







Schon aus der Bezeichnung wird deutlich, dass es sich um ein elektronisches Bauelement handelt, welches (zumindest ursprünglich) die Funktion einer Röhrendiode, also die Gleichrichtung einer Wechselspannung, auf Halbleiterbasis realisieren kann (Bild 1).
Grundsätzlich ist eine Halbleiterdiode aus zwei aneinandergrenzenden
Zonen mit unterschiedlichen Majoritätsträgern, d.h. einem p-Bereich
und einem n-Bereich, aufgebaut. In dem einen Bereich sind aufgrund der
Dotierung vorrangig Elektronen, in dem anderen Defektelektronen (Löcher)
vorhanden. Einzelheiten der technischen Realisierung einer derartigen
Zonenfolge werden weiter unten erörtert.
Unabhängig von der konkreten Herstellung treten am pn-Übergang
zwei verschiedene Situationen auf:
a) Es liegt keine äußere Spannung an.
b) Es wird eine äußere Spannungsquelle angeschlossen.
In Bild 3 wird der Fall a) dargestellt. Zu beachtende Voraussetzungen
sind einerseits die Tatsache, dass in beiden Zonen eine Eigenleitung (etwa
wie ein Hintergrundvorgang) abläuft, zusätzlich in der p-Zone
eine hohe Konzentration von Defektelektronen
(Löcher) und entsprechend in der n-Zone eine durch Elektronen
besteht. Wegen des Fehlens einer Spannungsquelle führen die Ladungen
nur eine ungeordnete thermische Bewegung durch.
An der Grenze der beiden Zonen wandern folglich Elektronen und Defektelektronen
aneinander vorbei, dringen also jeweils in ein Gebiet mit entgegengesetzt
geladenen Majoritätsträger ein.
Dadurch kommt es zu zwei Prozessen: Ein Teil dieser Ladungen rekombiniert
beiderseits der Grenze in geringer Entfernung davon. Die nicht miteinander
rekombinierenden entfernen sich voneinander und bauen dadurch zwischen
sich ein inneres elektrisches
Feld auf, welches diese Bewegung abbremst. Da aber die in das p-Gebiet
eingedrungenen Elektronen andererseits von dessen p-Ladungen angezogen
werden, wirkt auf sie eine zweite Feldkraft. Da aber der Ladungsschwerpunkt
(also die Stelle an die man sich ersatzweise die Einzelladungen konzentriert
denken darf bei gleichzeitiger Unveränderlichkeit ihrer Gesamtwirkung)
relativ weit im p-Gebiet liegt, sind für eine bestimmte Entfernung
beide Kräfte von gleicher Größe, jedoch entgegengesetzter
Richtung. Damit stellt sich ein Gleichgewichtszustand ein, der durch ein
inneres elektrisches Feld aufrecht erhalten wird. Dieser Zustand ist in
Bild 3 veranschaulicht.
Beiderseits der Trennlinie zwischen den beiden verschieden dotierten Gebieten
hat sich eine Grenzschicht bestimmter Breite gebildet, in der lediglich
Elektronen und Defektelektronen aus einem dort ablaufenden Paarbildungsvorgang
entstehen können. Das innere elektrische Feld holt diese Ladungen
aber sofort aus der Grenzschicht heraus.
Die entstandene Grenzschicht stellt damit zwischen dem p- und dem
n-Gebiet eine eigenleitende Zone mit sehr hohem Widerstand dar.
Legt man an die Anschlüsse, die aus dem p- und dem n-Gebiet herausführen eine äußere Spannungsquelle an, so kann die Polung unterschiedlich erfolgen:
a) Minuspol an A, Pluspol an K (Bild 4a)
Die angelegte Spannung erzeugt im Innern des Kristalls ein weiteres elektrisches
Feld, das man im Unterschied zum elektrischen Feld in der Grenzschicht
als äußeres elektrisches Feld bezeichnet. Es hat die gleiche
Orientierung wie das vorhandene innere elektrische Feld. Unter dem Einfluss
des äußeren elektrischen Feldes werden die Ladungsschwerpunkte
der beiden Gebiete weiter voneinander entfernt. Deshalb können die
in das p-Gebiet gelangten negativen Ladungen und die in das p-Gebiet eingedrungenen
Löcher noch weiter von der Grenze entfernen, ehe wiederum die oben
beschriebene Gleichgewichtssituation erreicht wird. Die Zone, in der nur
wenige Ladungen aus dem Eigenleitungsvorgang existieren, wird breiter,
die gesamte Strecke zwischen A und K hat einen sehr hohen Widerstand,
sie wirkt fast wie ein Isolator.
