








Lenkt man Licht, das von einer Lichtquelle kommt, auf einen schmalen Doppelspalt, dann kann man in einem gut abgedunkelten Raum auf einem Schirm hinter dem Doppelspalt eine Reihe von hellen und dunklen Streifen beobachten (Bild 1). Diese Interferenzstreifen sind Ausdruck dafür, dass sich das von den beiden Spalten ausgehende Licht überlagert (interferiert).
Unter der Interferenz von Licht versteht man die Erscheinung, dass sich das von einer Lichtquelle ausgehende Licht überlagert und damit Bereiche der Verstärkung und Abschwächung oder Auslöschung auftreten.
Eine solche Interferenz von Licht erfolgt ständig, stabile
Interferenzmuster sind aber nur unter bestimmten Bedingungen zu beobachten.
Bedingungen für stabile Interferenzmuster
Das Licht einer Lichtquelle entsteht durch atomare Prozesse in der Atomhülle.
Geht man vom Wellenmodell aus, dann gilt: Bei den meisten Lichtquellen
sind die Lichtwellenzüge, die von der Lichtquelle ausgehen, im Raum
unterschiedlich orientiert. Es kommt damit zwar zu Überlagerungen,
nicht aber zu einem stabilen Interferenzmuster. Ein solches stabiles Interferenzmuster
entsteht nur dann, wenn die betreffenden Lichtwellen bei gleicher Frequenz
bzw. Wellenlänge eine feste Phasenbeziehung zueinander haben. Solche
Wellen nennt man kohärent. Ist die Bedingung nicht erfüllt,
so spricht man von inkohärentem Licht. Das Licht aller natürlichen
Lichtquellen ist inkohärent (Bild 2).
Kohärente Wellen oder kohärentes Licht erhält man, indem
man das Licht einer Lichtquelle durch geeignete Anordnungen (Spalte, Gitter,
Prismen, Spiegel) zunächst aufteilt und diese Teile dann wieder zur
Überlagerung bringt. Damit wird genutzt, dass das Licht, das von
einem Punkt einer Lichtquelle ausgeht, mit sich selbst kohärent ist.
Dabei wird mitunter eine Bedingung angegeben, die man als Kohärenzbedingung
bezeichnet. Sie ergibt sich aus folgender Überlegung (Bild
3): Liegt eine ausgedehnte Lichtquelle vor, dann ist das von einem Punkt
dieser Lichtquelle ausgehende Licht mit sich selbst kohärent. Zwei
vom gleichen Punkt in der Mitte ausgehende sehr schmalen Lichtbündel
(rote Linien) haben auf dem Schirm in den Punkten 1 und 2 den optischen
Gangunterschied null. Die vom oberen Rand der Lichtquelle ausgehenden
(gestrichelt gezeichneten) Lichtbündel haben in den Punkten 1 und
2 den Gangunterschied:
Die zuletzt genannte Beziehung ist die Kohärenzbedingung. Dabei ist
d der Abstand zweier Punkte einer Lichtquelle.
Eine andere Möglichkeit ist die Verwendung kohärenter Lichtquellen.
So senden beispielsweise Laser kohärentes
Licht aus. Deshalb lässt sich auch mithilfe von Lasern die Interferenz
besonders einfach demonstrieren.
Bedingungen für Verstärkung
und Auslöschung
Wenn sich kohärentes Licht überlagert, kommt es je nach dem
Gangunterschied zwischen
den zwischen den interferierenden Wellen zu einer Verstärkung, Abschwächung
oder Auslöschung.
Beträgt der Gangunterschied null, die Wellenlänge
oder ein ganzzahliges Vielfaches davon, so erfolgt eine maximale Verstärkung.
Es ist dann ein Schwingungsbauch vorhanden, die betreffende Stelle ist
hell. Man bezeichnet das auch als konstruktive
Interferenz. Für sie gilt
die Bedingung:

Abschwächung ist vorhanden, wenn diese Bedingung nicht erfüllt
ist. Beträgt der Gangunterschied gerade eine halbe Wellenlänge
oder ein ungeradzahliges Vielfaches davon, dann tritt Auslöschung
auf. Es ist dann an der betreffenden Stelle ein Schwingungsknoten vorhanden,
die Stelle ist dunkel. Man bezeichnet das auch als destruktive
Interferenz. Für sie gilt
die Bedingung:

Bringt man z.B. hinter einem Doppelspalt einen Schirm an, dann zeigt sich
ein Wechsel von hellen und dunklen Streifen. Die hellen Streifen haben
bei Verwendung von einfarbigem (monochromatischem) Licht die Farbe dieses
Lichtes. Bei Verwendung von weißem Licht sieht man außer im
Maximum 0. Ordnung ein kontinuierliches Spektrum, weil die Lage der Maxima
wellenlängenabhängig ist.
Interferenz am Einzelspalt
Bei einem Einzelspalt ist nach dem huygensschen Prinzip jeder Punkt dieses
Spaltes Ausgangspunkt für Elementarwellen, die sich überlagern
(Bild 4). Ist der Gangunterschied zwischen den beiden Randstrahlen gleich
einer Wellenlänge, dann kann man zu jedem Strahl aus der einen Hälfte
des Lichtbündels einen Strahl aus der anderen Hälfte finden,
zwischen denen der Gangunterschied gerade die halbe Wellenlänge beträgt
(Bild 4). Beispiele dafür sind die Strahlen 1 und 3 oder 2 und 4.
Es kommt folglich zu Auslöschung aller Wellen. Vergrößert
sich der Gangunterschied, dann kommt es zu einer partiellen Auslöschung.
Das restliche Licht bildet ein Maximum 1. Ordnung. Es entstehen helle
und dunkle Streifen. Für die Minima gilt die Bedingung:
Die Bedingung für Maxima lautet:

