

Was bedeutet galileisches
Relativitätsprinzip?
Bewegungen von Körpern und Kräfte auf Körper können
in unterschiedlichen Bezugssystemen beschrieben werden. Ein solches System
kann sich in Ruhe befinden. Es kann sich auch gleichförmig oder beschleunigt
bewegen. So kann man z.B. die Bewegung einer Person in der Gondel eines
Kettenkarussells von einem mit dem Erdboden verbundenen (ruhenden) Bezugssystem
aus beschreiben. In einem solchen Bezugssystem führt die Person eine
gleichförmige Kreisbewegung aus. Dabei wirkt eine Kraft in Richtung
Zentrum der Drehbewegung, die Radialkraft.
In einem mitrotierenden Bezugssystem ruht die Person. Auf sie wirkt in
diesem beschleunigten Bezugssystem eine Kraft nach außen, die Zentrifugalkraft.
Eine spezielle Gruppe von Bezugssystemen sind Inertialsysteme,
also solche Systeme, in denen das Trägheitsgesetz
gilt. Alle nachfolgenden Aussagen beziehen sich auf solche Inertialsysteme.
Daraus ergibt sich auch der Bezug zu G. GALILEI,
der als Erster das Trägheitsgesetz formulierte.
Befindet man sich z.B. in einem abgeschlossenen
Raum (Bild 1), dann kann man durch einfache physikalisch Experimente nicht
entscheiden, ob dieser Raum ruht oder ob er sich geradlinig und gleichförmig
in irgendeiner Richtung bewegt. Ein Körper, der an einer Feder hängt,
dehnt diese Feder. Ein rollender Ball bewegt sich geradlinig. Lässt
man einen schweren Körper los, so fällt er nach unten. Eine
Waage, auf die man sich stellt, zeigt einen bestimmten, immer gleichen
Wert an. Die verschiedenen Inertialsysteme sind offensichtlich gleichberechtigt.
Körper verhalten sich in ihnen in gleicher Art und Weise. Das ist
eine grundlegende Aussage für die klassische Physik und wird als
galileisches Relativitätsprinzip bezeichnet. Galileisches
Relativitätsprinzip bedeutet:
Alle Inertialsysteme sind gleichberechtigt.
In ihnen gelten die physikalischen Gesetze in gleicher Art und Weise.
Die GALILEI-Transformation
Aus dem galileischen Relativitätsprinzip folgt, dass es kein bevorzugtes
Inertialsystem gibt. Das wiederum heißt aber nicht, dass z.B. die
Geschwindigkeit eines Körpers, von zwei verschiedenen Inertialsystemen
aus beschrieben, gleich ist. Entsprechendes gilt auch für die Koordinaten
eines Körpers.
Beispiel: Wir betrachten die Bewegung
eines Körpers von zwei verschiedenen Inertialsysteme aus (Bild 2).
Das System S soll fest mit der Straße verbunden sein, das System
S' ist mit dem fahrenden Auto verbunden und bewegt sich gegenüber
dem System S gleichförmig und geradlinig in x-Richtung
nach rechts. Dann gilt für die Bewegung des Autos:
- Gegenüber dem System S bewegt sich das Auto mit der Geschwindigkeit
v.
- Gegenüber dem System S' befindet sich das Auto in Ruhe.
Auch die Koordinaten des Punktes M (Massemittelpunkt des Autos) sind von
den beiden Systemen aus betrachtet unterschiedlich.
Es gibt aber eine relativ einfache Möglichkeit, die Koordinaten in dem einen System in die des anderen Systems umzurechnen.
Die Gleichungen, die es ermöglichen, die räumlichen und zeitlichen Koordinaten eines Punktes von einem Inertialsystem in ein anderes umzurechnen, werden als GALILEI-Transformation bezeichnet.
Dazu gehen wir von den auch in Bild 2 dargestellten
Bedingungen aus:
- Wir betrachten die Koordinaten des Massemittelpunktes M des Autos.
- Das System S' bewegt sich gegenüber dem System S mit konstanter
Geschwindigkeit v entlang der x-Achse.
- Zum Zeitpunkt t = t' = 0 ist auch x
= x' = 0, die Ursprünge der beiden Koordinatensysteme fallen
also zu diesem Zeitpunkt zusammen.
Dann ergibt sich als GALILEI-Transformation:
|
Umrechnung von S nach S'
|
Umrechnung von S' nach S
|
![]() |
![]() |
|
y' = y
|
y = y'
|
|
z' = z
|
z = z'
|
|
t' = t
|
t = t'
|
Bewegen sich die Systeme z.B. entgegen der positiven x-Richtung oder in y-Richtung oder in z-Richtung zueinander, so sind die genannten Tranformationsgleichungen jeweils anzupassen. An ihrer Struktur ändert sich dabei nichts.
Verhalten
von Größen bei der GALILEI-Transformation
Bei der Transformation von physikalischen Größen von einem
Bezugssystem in ein anderes bleiben einige der Größen unverändert,
andere verändern wegen des veränderten Bezugssystems ihren Wert.
Größen, die bei der Transformation von einem Bezugssystem ein
anderes ihren Wert nicht ändern, bezeichnet man als invariante
Größen oder kurz als Invariante.
Eine genauere Prüfung für die GALILEI-Transformation ergibt
die in der nachfolgenden Übersicht dargestellten invarianten Größen
und diejenigen, deren Wert sich beim Übergang von einem Inertialsystem
in ein dazu bewegtes ändern.
| Physikalische Größe | Verhalten des
Wertes bei einer Transformation |
| Zeit |
invariant
|
| Zeitdauer (Zeitintervall) |
invariant
|
| Länge eines
Körpers (Abstand zweier Punkte) |
invariant
|
| Änderung
der Geschwindigkeit |
invariant
|
| Beschleunigung |
invariant
|
| Masse |
invariant
|
| Weg |
relativ
|
| Geschwindigkeit |
relativ
|
| Impuls |
relativ
|
| kinetische Energie |
relativ
|
Weitere
Größen und Gesetze in verschiedenen Inertialsystemen
Mithilfe der GALILEI-Transformation lassen sich auch Gesetze von einem
Inertialsystem in ein anderes transformieren. Dabei ist zu beachten, in
welcher Richtung diese Transformation erfolgt und welche der Größen
invariant bzw. variabel sind.
Beispiel: Beschreiben Sie die Bahn eines frei fallenden Körpers in einem bewegten Zug (System S') aus der Sicht eines mitbewegten Beobachters und eines zweiten Beobachters, der am Bahndamm steht (System S)!
Für den mitbewegten Beobachter fällt der Körper senkrecht nach unten. Bei Vernachlässigung der Luftreibung gelten die Gesetze des freien Falls.
Für einen ruhenden Beobachter
ist die Bahnkurve eine Parabel, denn der Körper bewegt sich in Fahrtrichtung
des Zuges mit der (Anfangs-) Geschwindigkeit v
und fällt gleichzeitig nach unten. Wendet man die GALILEI-Transformation
auf diesen Körper an, dann ergibt sich für die x-Richtung:

Für die y-Richtung gelten in beiden Systemen
die gleichen Gesetze, denn in y-Richtung erfolgt
keine Relativbewegung der Systeme zueinander.