



Gleichstrommotoren
Die wesentlichen Bauteile eines Gleichstrommotors sind der Feldmagnet
(Stator), der drehbar gelagerte Anker
(Rotor), der Kollektor und die
Kohlebürsten (Bild 2).
Die Wirkungsweise kann in unterschiedlicher Weise erklärt werden.
Ein Erklärungsmuster geht davon aus, dass sich im Magnetfeld des
Feldmagneten (Dauer- oder Elektromagnet) der Rotor
befindet, der aus stromdurchflossenen Leitern besteht. Auf stromdurchflossene
Leiter im Magnetfeld wirken Kräfte. Da der Rotor drehbar gelagert
ist, bewirken die außerhalb der Drehachse angreifenden Kräfte
ein Drehmoment, das zu einer Rotation des Rotors führt.
Wenn sich die ungleichen Magnetpole des Feldmagneten
und des Ankers direkt gegenüberstehen, muss das Magnetfeld des Ankers
umgepolt werden, damit sich die Drehbewegung fortsetzt (Bild 3). Dies
geschieht durch den Kollektor (Polwender). Durch die Trägheit der
Drehbewegung rotiert der Anker über den Totpunkt hinweg. Dabei kehrt
sich die Stromrichtung im Anker um. Nun treten wieder abstoßende
und anziehende Kräfte zwischen Feldmagneten und Anker auf, die zur
Fortsetzung der Drehbewegung führen.
Damit eine möglichst gleichförmige Drehbewegung erfolgt, nutzt
man in der Technik nicht die in den Skizzen angegebenen einfachen Doppel-T-Anker,
sondern wesentlich komplizierter aufgebaute Trommelanker
mit einer entsprechend großen Anzahl von Polen. Dadurch wird auch
ein besseres Anlaufen und eine gleichmäßigere Drehbewegung
erreicht. Bei Motoren größerer Leistung muss ein Anlasswiderstand
vorgeschaltet werden.
Gleichstrommotoren können als Reihenschlussmotor oder als Hauptschlussmotor
geschaltet sein. Erläuterungen dazu sind weiter unten gegeben. Gleichstrom-Nebenschlussmotoren
eignen sich für Antriebe kleinerer Leistung mit begrenztem Drehzahlstellbereich.
Gleichstrom-Hauptschlussmotoren
werden wegen der stark lastabhängigen Drehzahlkennlinie vor allem
als Antriebsmotoren für Fahrzeuge (Kräne, Straßenbahnen,
Elektroloks) genutzt.
Wechselstrommotoren
Der häufig als Elektromagnet ausgelegte Feldmagnet wird mit Gleichstrom
betrieben. Steht nur eine Wechselstromquelle zur Verfügung, dann
muss dieser vor der Zuleitung in die Feldspule gleichgerichtet werden.
Durch die feste Stromrichtung im Feldmagneten entsteht ein konstantes
Magnetfeld mit ruhenden Magnetpolen.
Durch den Anker wird hingegen Wechselstrom geleitet. Dieser Wechselstrom
bewirkt die Entstehung eines Magnetfeldes, dessen Pole sich im Takt des
Wechselstromes ändern. Bei der Netzfrequenz (50 Hz) polt sich das
Magnetfeld des Ankers also 50-mal je Sekunde um. Dadurch wechseln auch
50-mal in einer Sekunde anziehende und abstoßende Kräfte zwischen
Feldmagneten und Anker ihre Richtung. Würde man den Anker aus seiner
Ruhelage heraus unter Wechselstrom setzen, dann könnte er infolge
seiner Trägheit nur kleine "Zitterbewegungen" ausführen.
Versetzt man den Anker aber vor der Stromzuführung bereits in Rotationsbewegung,
dann kann er bei richtiger Drehfrequenz seine Rotation fortsetzen. Dies
geschieht dann, wenn der Anker in dem Moment, in dem er sich gerade am
magnetischen Nordpol des Feldmagneten vorbei bewegt, infolge der Stromumpolung
dort auch selbst seinen eigenen magnetischen Nordpol ausbildet. Die gleichnamigen
Pole stoßen sich ab und die Drehbewegung wird fortgesetzt. Gleiches
gilt für die magnetischen Südpole.
Bei der beschriebenen Bauform eines Wechselstrommotors muss der Anker
mit der gleichen Frequenz rotieren, mit der auch der elektrische Wechselstrom
seine Richtung ändert. Man nennt solche Motoren Synchronmotoren.
Daneben gibt es auch Asynchronmotoren.
Bei ihnen wird die Drehbewegung durch ein rotierendes Drehfeld hervorgerufen,
wobei konstruktionsbedingt ein Schlupf,
d.h. eine Differenz zwischen der Drehfelddrehzahl und der Läuferdrehzahl,
auftritt.
Gleichstrommotoren
als Wechselstrommotoren
Wenn man bei einem Gleichstrommotor die Anschlüsse des Feldmagneten
vertauscht, dann bewegt er sich rückwärts. Vertauscht man gleichzeitig
die Anschlüsse von Feldmagneten und Anker, dann behält der Gleichstrommotor
seine ursprüngliche Drehrichtung bei. Ein Wechselstrom bedeutet aber
nichts anderes als das ständige "Vertauschen" der Stromrichtung.
Deshalb kann ein Gleichstrommotor im Grunde auch als Wechselstrommotor
betrieben werden. Für praktische Zwecke hat man allerdings zu berücksichtigen,
dass durch die ständige Umpolung sehr starke induktive
Widerstände in den Spulen hervorgerufen werden. Dabei gilt: Je
höher die Wechselstromfrequenz ist, desto größer ist der
induktive Widerstand. Man muss also Gleichstrommotoren für den Betrieb
unter Wechselstrom entsprechend der Netzfrequenz anpassen. Insbesondere
bei Hochleistungsmotoren
bemüht man sich, Verluste durch die induktiven Widerstände der
Motorspulen zu vermeiden. Deshalb betreibt zum Beispiel die Eisenbahn
ein eigenes Stromnetz, dessen Netzfrequenz nur 16,66 Hz beträgt.