Elektrisches Feld der Erde
Etwa
seit Mitte des 18. Jahrhunderts weiß man, dass die Erde neben einem
magnetischen Feld auch ein elektrisches Feld besitzt. Seine Existenz wurde
1752 von L.G. LEMONNIER nachgewiesen. Mit Sonden kann man seine Stärke
in unterschiedlichen Höhen messen.
Da die Erdoberfläche negativ gegenüber der umgebenden Atmosphäre
geladen ist, verlaufen die Feldlinien im Idealfall senkrecht zur Erdoberfläche
und zu dieser hin (Bild 1). Die Atmosphäre um die Erde hat also insgesamt
eine positive Ladung, obwohl in ihr sowohl positive als auch negative Ladungsträger
vorhanden sind.
Das elektrische Feld der Erde kann näherungsweise als Radialfeld angesehen
werden. Die Feldstärke
in Erdbodennähe beträgt im Durchschnitt 130 V/m, nimmt aber
mit der Höhe schnell ab und hat in 10 km Höhe nur noch etwa 10
% und in 20 km Höhe nur noch 1 % des genannten Wertes. Insbesondere
in Erdbodennähe unterliegen die Werte aber beträchtlichen Schwankungen
und sind u.a. abhängig von der Wetterlage, der Tageszeit und der Oberflächenbeschaffenheit.
Aus der durchschnittlichen Feldstärke von 130 V/m folgt eine negative
Oberflächenladung der Erde von etwa
.
Durch Bebauung, Bäume und natürliche Unebenheiten
treten erhebliche Deformationen
des elektrischen Feldes der Erde auf, die durchaus auch von praktischer
Bedeutung sind, etwa im Hinblick auf den Blitzschutz und das Auftreten
weiterer luftelektrischer Erscheinungen wie Elmsfeuer.
Bild 2 zeigt die Äquipotenziallinien
um ein Haus und einen Baum. Eng zusammenliegende Potenziallinien bedeuten
eine große Feldstärke.
Diese große Feldstärke an Spitzen bewirkt, dass sich an solchen
Stellen bevorzugt Entladungskanäle ausbilden, mit anderen Worten:
Das sind Stellen, an denen Blitze
bevorzugt "einschlagen". Durch Gewitter
treten auch in erheblichem Umfange Störungen des elektrischen Feldes
auf.
Spannend ist die Frage, warum das elektrische Feld
der Erde überhaupt bestehen bleibt und nicht innerhalb kürzester
Zeit zusammenbricht, gibt es doch in der Erdatmosphäre durch radioaktive
Strahlung, Höhenstrahlung und UV-Strahlung eine ständige Ionisation.
Dem Abbau des elektrischen Feldes der Erde muss also ein mehr oder minder
ständiger Aufbau entgegenstehen. Dabei spielen Gewitter die entscheidende
Rolle. In Bild 3 ist ein stark vereinfachtes Ersatzschaltbild des luftelektrischen
Stromkreises dargestellt. Die entscheidenden elektrischen Vorgänge
spielen sich in einem Bereich zwischen der Erdoberfläche und ca.
70 km Höhe über ihr ab und lassen sich so kennzeichnen:
- In Schönwettergebieten der Erde fließt
ständig ein Strom positiver Ladung zur Erde. Für die gesamte
Erde beträgt dieser Strom etwa 1.000 A, die Luft der Atmosphäre
wirkt als elektrischer Widerstand.
- Wenn ein Gleichgewicht bestehen soll, muss in umgekehrter
Richtung im Mittel ein gleich großer Strom fließen. Das
ist tatsächlich der Fall, wobei sich dieser Strom aus drei Komponenten
zusammensetzt.
Diese Komponenten sind erstens die durch den Niederschlag transportierte
Ladung, der Niederschlagsstrom.
Bei Niederschlägen überwiegen die positiven Ladungen.
Zweitens sind das die Ströme, die weltweit bei Gewittern auftreten,
der sogenannten Blitzstrom.
Es geht hierbei nur um die Blitze zwischen Wolken und Erde. Die Blitze
zwischen Wolken spielen dabei keine Rolle.
Drittens kommt ein mit Gewittern verbundener Vertikalstrom
hinzu, zum Beispiel durch Spitzen und Koronaentladungen. Abschätzungen
haben ergeben, dass der Niederschlagsstrom im Mittel etwa +500 A, der
Blitzstrom durch die ständig rund 2000 Gewitter weltweit etwa -400
A und der Vertikalstrom zwischen -1000 A und -1600 A beträgt. Insgesamt
ergeben sich damit im Mittel etwa 1000 A, wobei dieser Strom dem "Schönwetterstrom"
entgegengerichtet ist.