Interferenz am Doppelspalt
Bild 5 zeigt ein typisches Interferenzmuster, das man durch einen Doppelspalt
erhält. Es treten neben dem Maximum 0. Ordnung weitere ausgeprägte
Maxima und Minima auf. Ihre Lage kann man relativ einfach ermitteln.
Wir betrachten dazu den in Bild 6 dargestellten Fall. Allgemein gilt:
Wie bei mechanischen Wellen tritt eine Verstärkung dann auf, wenn
bei gleicher Wellenlänge und fester Verschiebung zwischen zwei Wellenzügen
sich jeweils Wellenberge bzw. Wellentäler überlagern. Das ist
dann der Fall, wenn der Gangunterschied zwischen zwei Wellenzügen
null, eine Wellenlänge oder ein Vielfaches davon beträgt, also
konstruktive Interferenz vorliegt. Für die Maxima
gilt dann die Bedingung:

Der Winkel lässt sich unter der Voraussetzung, dass der Spaltabstand
klein gegenüber der Entfernung Doppelspalt-Schirm ist, aus durch
folgende Beziehung ausdrücken:

Damit kann man auch schreiben:

Diese Beziehung kann man nutzen, um die Wellenlänge
von Licht zu bestimmen. Dafür nutzt man aber zweckmäßigerweise
keinen Doppelspalt, sondern ein optisches Gitter.
Interferenz am Gitter
Das auf ein optisches Gitter
fallende Licht wird wie beim Doppelspalt (Bild 5) an jedem einzelnen Spalt
gebeugt, d. h. es breitet sich nach dem betreffenden Spalt in den unterschiedlichsten
Richtungen aus. Damit überlagert sich hinter dem Gitter das von den
einzelnen Spalten ausgehende Licht. Es kommt in bestimmten Bereichen zur
Verstärkung bzw. zur Abschwächung oder Auslöschung. Bringt
man hinter dem Gitter einen Schirm an, so kann man auf ihm typische Interferenzstreifen,
also helle und dunkle Linien, beobachten. Dabei zeigt sich: Mit Erhöhung
der Anzahl der Spalte prägen sich die Maxima immer schärfer
aus. Nur sie sind auch für Messungen von Interesse. Wie beim Doppelspalt
gilt auch beim Gitter für die Maxima:

Optische Gitter
Ein Gitter wird hergestellt, indem man in eine Glasplatte oder in eine
spiegelnde Metallplatte mit einem Diamanten in gleichen Abständen
feine Furchen einritzt. Die nicht geritzten Teile wirken wie sehr schmale
Spalte.
Nutzt man Glas, so geht das Licht durch die nicht geritzten Teile hindurch.
Eine solche Art von Gitter bezeichnet man auch als Transmissionsgitter.
Bei einer spiegelnden Metallfläche geht dagegen dass Licht nicht
hindurch, sondern wird an den nicht geritzten Stellen reflektiert. Eine
solche Art von Gitter bezeichnet man deshalb als Reflexionsgitter.
Transmissionsgitter lassen sich auch relativ einfach auf fotografischem
Wege herstellen: Zeichnet man auf ein Blatt Papier parallele schwarze
Linien und fotografiert diese, so kann das Negativ als optisches Gitter
verwendet werden.
Erfunden wurde das Gitter durch den deutschen Physiker JOSEPH
VON FRAUNHOFER (1787-1826). FRAUNHOFER stellte mit einer speziell
entwickelten Ritzmaschine Gitter mit einer Gitterkonstanten von bis zu
3.31 Mikrometer her. Er nutzte dazu Glasplatten, in die feine Furchen
eingeritzt wurden, und erhielt damit Transmissionsgitter.
Der amerikanische Physiker HENRY AUGUSTUS ROWLAND
(1848-1901) ritzte Spiegelmetall. Ihm gelang es, 20 000 Linien auf ein
englisches Zoll zu ritzen. Das so entstandene Reflexionsgitter hatte eine
Gitterkonstante von 1,27 Mikrometer. Solche Reflexionsgitter werden nach
ihrem Erfinder auch als ROWLAND-Gitter bezeichnet.
Interferenz durch Brechung und Reflexion
Versuche mit einem Doppelspalt, die auf den englischen Mediziner und Physiker
THOMAS YOUNG (1773-1829) zurückgehen,
waren die historisch ersten Experimente zur Untersuchung der Interferenz
bei Licht. Weitere Experimentieranordnungen zur Interferenz von Licht
entwickelten der französische Physiker AUGUSTIN
JEAN FRESNEL (1788-1826) sowie der deutsche Naturforscher JOSEPH
VON FRAUNHOFER (1787-1826) mit der Erfindung des optischen Gitters.
Allen diesen Experimentieranordnungen ist gemeinsam, dass Licht einer
Lichtquelle geteilt wird und diese Teile zur Überlagerung gebracht
werden. Bei dem von FRESNEL vorgeschlagenen Biprisma (Bild 9) wird das
von einer Lichtquelle L ausgehende Licht gebrochen. Die Teile überlagern
sich hinter dem Biprisma. Es entsteht ein Interferenzbild. Das Licht scheint
infolge der Brechung von zwei Lichtquellen herzukommen.