Durch den pn-Übergang fließt ein sehr geringer Strom, der seine
Quelle in Paarbildungsprozessen im gesamten Kristall hat. Diese Polung
wird als Sperrrichtung bezeichnet.
Dabei ist zu beachten: Die gewählte Polung der Spannungsquelle sperrt
zwar den Übergang für die Majoritätsträger, also die
Ladungen aus dem Störstellenmechanismus, lässt aber die negativen
Minoritätsträger des p-Gebiets und die positiven des n-Gebiets
die Grenze passieren. Bei Dioden auf Si-Basis liegt dieser Strom im nA-Bereich,
bei solchen auf Ge-Basis im µA-Bereich. Dieser Strom heißt
Sperrstrom,
die Polung der äußeren Spannungsquelle nennt man Sperrpolung.
b) Pluspol an A, Minuspol an K (Bild 4b)
Das äußere elektrische Feld ist jetzt dem inneren elektrischen
Feld entgegengesetzt. Mit Verstärkung des äußeren Feldes
wird die Grenzschicht schmaler, bis sie für
verschwindet. Die Majoritätsträger beider Gebiete können
nun die Grenze von beiden Seiten passieren, es kommt zu einem starken
Stromanstieg. Die Diode ist in Durchlassrichtung
oder in Flussrichtung geschaltet.
Charakteristisch ist für pn-Übergänge, dass dieser Stromanstieg
erst oberhalb eines für das Halbleitermaterial typischen Spannungswertes
erfolgt.
Die betreffende Spannung wird als Schleusenspannung bezeichnet. Ihr Wert
beträgt für Ge-Dioden etwa 0,5 V, für Si-Dioden dagegen
etwa 0,7 V.
Der Strom in Durchlassrichtung, der sogenannte Flussstrom, steigt exponenziell
an und kann in guter Näherung mit folgender Gleichung beschrieben
werden:
Die Schleusenspannung ist der Wert, in dem die an den praktisch geradlinigen
Teil der Kennlinie gelegte Tangente die
schneidet.
Der typische Verlauf der Kennlinie ist in Bild 5 skizziert. In Sperrrichtung
wird nach Überschreiten einer bautypischen Spannungshöhe durch
das starke elektrische Feld eine hohe Energiezufuhr bei den Elektronen
und Defektelektronen aus dem Eigenleitungsvorgang erzeugt, sodass sie
in der Lage sind, durch Stoßvorgänge einen lawinenartigen Zuwachs
freier Ladungsträger auszulösen. Der dadurch entstehende starke
Stromfluss erzeugt irreversible Schäden im Kristallgitter, die Diode
wird zerstört. Diese Durchbruchspannung
darf während des Betriebes nicht erreicht werden.
In Flussrichtung darf die Stromstärke nur so groß werden,
dass die für die eingesetzte Diode zulässige Verlustleistung
nicht dauerhaft überschritten wird. Kurzzeitige impulsartige Überschreitungen
sind unter bestimmten Einschränkungen möglich. Diese Bedingungen
findet man im Datenblatt des Herstellers. Die Nutzung der Dioden zum Zweck
der Gleichrichtung von Wechselspannungen ist auf der CD unter dem Stichwort
"Gleichrichterschaltungen" zu finden und dort ausführlich
dargestellt.
Hinweise zur Herstellung von pn-Übergängen
In den bisherigen Überlegungen wurde ein pn-Übergang einfach
als gegeben betrachtet. Seine reale Herstellung erfordert jedoch z.T.
aufwändige Technologien.
