




Verlauf von Licht
beim Auftreffen auf eine dünne Schicht
Trifft Licht auf eine dünne Schicht, so wird ein Teil des Lichtes
an der Oberfläche reflektiert, ein Teil dringt in die dünne
Schicht ein. Das eindringende Licht erreicht nach Durchqueren der Schicht
dessen Rückseite, wird dort reflektiert und gelangt dadurch wieder
in Richtung Vorderseite (Bild 2). Nach abermaligem Passieren der Grenzschicht
eilt dieser Lichtanteil dem unmittelbar reflektierten hinterher. Da der
ins Medium eindringende Lichtanteil einen längeren Weg bis zum Wiederaustritt
durchläuft als der direkt reflektierte Teil, liegen nun im Allgemeinen
nicht mehr gleiche Schwingungsphasen vor, sondern es ist ein Gangunterschied
vorhanden.
Da sich dieser Gangunterschiede bei konstanter Mediendicke mit dem Einfallswinkel
des Lichtes oder bei konstantem Einfallswinkel mit der Schichtdicke ändert,
können im reflektierten und natürlich auch im durchfallenden
Licht Interferenzen entstehen.
Die zur deren Untersuchung benutzten Verfahren lassen sich auch auf Netzgitterebenen
von Kristallen übertragen und gestatten das Verständnis von
Interferenzen an Kristallgitterebenen.
Bei der Reflexion an der Schicht und beim Durchgang des Lichtes durch
die Schicht sind zwei Besonderheiten zu beachten:
- Trifft Licht aus einem optisch dünneren Stoff
kommend auf einen optisch dichteren Stoff, dann tritt bei der Reflexion
ein Phasensprung von
auf. Das wäre z.B. beim Übergang Luft-Glas oder Luft-Öl
der Fall. Bei dem in Bild 2 beschriebenen Verlauf tritt stets ein Phasensprung
von
auf.
- Beträgt die Wellenlänge von Licht im Vakuum
und damit näherungsweise auch in Luft ,
so hat sie in einem Stoff mit der Brechzahl n den Wert
.
Das ergibt sich aus folgender Überlegung:
Interferenz an
planparallelen Schichten
Fällt das Licht senkrecht oder näherungsweise senkrecht auf
eine planparallele Schicht,
dann tritt bei der Reflexion Verstärkung (Maxima) auf, wenn:
Entsprechend gilt für die Auslöschung bei der Reflexion von
Licht (Minima):
Ob das reflektierte Licht verstärkt oder abgeschwächt wird,
hängt also nur von der Schichtdicke und der Wellenlänge ab.
Im durchgehenden Licht gilt die erste Beziehung für die Minima, die
zweite für die Maxima.
Etwas komplizierter sind die Zusammenhänge, wenn das Licht unter einem beliebigen anderen Winkel auf die dünne Schicht fällt (Bild 3). Wir betrachten dabei nur die nach dem ersten Reflexions- und Brechungsvorgang an der Vorderseite der dünnen Schicht vorhandenen Lichtbündel. In A, also beim Auftreffen auf die dünne Schicht, ist die Phase gleich. Während der eine Teil des Lichtes in A reflektiert wird, durchläuft der andere die dünne Schicht, wird an deren Rückseite reflektiert und tritt bei C wieder aus. Damit ist eine Phasendifferenz (ein Gangunterschied) zwischen dem in A reflektierten und dem in C austretenden Lichtbündel vorhanden. Wir nehmen dabei an, dass die Phase in C gleich der des anderen Lichtbündels in E ist. Von nun an verändert sich die Phasenlage nicht mehr.
Da die auf Bündel II in C liegende Phase neben
der in Punkt D auf Bündel I liegt, hat die Phase auf I gegenüber
der auf II den Vorsprung der Streckenlänge von D bis E.
Bei der Reflexion einer Welle am Ende eines Ausbreitungsmediums kann es
zu einem Phasensprung kommen, sofern es sich um ein sogenanntes "festes
Ende" handelt. Für ein "loses Ende" entsteht kein
Phasensprung. Da die beiden Stellen A und B solche mit genau entgegengesetztem
Brechungsverhalten sind, ist ein Übergang ein festes Ende, der andere
ein loses Ende. Wichtig ist nur, daß es insgesamt einen Phasensprung
von einer halben Wellenlänge gibt. Daraus ergibt sich für die
beiden Lichtanteile ein Gangunterschied von
.
