




Die Erde besitzt wie jeder massebehaftete Körper ein Gravitationsfeld. Seine Besonderheiten für uns sind die, dass wir ständig in diesem Gravitationsfeld leben, seinen Wirkungen, z.B. unserer eigenen Gewichtskraft, ständig ausgesetzt sind und diese Wirkungen an vielen Stellen - bewusst oder unbewusst - beachten müssen. Auch in Wissenschaft und Technik spielen die Wirkungen des Gravitationsfeldes der Erde eine wichtige Rolle und müssen beachtet werden.
Kennzeichnung
des Gravitationsfeldes der Erde
Die Erde kann näherungsweise
als kugelförmig angesehen werden. Damit ergibt sich für sie
ein Gravitationsfeld, das näherungsweise ein Radialfeld
ist. Aus großer Entfernung betrachtet ergibt sich damit ein Feldlinienbild,
wie es in Bild 1 dargestellt ist. Genauere Betrachtungen zeigen allerdings,
dass die Erde in Wirklichkeit keine ideale Kugel ist, sondern aufgrund
ihrer Rotation um die Erdachse und der Tatsache, dass sie kein starrer
Körper ist, eine Form besitzt, die als Geoid
bezeichnet wird. Damit treten auch Abweichungen von einem idealen Radialfeld
auf.
Für uns von besonderem Interesse ist die Form des Gravitationsfeldes in unserem Lebensbereich, als den wir den Bereich von der Erdoberfläche bis zu etwa 10 km Höhe (höchste Berge der Erde, Flughöhe eines Passagierflugzeuges) ansehen wollen. In diesem Bereich kann man das Gravitationsfeld der Erde als näherungsweise als homogenes Feld ansehen, wobei die Feldlinien senkrecht zur Erdoberfläche verlaufen (Bild 2).
Die Gravitationsfeldstärke an der Erdoberfläche ergibt sich aus:
Diese Gravitationsfeldstärke wird für unseren Lebensbereich auf der Erdoberfläche auch als Ortsfaktor, als Fallbeschleunigung oder als Erdbeschleunigung bezeichnet. Es gilt:
Der Durchschnittswert der Gravitationsfeldstärke
(Fallbeschleunigung, Ortsfaktor) auf der Erdoberfläche beträgt
Dieser Wert wird
auch als Normfallbeschleunigung
bezeichnet. Bei äberschlagsrechnungen rechnet man zweckmäßigerweise
mit dem Näherungswert 10 N/kg.
An den Polen ist
der Wert für die Fallbeschleunigung etwas größer, am Äquator
etwas geringer. Es gilt:
Geht man von der Normfallbeschleunigung aus und betrachtet
unseren oben erwähnten Lebensbereich von der Erdoberfläche bis
in 10 km Höhe, dann verringert sich in diesem Bereich die Fallbeschleunigung
auf einen Wert von etwa

Das sind immerhin noch 99,7 % des Wertes auf der Erdoberfläche. Die
Veränderung des Wertes der Gravitationsfeldstärke in diesem
Lebensbereich ist in der Regel vernachlässigbar. Viel
bedeutsamer ist dagegen die Änderung des Luftdruckes mit der Höhe.
Gravitation
und Gewichtskraft
Zwischen jedem Körper auf der Erdoberfläche und der Erde wirkt
eine Gravitationskraft,
die auch als Schwerkraft bezeichnet
wird. Manchmal wird auch die Gravitationskraft der Gewichtskraft
gleichgesetzt. Bild 4 zeigt die tatsächlichen Verhältnisse.
Zwischen einem Körper der Masse m und
der Erde wirkt die Gravitationskraft
in Richtung Erdmittelpunkt. Aufgrund der Erdrotation wirkt auf jeden Körper
aber auch eine Fliehkraft (Zentrifugalkraft)
. Diese beiden
Kräfte setzen sich zu einer Resultierenden zusammen, die senkrecht
auf der Oberfläche des Geoiden steht. Da die Fliehkraft selbst für
Punkte des Äquators, wo sie am größten ist, nur etwa 1/300
des Wertes der Gravitationskraft hat, kann sie in vielen Fällen vernachlässigt
werden. Es ist also legitim zu formulieren:
Die Gewichtskraft eines Körpers ist gleich der Kraft, mit der er von der Erde angezogen wird.
Will man etwa genauer sein, so könnte die Formulierung lauten:
Die Gewichtskraft eines Körpers ist näherungsweise gleich der Kraft, mit der er von der Erde angezogen wird.
Mit der Gleichung
erfasst man exakt die erste Formulierung, wenn g
die Gravitationsfeldstärke ist. Ist g
aber z.B. der durch Pendelschwingungen experimentell ermittelte Wert auf
der Erdoberfläche, dann geht in diese Messung bereits der Einfluss
der Fliehkraft mit ein.
Die
Bedeutung der Gravitationskraft für unser Leben
Alle Pflanzen, Tiere
und Menschen auf der Erde haben sich unter dem Einfluss der Schwerkraft
der Erde entwickelt und sind an diese Bedingungen angepasst. Welche Probleme
auftreten, wenn keine oder nur eine geringe Schwerkraft wirkt bzw. wenn
ihre Wirkung aufgehoben ist, kennt man inzwischen aus der Raumfahrt. Störungen
des Gleichgewichts, Probleme beim Blutkreislauf oder Muskelschwund sind
die Folgen.
Auch im täglichen Leben spielt
das Gravitationsfeld der Erde für uns - bewusst oder unbewusst -
eine wichtige Rolle. Die Bahn eines Balles, der Flug eines Vogels, die
Bewegung eines herabfallenden Blattes, die Standsicherheit eines Gebäudes
oder der Fall von Regentropfen wird durch die Schwerkraft bestimmt oder
beeinflusst.