Entdeckung der elektromagnetischen Induktion
Durch die Entdeckungen von LUIGI GALVANI (1737-1798) und ALESSANDRO VOLTA
(1745 bis 1827) konnten erstmals leistungsfähige elektrische Quellen
entwickelt werden.
Mit diesen elektrischen Quellen wurden ab dem Jahre 1800 viele Untersuchungen
zu Wirkungen des elektrischen Stromes durchgeführt.
Zu dieser Zeit waren Vorstellungen von der Einheit der Naturkräfte
in der Wissenschaft weitverbreitet. Auch zwischen Elektrizität und
Magnetismus vermutete man Zusammenhänge, gab es doch auffällige
Analogien zwischen elektrischen und magnetischen Erscheinungen, wie die
Polarität oder die Anziehung und Abstoßung zwischen Polen bzw.
elektrischen Ladungen.
Der dänische Physiker HANS CHRISTIAN
OERSTED
(1777-1851) war ein Anhänger der Auffassung vom Zusammenhang zwischen
Elektrizität und Magnetismus. Er versuchte, an galvanischen Elementen
Magnetismus nachzuweisen (Bild 2).
1820 wollte er in einer Vorlesung vor Studenten einen Draht durch elektrischen
Strom zum Glühen bringen.
Beim Einschalten des Stromes bemerkte er bei einem zufällig in der
Nähe liegenden Kompass, dass die Kompassnadel abgelenkt wurde. Nach
Ausschalten des Stromes drehte sich die Kompassnadel in die ursprüngliche
Nord-Süd-Richtung zurück.
OERSTED hatte damit die
magnetische
Wirkung des elektrischen Stromes, d.h. die Erzeugung von Magnetismus
durch elektrischen Strom, entdeckt. In vielen Experimenten untersuchte OERSTED
diesen Zusammenhang genauer und fand u.a., dass die Richtung des Ausschlages
der Kompassnadel von der Stromrichtung abhängig ist.
Die Entdeckungen von OERSTED wurden von anderen Wissenschaftlern aufgegriffen
und weiterentwickelt. So entdeckte ANDRÉ MARIE
AMPÈRE
(1775-1836) die Kräfte zwischen stromdurchflossenen Leitern und schuf
die Grundlagen für den Elektromotor und das Stromstärkemessgerät.
Auch MICHAEL
FARADAY
baute die Experimente von OERSTED nach. OERSTEDs Entdeckung veranlasste
FARADAY zur Umkehrung der Fragestellung, zur Suche nach der Erzeugung von
elektrischem Strom durch Magnetismus. 1822 schrieb FARADAY in sein Tagebuch
"Verwandlung von Magnetismus in Elektrizität" als Aufgabe.
10 Jahre benötigte FARADAY, bis er 1831 die elektromagnetische
Induktion
entdeckte. FARADAY ging zunächst von der Analogie zur elektrischen
Influenz aus. Ruhende elektrische Ladungen "erzeugen" durch Influenz,
englisch auch "induction" genannt, auf benachbarten metallischen
Körpern Ladungstrennung. Er vermutete, dass bewegte Ladungen, also
elektrischer Strom, durch Induktion in benachbarten Leitern Induktionsströme
erzeugen. In Experimenten war dies jedoch nicht nachweisbar. Dafür
konnte FARADAY beobachten, dass beim Ein- oder Ausschalten des Stromes in
einer benachbarten Spule ein Induktionsstrom entsteht (Bild 3). Nicht das
Magnetfeld eines stromdurchflossenen Leiters induziert also im benachbarten
Leiter einen Strom, sondern die Änderung dieses Magnetfeldes.
Die Änderung des Magnetfeldes in einer Induktionsspule
kann auch durch eine mechanische Bewegung erfolgen. Elektrischen Strom kann
man also aus Magnetismus und mechanischer Bewegung gewinnen. Innerhalb von
drei Monaten entwickelte FARADAY alle wichtigen
Grundversuche
zur elektromagnetischen Induktion und eine Urform eines elektrischen
Generators.
Er entdeckte damit physikalische Zusammenhänge, die eine Grundlage
der gesamten modernen Elektrotechnik sind.
Darüber hinaus entdeckte FARADAY bei seinen Untersuchungen auch eine
Möglichkeit eines elektromotorischen Antriebs.
Bei Stromfluss existiert um den stromdurchflossenen Leiter ein kreisförmiges
Magnetfeld. Bringt man einen kleinen Magneten in das Gefäß, so
schwimmt dieser Magnet auf einer kreisförmigen Bahn um den stromdurchflossenen
Draht herum.