

Wie kommen Ebbe und Flut zustande?
Die Gezeiten der Meere sind an zwei wichtige Bedingungen gebunden:
Bei dieser Bewegung um den gemeinsamen Schwerpunkt bewegen sich alle Teile der Erde auf kreisförmigen Bahnen. Auf alle Punkte der Erdoberfläche wirkt die gleiche Fliehkraft oder Zentrifugalkraft (Bild 3). Deutlich unterschiedlich ist aber der Abstand der einzelnen Punkte der Erdoberfläche vom Mond und damit die wirkende Gravitationskraft. Dabei gilt:
Nach dem gleichen Prinzip wirkt auch das System Erde - Sonne. Der Schwerpunkt dieses System liegt noch innerhalb der Sonne. Die Auswirkungen auf die Gezeiten sind allerdings nur knapp halb so groß wie die des Systems Erde - Mond.
Wie sind die Wechsel von Ebbe und
Flut zu erklären?
Erde und Mond bewegen sich in 27,3 Tagen, also in einem siderischen Monat,
einmal um den gemeinsamen Schwerpunkt. Entsprechend wandern auch Bereiche
von Ebbe und Flut. Hinzu kommt die Rotation der Erde um ihre Achse. Diese
Rotation bewirkt, dass die Sonne scheinbar in 24 Stunden einmal um die
Erde wandert. Der Mond benötigt dazu 24 Stunden und 50 Minuten. Die
durch das System Erde - Mond erzeugten zwei Flutberge, man spricht hier
vom Mondgezeit, laufen mit
der scheinbaren Umlaufgeschwindigkeit des Mondes einmal um die Erde. Demzufolge
tritt zweimal am Tag Ebbe und Flut auf. Der Abstand zwischen Ebbe und
Flut liegt bei etwas über 6 Stunden.
Bei der 24-stündigen Umlaufzeit der Sonne beträgt der Sonnengezeit
24 Stunden. Damit verschieben sich Mondgezeit und Sonnengezeit täglich
um etwa 50 Minuten zueinander und erreichen nach 29,5 Tagen, also nach
einem synodischen Monat, wieder die gleiche Stellung zueinander.
Was bedeuten Springtide und Nipptide?
Der Gezeitenhub, auch Tidenhub
genannt, ist die Differenz zwischen dem Wasserstand bei Niedrigwasser
und bei Hochwasser und wird in Meter angeben.
Dieser Gezeitenhub kann örtlich und zeitlich sehr unterschiedlich
sein. Für einen bestimmten Ort hängt der durchschnittliche Gezeitenhub
im Wesentlichen von den geografischen Bedingungen ab und ist z.B. auf
dem offenen Meer in der Regel wesentlich kleiner als in einer Bucht oder
einer Flussmündung entsprechender Ausrichtung. Zeitlich wird der
Gezeitenhub durch die Stellung von Erde, Mond und Sonne zueinander beeinflusst.
Die Wirkungen von Mond und Sonne können sich gegenseitig verstärken
oder auch abschwächen:
Dabei gibt es einen interessanten Effekt: Springtiden und Nipptiden treten nicht genau an dem Tag auf, an dem die oben beschriebene astronomische Konstellation der Himmelskörper vorhanden ist. Vielmehr gibt es eine zeitliche Verzögerung von einigen Tagen. Die Ursachen dafür sind vielfältig und komplex.
Zu beachten ist auch, dass nicht jedes besonders hohe Hochwasser auf
die bestimmte Stellung von Sonne, Mond und Erde zueinander zurückzuführen
ist. Erheblichen Einfluss auf den Wasserstand hat auch der Wind.
Windbedingter Wasseranstau von 1,5 m bis 2 m kommt z.B. bei Oststurm an
der schleswig-holsteinischen Ostseeküste öfter vor. Es wurden
auch schon Werte von 3,5 m registriert.
Tritt eine Springtide in Verbindung mit Wind entsprechender Richtung und
Stärke auf, so kann es zu verheerenden Sturmfluten
kommen. So stieg beispielsweise bei der Hamburgflut am 16. und 17. Februar
1962 der Wasserstand in Hamburg bis etwa 4,5 m über das mittlere
Hochwasser an.
Einige statistische Angaben
Durch die Gezeiten verändert sich auch die feste Erdkruste. Die Deformationen,
die dadurch auftreten, betragen in den mittleren Breiten etwa 10 cm bis
20 cm, die Maxima etwa 40 cm.
Der Gezeitenhub beim Wasser ist außerordentlich unterschiedlich. Nachfolgend ist er für einige Orte bzw. Bereiche angegeben.
| Ort bzw. Bereich | Gezeitenhub (Tidenhub) |
| Ostsee | unter 20 cm |
| vor der holländischen Küste | 1,5 m - 2 m |
| bei Helgoland | 2,5 m - 3 m |
| in der Jade-Bucht bei Wilhelmshaven | 3,5 m - 4,5 m |
|
Springtide in Wilhelmshaven |
3,9 m - 4,7 m |
| Nipptide in Wilhelmshaven | 2,5 m - 3,2 m |
| vor Sylt | 2 m - 3 m |
| bei Skagen an der Nordspitze Dänemarks | 0,5 m |
| Fundybai an der kanadischen Atlantikküste | bis 15 m |
Mit Ebbe und Flut sind auch Gezeitenströme verbunden. Das zufließende bzw. abfließende Wasser bewegt sich im Durchschnitt einer Geschwindigkeit von 4 km/h bis 6 km/h. An engen Stellen, z.B. in der Elbmündung vor Cuxhaven, können auch 8 km/h bis 10 km/h erreicht werden.
Gezeitentafeln
Gezeiten kann man vorausberechnen. Das erfolgt in der Regel für ein
Jahr im Voraus und wird heute für viele Orte gemacht. Eine solche
Zusammenstellung wird als Gezeitentafel
bezeichnet. Dabei werden zumeist für jeden Tag die Zeiten für
Hoch- und Niedrigwasser aufgelistet, teilweise werden auch die zu erwartenden
Höhen mit angegeben.