Um die Strecke
zu berechnen, beachtet man, dass die Strecke
in der gleichen Zeit durchlaufen wird wie die Strecke .
Die Strecke
wird von Einfallswinkel ,
vom Brechungswinkel
und Schichtdicke d bestimmt. Damit sind alle Strecken über einfache
trigonometrische Beziehungen darstellbar.
Dem Bild 3 entnimmt man:
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![]() |
| Damit ist die Strecke zwischen A und D allein aus der
Schichtdicke, dem Einfalls- und dem Brechungswinkel dargestellt. Für die Strecke
verfährt man ähnlich: |
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|
Andererseits gilt: |
| Also ergibt sich für die Strecke zwischen A und E insgesamt: |
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Nunmehr kann der Gangunterschied insgesamt allein
aus der Schichtdicke des brechenden Mediums, dem Einfallswinkel sowie
der Brechungszahl dargestellt werden.
Nach Ausklammern gemeinsamer Faktoren, Benutzung des Brechungsgesetzes und des trigonometrischen Pythagoras gewinnt man folgende Form:

Da nach dem Brechungsgesetz
ist, erhält man:

Somit beträgt der Gangunterschied für das reflektierte Licht:

Für das durchfallende Licht treten dagegen zwei
Reflexionen an gleichen Übergängen auf (nämlich an der
inneren Rückseite der Schicht sowie an ihrer inneren Vorderseite).
Das ergibt entweder den Phasensprung
bzw. 0. Deshalb ergibt sich für den Gangunterschied
im durchgehenden Licht
Aus beiden Gleichungen lassen sich Schlussfolgerungen ziehen sowie experimentell prüfbare Anordnungen entwickeln.
Betrachtung des
reflektierten Lichtes
Die gefundene Beziehung zeigt, dass der Gangunterschied von vier Variablen
bestimmt wird:
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Bleibt man zunächst bei einem lichtdurchlässigen
Medium, also n = konstant, so erkennt man,
dass bei konstanter Schichtdicke (planparallele Schicht) für monochromatisches
Licht für alle Lichtwege, die unter dem gleichen Einfallswinkel auf
die Schicht treffen, der gleiche Gangunterschied entsteht.
Ordnet man also vor einer planparallelen Platte eine Quelle für monochromatisches
Licht (z.B. eine Na-Dampflampe) so an, dass die Lichtwege, die diese Schicht
unter dem gleichen Winkel treffen, mit der Schicht einen geraden Kegel
bilden, so ergibt sich als Interferenzbild ein System konzentrischer Ringe.
Benutzt man als planparallele Schicht eine Glimmer-Platte,
erhält man eindrucksvolle Interferenzen, die eine Fläche von
mehreren Quadratmetern bedecken können (pohlscher
Versuch).
Würde man dagegen eine Lichtquelle verwenden (z.B. eine Hg-Dampflampe),
die mehrere Farben emittiert, würde jede Farbe einen eigenen Ring
liefern.
Derartige Interferenzen an Schichten konstanter Stärke heißen
Kurven gleicher Neigung,
da der Gangunterschied durch den Einfallswinkel bestimmt wird.
Betrachtung im
durchgehenden Licht
Um Licht mit einem schmalen Wellenlängenbereich (im Idealfall monochromatisches
Licht) zu erzeugen bietet sich die Möglichkeit des Einsatzes geeigneter
Filter an. Allein farbige Gläser sind nur eine unbefriedigende Lösung,
da sie einen breiten Wellenlängenbereich passieren lassen.
Einen Ausweg bieten sogenannte Metallinterferenz-Filter
(Bild 4). Auf einen Glaskörper wird eine sehr dünne Silberschicht
aufgedampft. Der Herstellungsvorgang sichert, dass diese extrem plan ist.
Darauf wird eine Parallelschicht aus lichtdurchlässigem Material
aufgedampft, auf die abermals eine Silberschicht folgt. Die Schichtdicke
der eingeschlossenen Schicht so wird gewählt, daß im durchfallenden
Licht für genau eine geforderte Wellenlänge maximale Verstärkung
auftritt.
