

Nachfolgend ist die Originalveröffentlichung von JAMES FRANCK und GUSTAV HERTZ aus dem Jahre 1914 angegeben. Der Beitrag wurde wegen des fehlenden deutschen Originals aus dem Englischen rückübersetzt. Eine moderne Variante und eine ausführliche Erläuterung dieses Versuches ist in dem Beitrag "FRANCK-HERTZ-Versuch" gegeben.
Über die Anregung der 2536-A-Quecksilberresonanzlinie
durch Elektronenstöße
Von J. Franck und G. Hertz
Bei unseren Experimenten über
Stöße von Elektronen mit Molekülen eines Edelgases oder
eines Metalldampfes zeigte sich, daß die Elektronen bei solchen
Stößen ohne Energieverlust reflektiert werden, solange ihre
kinetische Energie eine bestimmte Größe nicht übersteigt;
sobald ihre Energie gleich dem kritischen Wert wird, verlieren die Elektronen
ihre kinetische Energie gänzlich bei einem Stoß.
Die kritische Geschwindigkeit ist eine für jedes Gas charakteristische
Größe und ist in den bisher untersuchten Fällen gleich
der Ionisationsenergie.
Dieses Ergebnis stimmt völlig mit der Quantentheorie überein,
da entsprechend dieser Theorie die Schwingungen der Elektronen in einem
Atom die Energie nur in bestimmten Quanten und nicht in willkürlichen
Mengen aufnehmen können. Die Frage, ob tatsächlich, wie ebenfalls
aus der Quantentheorie folgt, die kleinste Energiemenge, die übertragen
werden kann, gleich dem Produkt aus der planckschen
Konstanten h und der Frequenz
des die Energie
aufnehmenden Elektrons ist, konnte für den Fall des Quecksilberdampfes
nur mit einem bestimmten Maß von Sicherheit entschieden werden.
Im Falle dieses Dampfes hatte man nicht nur mit relativ hoher Genauigkeit
die kritische kinetische Energie gemessen, sondern man kennt auch sehr
wahrscheinlich die Frequenz des schwingenden Elektrons, da die WOODschen
Experimente über die Quecksilberresonanzstrahlung
bewiesen haben, daß es in jedem Quecksilberatom ein Elektron gibt,
das mit einer Frequenz entsprechend einer Wellenlänge von 2536 Angström
schwingen kann.
Das bedeutete,
daß der von uns gemessene Wert entsprechend dem kleinsten Energiequant,
das übertragen werden kann, innerhalb der Genauigkeitsgrenzen mit
dem Produkt
übereinstimmte.
Um mit Sicherheit aus unseren Experimenten zu schließen, daß
die untersuchten Erscheinungen in Übereinstimmung mit der Quantentheorie
stehen, können wir selbst uns jedoch nicht darauf beschränken
nachzuweisen, daß die Energie nur in bestimmten Quanten übertragen
wird. Vielmehr ist es noch notwendig zu beweisen, daß das gesamte
übertragene Energiequant
an ein einziges Elektron abgegeben wird, das mit der Frequenz
schwingen
kann. Es ist das Ziel der vorliegenden Arbeit, diesen Beweis zu erbringen.
Wie wir in unserer
früheren Arbeit betont haben, führt die Mehrzahl
der Stöße, die auf das schwingende Elektron eine Energie
übertragen, nicht zur Ionisierung. In den Atomen, die solche Stöße
erlitten haben, gibt es also ein Elektron der Energie
,
das mit der Frequenz
schwingt. Man könnte daher erwarten, daß solche Stöße,
die nicht zur Ionisation, aber zu einem Energieverlust
führen, von einer Lichtemission der Frequenz
begleitet sein sollten, d. h. , daß es möglich sein sollte,
die Emission von Resonanzstrahlung zu beobachten. Das bedeutet: Wenn man
Elektronen in Quecksilberdampf bringt und ihnen ermöglicht, eine
Geschwindigkeit entsprechend einer Spannungsdifferenz von 4,9 V zu erreichen,
sollte es möglich sein, eine Lichtemission zu beobachten, die ausschließlich
der Emission der 2536-Angström-Quecksilberresonanzlinie entspricht.
Die Experimente haben diese Erwartung voll bestätigt.
In Bild 2 zeigen wir die verwendete
Apparatur. Das Gefäß bestand aus Quarz; der untere Teil und
die beiden Rohre am Boden waren mit Quecksilber gefüllt. Eine kreisförmige
Gasflamme erhitzte die Apparatur auf etwa 150 °C. Der Platindraht
D, der elektrisch aufgeheizt wurde, diente als
Elektronenquelle. Das Platingitter N auf der anderen Seite war
über ein Galvanometer mit der Erde verbunden, und wir legten eine
Spannung an, um die Elektronen zwischen Draht und Gitter zu beschleunigen.
Die Lötstellen, die nicht vermieden werden konnten, wurden so weit
wie möglich von den erhitzten Teilen der Apparatur entfernt und mit
Wasser gekühlt. Wir verwendeten einen Fuess-Ultraviolettspektrografen,
der uns
freundlicherweise von Professor GOLDSTEIN zur Verfügung gestellt
wurde, um die emittierte Strahlung zu untersuchen.
