
Gültigkeitsbereich der speziellen
Relativitätstheorie
Wie jede physikalische Theorie besitzt auch die 1905 veröffentlichte
spezielle Relativitätstheorie einen bestimmten Gültigkeitsbereich:
Seit etwa 1907 arbeitete ALBERT
EINSTEIN (1879-1955) daran, seine spezielle Relativitätstheorie
zu erweitern. In Zusammenfassung seiner langjährigen Untersuchungen
zu Trägheit und Gravitation
veröffentlichte er 1916 seine grundlegende Arbeit zur allgemeinen
Relativitätstheorie (abgekürzt: ART) unter dem Titel "Die
Grundlagen der allgemeinen Relativitätstheorie" mit einem Umfang
von 50 Druckseiten.
Grundprinzipien der allgemeinen Relativitätstheorie
Ähnlich wie in der speziellen Relativitätstheorie formulierte
ALBERT EINSTEIN auch in der allgemeinen Relativitätstheorie zwei
grundlegende Prinzipien, von denen er bei seinen weiteren Betrachtungen
ausging.
Das erste Prinzip ist das Äquivalenzprinzip.
Es besagt:
In hinreichend kleinen Raum-Zeit-Gebieten
lassen sich Trägheit und Schwere experimentell nicht voneinander
unterscheiden.
So kann z.B. ein Beobachter, der sich in einem abgeschlossenen
Kasten befindet, nicht unterscheiden, ob die Dehnung einer Feder durch
einen daran hängenden Körper infolge einer Gravitationskraft
oder infolge einer beschleunigten Bewegung des ganzen Systems zustandekommt.
Das zweite Prinzip wird als allgemeines
Relativitätsprinzip bezeichnet. Es lautet:
Alle Naturgesetze lassen sich so formulieren,
dass sie in allen lokalen Bezugssystemen gleich lauten.
Solche lokalen Bezugssysteme können Inertialsysteme oder beschleunigte
Bezugssysteme sein. Sie können auch einer Gravitationswirkung unterliegen.
Belege für die Gültigkeit
der allgemeinen Relativitätstheorie
EINSTEIN selbst gab zunächst drei astronomische Effekte an, die Beleg
für die Gültigkeit seiner allgemeinen Relativitätstheorie
sein sollten. Es handelt sich dabei um
Alle drei Effekte sind inzwischen experimentell eindeutig nachgewiesen. Erläuterungen zu diesen drei Effekten sind unter den genannten Stichwörtern zu finden.
Bedeutung der allgemeinen Relativitätstheorie
Die Bewertung der Bedeutung der allgemeinen Relativitätstheorie ist
deshalb schwierig, weil es eine Theorie ist, die auf der einen Seite zu
einem grundsätzlich neuen Verständnis von Raum und Zeit führt,
auf der anderen Seite aber im Unterschied zur speziellen Relativitätstheorie
keinerlei direkte Auswirkungen auf unser Leben hat. Wie für alle
umwälzenden neuen Theorien galt auch für die allgemeine Relativitätstheorie,
dass sie zunächst auf wenig Verständnis stieß. So äußerte
der polnische Physiker LEOPOLD INFELD:
"Die allgemeine Relativitätstheorie wurde in ihrer frühen Entwicklungsphase von den zeitgenössischen Physikern völlig ignoriert, wenig verstanden und von niemandem anerkannt".
MAX BORN gab 1955 in einem Vortrag die folgende Wertung:
"Die Aufstellung der allgemeinen Relativitätstheorie erschien mir damals und erscheint mir heute noch als die größte Leistung menschlichen Denkens über die Natur, die erstaunlichste Vereinigung von philosophischer Tiefe, physikalischer Intuition und mathematischer Kunst."
Ihre Bedeutung liegt insbesondere in der Vereinfachung der theoretischen
Grundlagen der gesamten Physik und in der Vertiefung des Verständnisses
der uns umgebenden Welt. Vor allem ist es eine allgemeine Lehre von der
Schwerkraft und davon, dass
der Raum nicht gleichartig ist, sondern in seinem geometrischen Aufbau
von der Verteilung der Massen, von Stoff und Feld abhängt. So basieren
z.B. moderne kosmologische
Theorien über unser Weltall auf der allgemeinen Relativitätstheorie.
Schwarze Löcher
oder die Wirkung von Gravitationslinsen
lassen sich im Rahmen dieser Theorie deuten. Die spezielle Relativitätstheorie
und die klassischen Auffassungen erweisen sich als spezielle Fälle
der allgemeinen Relativitätstheorie.
Die allgemeine Relativitätstheorie von ALBERT EINSTEIN ist wahrscheinlich
seine bedeutendste wissenschaftliche Leistung. Aber nicht dafür bekam
er 1921 den Nobelpreis für Physik, sondern für seine Verdienste
um die theoretische Physik, besonders für seine Entdeckung des Gesetzes
des fotoelektrischen Effekts im Jahr 1905. Ein wesentlicher Grund dafür
ist folgender: Bereits 1910 und noch weitere 8mal wurde EINSTEIN für
den Nobelpreis vorgeschlagen. Das Nobel-Komitee für Physik verweigerte
ihm aber den Preis, insbesondere auch deshalb, weil der Vorsitzende dieses
Komitees, der schwedische Arzt ALLVAR GULLSTRAND, dagegen war, die neue
Lehre von Raum und Zeit mit dem Nobelpreis zu adeln. Es war schließlich
der schwedische Physiker CARL WILHELM OSEEN, der die Idee hatte, EINSTEIN
nicht für die Relativitätstheorie, sondern für seine Deutung
des Fotoeffekts auszuzeichnen. Dieser Variante stimmte auch GULLBRAND
zu. Das Preisgeld in Höhe von 180.000 schweizer Franken erhielt EINSTEIN
aber nicht - er hatte es seiner ersten Frau MILEVA schon bei der Scheidung
1919 vertraglich zugesichert.