Das auf die vordere Silberschicht auftreffende Licht (a) wird zu einem
großen Teil direkt reflektiert (b). Das eindringende Licht (Metalle
der Dicke weniger Mikrometer lassen Licht hindurch) erreicht nach Durchlaufen
der planparallelen Schicht die untere Silberschicht. Ein Teil geht hindurch,
ein Teil wird wiederum zur vorderen Schicht reflektiert und erneut in
einen austretenden und einen wieder zur unteren Silberschicht reflektierten
Anteil gespalten, von dem ebenfalls der eben geschilderte Vorgang wiederholt
wird.
Dadurch entstehen wegen der häufigen Reflexionen viele Teilbündel,
die durch die hintere Silberschicht austreten. Sie haben aufgrund der
gleichen Wege alle den gleichen Gangunterschied, der von der Dicke der
Planschicht bestimmt ist. Dadurch ist das durchfallende Licht praktisch
einfarbig (monochromatisch). Unterstützt wird der Vorgang noch dadurch,
dass die Glasträgerschicht durch ihre Einfärbung den Effekt
unterstützt.
Derartige Metallinterferenz-Filter scheinen bei Betrachtung von der versilberten
Seite wie ein hochwertiger Spiegel. Erst wenn man sie dem Auge stark annähert,
erkennt man, dass man hindurch blicken kann.
Eine etwas billigere Variante kann man für Lichtquellen bauen, die
nur wenige Wellenlängen in ihrem Spektrum haben (z.B. Hg-Dampf-Lampe),
da hierzu eine aufgedampfte Metallschicht ausreicht.
Mit einem Aufdampfverfahren wird auch für hochwertige optische Linsen die Reflexionsfähigkeit herabgesetzt. Ein großer Spektralbereich wird dadurch im reflektierten Licht ausgelöscht. Deshalb erscheinen diese vergüteten Linsen im reflektierten Licht bläulich. Das in der Reflexion fehlende Licht ist natürlich im durchfallenden Licht enthalten.
Interferenz an keilförmigen
Schichten
Ausgangspunkt der Betrachtungen ist wiederum die oben abgeleitete Gleichung
für den Gangunterschied zwischen Licht, das an der Vorder- und Rückseite
einer dünnen Schicht reflektiert wird:
Lässt man neben der Brechzahl n auch den
Einfallswinkel konstant, so entstehen Interferenzen auch durch Veränderung
der Schichtdicke d. Wählt man zur Vereinfachung
senkrechten Lichteinfall, so reduziert sich die Gleichung für den
Gangunterschied zu:
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an allen Stellen, die eine gleiche Schichtstärke haben, das gleiche
Interferenzergebnis. Derartige Interferenzen nennt man Kurven
gleicher Dicke.
Betrachtet man etwa die Stellen maximaler Verstärkung,
so gilt dafür die Bedingung:
Daraus kann man die Schichtstärken für maximale Verstärkung
im reflektierten Licht ermitteln:
Hieraus folgt:
Analog erhält man für Zonen vollständiger
Auslöschung wegen
die Schichtstärken:
Aufeinanderfolgende Zonen maximaler Verstärkung
(ebenso wie die der vollständigen Auslöschung) haben stets den
Schichtdickenunterschied
, sofern die
Wellenlänge konstant bleibt.
Gerade Interferenzstreifen
und newtonsche Ringe
Einen solchen linearen Schichtdickenzuwachs kann man durch einen Luftspalt
zwischen zwei ebenen Glasflächen erzeugen, die man aufeinanderlegt
und zwischen die man an einer Seite einen dünnen Gegenstand (etwa
eine Rasierklinge) bringt. Von der direkten Auflagekante in Richtung auf
den eingefügten Gegenstand vergrößert sich die Schichtdicke
linear, sofern die einander zugewandten Flächen völlig plan
sind.
Für Na-Licht mit einer Wellenlänge von 589 nm erhält man
für die ersten Streifen maximaler Verstärkung (1., 2. und 3.Ordnung)
die Schichtdicken 221 nm, 662 nm und 1.103 nm, dagegen für die der
vollständigen Auslöschung 0 nm, 442 nm und 884 nm.