Die ersten Realisierungen gelangen um 1942 in der Umgebung der Aufsetzstelle
eines Metalldrahts auf einen Halbleiterkristall. Auf die Kristallfläche
wird ein Metalldraht gesetzt, über den ein Formierungsstromstoß
(Kondensatorentladung) geleitet wird. Dadurch kommt es zu einem kurzzeitigen
Aufschmelzen bei gleichzeitigem Eindringen von Metall-Atomen in das Kristallgitter.
Unter der Metallspitze entsteht eine p-Zone.
Gleichzeitig bilden die Metallspitzen den Anodenanschluss.
So hergestellte Übergänge sind jedoch sehr klein, haben aber
eine scharf ausgebildete Grenze. Derartige Dioden auf der Basis von Germanium
und Silicium nennt man Spitzendioden.
Zwischen 1950 und 1960 wurden verschiedene Verfahren zur Herstellung
flächenhafter Übergänge entwickelt.
In starker Vereinfachung kann man sich vorstellen, dass auf eine n-dotierte
Si-Schicht einseitig ein Medium einwirkt, welches Akzeptoren enthält.
Eine Variante besteht z.B. darin, über das n-Si ein Gas mit Boratomen
unter exakt einzuhaltenden Werten von Druck, Temperatur, Akzeptorenkonzentration
usw. zu leiten. Unter diesen Bedingungen kann dann eine Diffusion von
Bor-Atomen in den Kristall erfolgen, was in Abhängigkeit von den
Prozesswerten zu einem Umdotieren bis in eine bestimmte Eindringtiefe
führt. Dabei ist es möglich, als Basisschicht hochdotiertes
n-Si zu wählen, auf welchem man eine normaldotierte n-Si-Schicht
unter Beibehaltung der Kristallorientierung aufwachsen lässt (Epitaxie),
auf der dann eine p-Zone aufgebaut wird.
Der große technologische Vorteil der Flächendioden
gegenüber den Spitzendioden ist durch zwei Komponenten bestimmt:
a) Es können die angestrebten Nennwerte des Bauelements mit deutlich
geringeren Toleranzen erreicht werden.
b) Die Dioden werden nicht mehr einzeln hergestellt, da die beschriebenen
Prozesse auf einer großen Si-Scheibe (Wafer)
auf der gesamten Fläche ablaufen können. Nach Fertigstellung
wird diese Scheibe mit einem ätzfesten Fotolack überzogen. Durch
eine Abdeckmaske, welche die gesamte Oberfläche in kleine voneinander
getrennte Bereiche aufteilt, wird belichtet. An den belichteten Stellen
härtet der Lack aus, unter den abgedeckten Trennlinien nicht, sodass
er dort abgeätzt werden kann. Das Ätzen kann dann bis in eine
wählbare Tiefe getrieben werden, dadurch kann entlang dieser Linien
die große Scheibe in viele kleine Teilbereiche zerlegt werden, nachdem
der Abdecklack wieder entfernt wurde.
Diese "Bruchstücke" werden auf einen stabilen Träger
aufgesetzt, kontaktiert und durch eine feste Umhüllung gegen mechanische
Einwirkungen geschützt.
Übersicht über Diodenarten
Die Nutzung von Dioden für die Gleichrichtung ist ein wichtiger,
aber nicht der einzige Einsatzbereich.
Dioden für den Betrieb bei Netzwechselspannung werden als Richtdioden
bezeichnet. Für sehr hohe Frequenzen einsetzbare Dioden nennt man
Hochfrequenzdioden
bzw. Höchstfrequenzdioden.
Das Vorhandensein der Sperrschichtkapazität wird in speziellen Dioden bewusst so ausgebaut, dass sie relativ hohe Kapazitätswerte bekommen. Da die Sperrschichtbreite von der Höhe der anliegenden Spannung bestimmt wird, erhält man auf diese Weise veränderbare Kapazitäten. Diese Dioden ersetzen heute die sehr voluminösen Drehkondensatoren, die man früher für die Senderwahl in den Empfangsgeräten einsetzte. Sie werden als Kapazitätsdioden oder Varaktordioden bezeichnet.
Eine sehr wichtige Kategorie sind die Z-Dioden.