Wir wissen aus
unseren früheren Untersuchungen, daß
bei sorgfältig gewählten Werten von Druck und Spannung nur Elektronen
mit der der Spannung 4,9 V entsprechenden Geschwindigkeit auftreten, sobald
die angelegte Spannung 4,9 V übersteigt, jedoch keine größeren
Geschwindigkeiten vorkommen. Wir können aber nicht mit Sicherheit
behaupten, daß keine Elektronen mit dieser Geschwindigkeit anwesend
sind, wenn die angewandte Spannung niedriger als 4,9 V ist, da die Elektronen
den Platindraht mit einer bestimmten Anfangsgeschwindigkeit verlassen,
die für die verwendeten Drähte etwa 1 V entspricht. Die erhaltenen
Aufnahmen zeigen nach einer Belichtung von ein oder zwei Stunden ein kontinuierliches
Spektrum, das sich, hervorgerufen durch das von dem glühenden Draht
emittierte Licht, bis ins Violette erstreckt, und dann, in großem
Abstand davon, klar die 2.536-Angström-Linie; in keinem Falle gab
es auch nur einen Verdacht auf eine andere Quecksilberlinie, wie sie teilweise
im Quecksilberbogenspektrum mit weit größeren Intensitäten
als die Resonanzlinie auftreten. Die Identifizierung der Linie erfolgt
durch Vergleich mit einer für die Apparatur angefertigten Wellenlängenskala
sowie durch Auflegen auf das
Bogenspektrum des Quecksilbers als Vergleichsspektrum.
Bild 3 zeigt eine solche Aufnahme, die aufgenommen wurde, als das auf
die Elektronen wirkende Potenzial 8 V betrug. Sie zeigt eindeutig (wir
hoffen auch in der Reproduktion) das Auftreten der 2536-Angström-Resonanzlinie.
Die Intensität des emittierten Lichtes hängt stark vom Dampfdruck
ab, wie aus den WOODschen Ergebnissen über die Streuung und Absorption
der Resonanzstrahlung in Quecksilberdampf auch verständlich ist.
Die besten Ergebnisse wurden bei einer Temperatur von etwa 150 °C erzielt, so daß der Druck des Quecksilberdampfes mehr als 1 mm betrug. Wir haben das Auftreten der Linie unter Veränderung der Versuchsbedingungen für verschiedene angewandte Spannungen verfolgt und sahen dabei für Potenziale unterhalb des kritischen niemals auch nur eine Spur der Linie; z. B. gibt es für 4 V unter den gleichen Bedingungen kein Anzeichen für die Linie, während sie bereits bei 6 V deutlich zu erkennen ist.
Da wir nun gesehen haben, daß
das übertragene Energiequant
tatsächlich genau gleich
ist, können wir eine genaue Messung dieses Energiequants zur Bestimmung
der Konstanten h benutzen, die nicht weniger genau sein sollte
als die auf Strahlungsmessungen beruhende Bestimmung dieser Konstanten.
Da außer der gemessenen Potenzialdifferenz, die von den Elektronen
durchquert wird, nur das Elementarquant
und die Wellenlänge der Resonanzstrahlung in die Berechnung eingehen,
kann man auf diese Weise die Größe h mit der gleichen
Genauigkeit bestimmen, mit der wir die kritische Geschwindigkeit der Elektronen
messen können. Aus unseren Messungen finden wir
mit einem möglichen Fehler von 2 %, wohingegen die von verschiedenen
Autoren gefundenen Werte der Strahlungskonstanten um weit mehr als 2%
differieren.
Wenn wir den Wert von WARBURG für
die Konstante
des Strahlungsgesetzes verwenden,

Beide Werte stimmen mit unseren innerhalb der angegebenen Grenzen überein. Diese Ergebnisse führen zu neuen Fragen, deren Beantwortung durch weitere Experimente, die wir in gewissem Umfang gerade vorbereiten, erfolgen soll. Die interessantesten Experimente von GEHRCKE und SEELIGER sowie von HOLM zeigen, daß die Situation für höhere Elektronengeschwindigkeiten weit weniger einfach ist. Nach GEHRCKE und SEELIGER rufen Elektronen von etwa 10 V sichtbares Licht in Quecksilberdampf hervor. Es wäre von großem Interesse, diese Untersuchungen auf den ultravioletten Bereich auszudehnen. Man sollte auch untersuchen, ob für andere Metalldämpfe und für Edelgase eine ähnliche Strahlung auftritt, deren Wellenlänge aus der Energie der Elektronen, die die Energie durch unelastische Stöße übertragen, abgeschätzt werden kann. Das Leichteste würde wahrscheinlich sein, die Alkalidämpfe zu untersuchen.
Zusammenfassung
Die Ergebnisse unserer beiden Arbeiten über die Stöße
von Elektronen mit Quecksilberatomen können wie folgt zusammengefaßt
werden:
ist,
wobei
die
der Resonanzlinie entsprechende Frequenz ist.
erreicht
hat, wird dieses Energiequant bei einem der folgenden Stöße
auf das vorliegende Spektrum der Frequenz
übertragen.
emittiert.
mit einem möglichen Fehler von 2 %. Ein Teil der verwendeten Apparatur
wurde von einer Beihilfe der Solvay-Stiftung gekauft, wofür wir unseren
Dank aussprechen.