Im Falle völlig ebener Glasflächen ergeben sich so parallele
helle und dunkle gerade Interferenzstreifen. Jede Abweichung von der Geradlinigkeit
deutet auf eine Unebenheit der Glasflächen hin. Damit verfügt
man über ein sehr genaues Prüfverfahren, um die Formgleichheit
eines Prüflings aus lichtdurchlässigem Material mit einem mit
äußerster Präzision gefertigten Normal festzustellen:
Sind beide völlig identisch, muss im reflektierten Licht die gesamte
Auflagefläche dunkel bleiben. Jede Aufhellung stellt eine Abweichung
von der angestrebten Form dar.
Besonders deutlich werden solche Interferenzen, wenn
auf eine Konkavlinse eine Konvexlinse fast identischer Form gelegt wird.
An einer derartigen Anordnung hat ISAAC NEWTON (1643-1727) diese Kurven
gleicher Dicke erstmals beobachtet und auch eine Erklärung für
ihr Zustandekommen gegeben. Allerdings musste er dazu eine gewisse Periodizität
der von ihm zur Lichtbeschreibung benutzten Korpuskeln als Kompromiss
zulassen. Da bei exaktem Schliff beider Glaskörper die Zonen mit
gleicher Schichtstärke konzentrische Kreise um die Auflagestelle
sind, zeigen sich die Interferenzkurven gleicher Ordnung als Ringe, weshalb
man sie als newtonsche Ringe
(Bild 5) bezeichnet.
Für Demonstrationsversuche gibt es eine Anordnung, bei der die beiden
Linsenkörper durch zwei Spannringe zusammengehalten werden. Durch
Spannschrauben lässt sich der Andruck der beiden Glaskörper
verändern. Das führt sofort zu einer Formänderung der newtonschen
Ringe.
Wenn beide Keil bildenden Stoffe lichtdurchlässig sind, kann man die
Interferenzfiguren auch im durchfallenden Licht beobachten.
Nimmt man z.B. an, dass die den Keil begrenzenden Schichten aus dem gleichen
Material bestehen (also etwa beide aus Glas), so beträgt der Gangunterschied
wegen des zweimaligen Auftretens des Phasensprungs an den Grenzschichten
.
Er unterscheidet sich von dem für das reflektierte Licht für
den gleichen Gangunterschied also stets um eine halbe Wellenlänge.
Das bedeutet, dass im durchfallenden und reflektierten Licht an der gleichen
Stelle der Schicht komplementäre Interferenzergebnisse entstehen.
Während also bei den newtonschen Ringen im reflektierten Licht die
Auflagestelle der beiden Glaskörper dunkel ist (
,
denn d = 0), ist sie im durchfallenden Licht
ein Gebiet für maximale Verstärkung da der Gangunterschied dann
null ist.
Schillernde Seifenblasen
und bunte Ölschichten
Zu den auffallendsten Erscheinungen, an denen Interferenzen an dünnen
keilförmigen Schichten beteiligt sind, gehören z.B. Seifenblasen,
die in allen Spektralfarben leuchten, ebenso wie farbig schimmernde Ölschicht
auf einer Wasserfläche. In beiden Fällen handelt es sich um
den gleichen Vorgang: Unter dem Einfluss der Schwerkraft verteilt sich
ein Ölfilm auf einer Trägerschicht (meist Wasser) zu einer keilförmigen
Schicht. Da die Beobachtung meist bei natürlicher Beleuchtung stattfindet,
werden die Spektralfarben an verschiedenen Schichtstärken (wegen
ihrer verschiedenen Wellenlängen) maximal verstärkt, weshalb
derartige Objekte in den Regenbogenfarben leuchten.
Erzeugt man mit einer Seifenlösung durch Eintauchen
eines Drahtbügels bei dessen Herausziehen eine Seifenhaut, so kann
man beobachten, dass sich die Farbbereiche nach unten verschieben und
die Seifenfläche unmittelbar vor dem Zerplatzen an der Oberseite
im reflektierten Licht fast schwarz wird.
Durch das Verlaufen der Lösung wird die Schicht an der Oberkante
immer dünner, sodass sie endlich zerreißt.