Sie haben je nach konstruktivem Aufbau im Sperrbereich bei verschieden
hohen Spannungen einen reversiblen Durchbruchsbereich. Für
wirkt der sogenannte ZENER-Effekt, gekennzeichnet durch einen negativen
Temperaturkoeffizienten. Für
tritt der AVALANCHE-Effekt mit positivem Temperaturkoeffizienten auf.
Deshalb sind Z-Dioden mit einer Durchbruchspannung von etwa 6 V sehr temperaturstabil.
Sie kommen als sogenannte Referenzelemente
zum Einsatz.
Mit Hilfe von Z-Dioden lassen sich Schwankungen einer Gleichspannung sehr
stark reduzieren. Ebenso können sie durch Laststromschwankungen verursachte
Spannungsschwankungen weitgehend begrenzen.
Z-Dioden werden grundsätzlich in Sperrrichtung betrieben. Eine Schaltung
zur Stabilisierung einer Gleichspannung zeigt Bild 7.
Eine Vierschichtdiode (Zonenfolge pnpn) mit einem zusätzlichen Gate-Anschluss
stellt eine steuerbare Diode für Gleichrichtung dar. Mittels einer
zusätzlichen Steuerschaltung am Gate kann in jeder Phase der Flusspolung
die Diode geöffnet werden (Phasenanschnittsteuerung). Eine solche
Form wird als Thyristor bezeichnet.
Bild 8 zeigt den Aufbau.
Werden auf einer Kristallfläche zwei Thyristoren antiparallel geschaltet,
kann ein Stromfluss in jeder der beiden Schwingungshälften der Wechselspannung
in jeder Phase durchgesteuert werden. Diese Zweiwegethyristoren bezeichnet
man als Triacs.
Sie werden vor allem zur Drehzahlsteuerung in Maschinen eingesetzt.
Eine spezielle Diode ist die Lichtemitterdiode
(LED,
abgeleitet vom englischen light emitting diode), auch Leuchtdiode
genannt. Sie ist auf der Basis spezieller Verbindungshalbleiter ( z.B.
InSb, GaAs, GaP) hergestellt. Die flächenhafte Grenzschicht liegt
unter einer extrem dünnen und damit lichtdurchlässigen Deckschicht.
Die bei Flussrichtung in das Grenzgebiet eindringenden Minoritätsträger
rekombinieren dort und geben die aus dem elektrischen Feld aufgenommene
Energie als Strahlungsenergie vom Infrarot- bis zum tiefsten Violettbereich
ab. Die Farbe wird durch die Materialien des Kristallgitters festgelegt.
Es gibt bereits farblich durchstimmbare, aber auch weiß leuchtende
LED mit sehr hoher Lichtintensität, sodass daraus bereits sehr intensive
Lichtquellen realisiert werden können.
längere Aufenthaltsdauer als in "normalen" Energieniveaus
hat. Dort beträgt sie etwa .
Dadurch kann ein metastabiles Niveau eine höhere Besetzungsdichte als
tiefere Niveaus haben (Besetzungsinversion). Durch einen zufällig ablaufenden
Elektronenübergang in ein darunter liegendes Niveau entsteht ein Photon,
welches auf seinem Weg durch den Kristall weitere Elektronen zur Rückkehr
anregt ( induzierte Emission). Durch konstruktive Gestaltung des Diodenkristalls
(an zwei einander gegenüber liegenden Endflächen befinden sich
Verspiegelungen), können senkrecht zu diesen Spiegeln fliegende Photonen
den Kristall mehrfach durchlaufen und nach mehreren Durchläufen aus
der nur zu etwa 90% reflektierenden Fläche als praktisch paralleles
Lichtbündel austreten. Die Photonen mit anderer Flugrichtung treten
seitlich aus und werden in der Bauelementehülle absorbiert. Der Pumpvorgang,
d.h. das erforderliche Anheben der Elektronen in das metastabile Niveau,
wird durch den Diodenstrom kontinuierlich aufrecht erhalten. Dieses Licht
ist dann nicht nur extrem gebündelt, sondern auch (fast) streng einfarbig
(monochromatisch).