

Im Spektrum von sehr weit entfernten Galaxien beobachtet man auffällige Linienverschiebungen der Spektrallinien gegenüber dem Spektrum einer ruhenden Vergleichsquelle. Auf ähnliche Weise wie bei den Radialgeschwindigkeiten der Sterne müssen diese Linienverschiebungen im Spektrum der Galaxien als radiale Bewegungen interpretiert werden. Sehr weit entfernte Galaxien bewegen sich von uns fort. Diesen Effekt bezeichnet man als Galaxienflucht (Bild 1).
Heute wird die Entdeckung der Galaxienflucht dem amerikanischen Astrophysiker EDWIN POWELL HUBBLE (1889-1953) zugeschrieben - zu Recht, wenn man seine gesamte wissenschaftliche Leistung auf diesem Gebiet berücksichtigt. Allerdings finden sich auch bei einigen Wissenschaftlern vor HUBBLE Hinweise auf die Galaxienflucht. HARLOW SHAPLEY (1895-1972) bemerkte im Jahre 1917, dass die DOPPLER-Verschiebungen (Rotverschiebungen) in den Spektren einiger Spiralnebel ihre radiale Entfernungszunahme von uns anzudeuten scheinen. Allerdings hielt er die Spiralnebel damals noch für Objekte innerhalb unseres Milchstraßensystems.
Dem Wissenschaftler WILLEM
DE SITTER (1872-1934) war aufgefallen, dass die lichtschächeren
Galaxien eine tendenziell größere Rotverschiebung
besitzen, als die helleren Sternsysteme.
Als Erster formulierte aber HUBBLE das nach ihm benannte Gesetz
der homogenen Galaxienexpansion,
das unter dem Stichwort "HUBBLE-Gesetz"
ausführlich dargestellt ist. Das war möglich, nachdem er im
Jahre 1929 den linearen Zusammenhang zwischen der Fluchtgeschwindigkeit
und der Entfernung der Galaxien andeutungsweise aus seinem Beobachtungsmaterial
herausgelesen hatte.
Der HUBBLE-Fluss
An der Galaxienflucht nehmen alle Sternsysteme im Universum teil. Allerdings
erkennt man in den Spektren sehr naher Sternsysteme keine Linienverschiebung
hin zu größeren Wellenlängen. Sie entfernen sich also
nicht von uns oder kommen sogar, wie im Falle des Andromedanebels, auf
uns zu. Die Erklärung für diese Beobachtung liefert das Gravitationsgesetz:
Nahe beieinander befindliche Sternsysteme ziehen sich gegenseitig an,
sie bilden lokale Strukturen
wie Galaxienhaufen oder Mehrfachsysteme, die durch die Galaxienflucht
nicht aufgelöst werden (Bild 3). Der Galaxienhaufen, der auch das
Milchstraßensystem angehört, ist die sogenannte lokale
Gruppe. Als Gesamtsystem nimmt die lokale Gruppe natürlich
an der Galaxienflucht teil. Lokal dominiert immer die anziehende Wirkung
der Gravitationskraft. Erst in großen Raumbereichen setzt sich der
Einfluss der kosmologisch bedingten Galaxienflucht
gegenüber der Gravitationswirkung durch.
Zur Beschreibung dieses Phänomens hat man die
Bezeichnung HUBBLE-Fluss geprägt.
Man sagt, dass sich eine Galaxie, deren radiale Bewegungskomponente auf
die Galaxienflucht zurückzuführen ist, im HUBBLE-Fluss befindet.
Offenbar müssen Galaxien, die im HUBBLE-Fluss stehen, weit von uns
entfernt sein. Hier verbirgt sich ein großes Problem bei der Bestimmung
der HUBBLE-Konstanten.
Einerseits möchte (und muss) man für gute Entfernungsbestimmungen
sehr nahe Galaxien verwenden andererseits müssen sie hinreichend
weit von uns entfernt sein, damit sich der HUBBLE-Bewegung keine lokalen
Bewegungseffekte überlagern.