchaus verschiedene richtige Lösungen geben kann,
von denen eine den geringsten Schaltungsaufwand erfordert. Derartige Schaltungsoptimierungen
sind mittels der booleschen Algebra möglich.
Die digitale Grundstruktur NAND
Diese Struktur gibt es sowohl in unipolarer als auch in bipolarer Ausführung
und darin jeweils in verschiedenen Schaltkreisfamilien - also Systemen
mit bestimmten übereinstimmenden Parametern, wie etwa Leistung und
Schaltzeit.
Betrachtet wird stellvertretend für alle das NAND der TTL-Standard-Reihe.
Der einfachste Schaltkreis darin ist der SN 7400, der in einem 14-poligen
DIL-Gehäuse 4 NAND mit je zwei Eingängen und je einem Ausgang
sowie die Spannungsanschlüsse enthält. Im Bild 7 ist er dargestellt.
Seine Innenschaltung realisiert mithilfe eines Mehremittertransistors
ein UND mit nachgeschaltetem Negator (das ist eine vereinfachte Beschreibung).
Ihr konkreter Aufbau ist in Bild 8 dargestellt.