HEINRICH FRIEDRICH EMIL LENZ lebte in der Zeit der Vollendung der klassischen Physik. Nachdem ALESSANDRO VOLTA (1745-1827) die ersten galvanischen Elemente gebaut hatte und damit leicht handhabbare elektrische Quellen zur Verfügung standen, spielten in der Forschung jener Zeit Untersuchungen zum elektrischen Strom eine zentrale Rolle. HANS CHRISTIAN OERSTED (1777-1851) hatte 1820 die magnetische Wirkung des elektrischen Stromes entdeckt. MICHAEL FARADAY (1791-1867) fand nach mehrjährigen intensiven Untersuchungen 1832 das Induktionsgesetz und damit eine entscheidende Grundlage für die gesamte Elektrotechnik. Und auch LENZ beschäftigte sich wie viele andere Forscher seiner Zeit vorwiegend mit Problemen der Elektrizitätslehre.
Leben und Wirken
HEINRICH FRIEDRICH EMIL LENZ wurde am 12. Februar 1804 in Dorpat (jetzt
Tartu) in Estland geboren. Über sein Leben sind nur wenige Einzelheiten
bekannt.
Er studierte zunächst Theologie, wechselte aber später zur Physik
über. Wichtige naturwissenschaftliche Erkenntnisse gewann er als
Begleiter des russischen Seefahrers OTTO VON KOTZEBUE (1787-1846) auf
dessen dritter Weltreise von 1823-1826, die vor allem der Erforschung
des Stillen Ozeans diente.
Nach seiner Rückkehr war LENZ in der russischen Hauptstadt St. Peterburg tätig. 1830 wurde er Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften und 1836 Professor für Physik an der Universität in St. Petersburg. Dort war er bis zu seinem Lebensende tätig. LENZ starb am 10. Februar 1865 auf einer Reise in Rom.
Wissenschaftliche Leistungen
Bekannt wurde HEINRICH FRIEDRICH EMIL LENZ vor allem durch eine Entdeckung:
Bei seinen Untersuchungen zum elektrischen Strom und zu der von MICHAEL
FARADAY entdeckten elektromagnetischen
Induktion fand er 1833 heraus, das die Richtung
des Induktionsstromes nicht zufällig ist. Er ist vielmehr immer
so gerichtet, dass er der Ursache seiner Entstehung entgegenwirkt. Dieses
Gesetz ist heute unter dem Namen lenzsches
Gesetz oder lenzsche Regel
bekannt. Es ergibt sich aus dem Energieerhaltungssatz,
der allerdings zu der Zeit, als LENZ seine Regel fand, noch nicht formuliert
war.
Eine Anwendung des lenzsches Gesetzes ist die Wirbelstrombremse.
Nähere Informationen sind unter diesem Stichwort zu finden.
Daneben fand LENZ die Abhängigkeit des elektrischen Widerstandes
von Metallen von der Temperatur und ein Verfahren zur Ausmessung magnetischer
Felder.
LENZ war auch auf dem Gebiet der Geophysik tätig, insbesondere während
der Expedition mit KOTZEBUE. So untersuchte er die Abhängigkeit der
Temperatur und des Salzgehaltes von Meerwasser von der Tiefe sowie den
täglichen Temperaturverlauf in verschiedenen geografischen Breiten.
Als Erster befasste er sich mit den Änderungen des Wasserstandes
im Kaspischen Meer.