


IRENE CURIE - Kind
berühmter Eltern
IRENE CURIE ist die erste Tochter der berühmten Atomforscher MARIE
und PIERRE CURIE. Sie wurde am 12. September 1897 in Paris geboren. Ihre
Schulausbildung erhielt sie in einer privaten Unterrichtsgemeinschaft,
die ihre Mutter mit einigen ihr bekannten Professoren ins Leben gerufen
hatte. Ihr Vater, PIERRE CURIE, war 1906 bei einem Unfall ums Leben gekommen.
Nach der Reifeprüfung begann sie bereits mit 17 Jahren an der Sorbonne
in Paris Physik und Mathematik zu studieren. Im Ersten Weltkrieg unterstützte
IRÈNE ihre Mutter beim Aufbau fahrbarer Röntgenstationen und
unterrichtete auch das Bedienungspersonal, setzte parallel dazu aber ihre
Ausbildung fort. Ab 1918 war sie als Assistentin am Radiuminstitut
(Institut du radium) in Paris tätig, das ihre Mutter leitete. Hier
promovierte sie 1925 mit einer Arbeit über die Alphastrahlung von
Polonium. An diesem Institut lernte sie 1925 auch den Physiker FRÉDÉRIC
JOLIOT kennen. Die beiden heirateten 1926 und nahmen den gemeinsamen Familiennamen
JOLIOT-CURIE an. Aus ihrer Ehe gingen zwei Kinder hervor.
FRÉDÉRIC
JOLIOT - eine schwierige Entwicklung
FRÉDÉRIC JOLIOT wurde am 19. März 1900 als siebtes
Kind einer mittellosen Kaufmannsfamilie geboren. Nach dem Schulbesuch
war ihm zunächst aus finanziellen Gründen eine akademische Karriere
verschlossen. Er studierte ab 1919 die Hochschule für Industrielle
Physik und Chemie der Stadt Paris, deren Direktor der Physiker PAUL LANGEVIN
war. Dieser hat die Entwicklung von F. JOLIOT entscheidend beeinflusst
und gefördert. 1945 äußerte sich JOLIOT-CURIE gegenüber
seinem Lehrer folgendermaßen:
"Wir sind Ihnen dafür dankbar, dass Sie uns auf allen Gebieten des Denkens und Handelns aufgeklärt haben, und deshalb bewundern und lieben wir Sie."
Nach Abschluss seines Ingenieurstudiums ging FRÉDÉRIC JOLIOT 1925 an das von MARIE CURIE geleitete Radiuminstitut und promovierte dort 1930 mit einer Arbeit zur Elektrochemie des radioaktiven Poloniums.
Die Zeit gemeinsamer
Forschungen
Nach der Heirat und der Promotion von FRÉDÉRIC JOLIOT-CURIE
begann eine sehr fruchtbare Zeit gemeinsamer Forschungen. Die Höhepunkte
waren ihr Anteil an der Auffindung des Neutrons und die Entdeckung der
künstlichen Radioaktivität, für die beide 1935 den Nobelpreis
für Chemie erhielten.
IRÈNE JOLIOT-CURIE wurde 1932 Forschungsleiter und 1946 Direktorin
des Radiuminstituts. Darüber hinaus war sie seit 1937 als Professorin
für Physik an der Sorbonne tätig. Als Unterstaatssekretärin
in der französischen Volksfrontregierung wirkte sie für den
gesellschaftlichen Fortschritt und setzte sich im Nationalkomitee der
französischen Frauenunion für die Gleichberechtigung der Frauen
ein. Ab 1945 arbeitet sie auch als Kommissarin der französischen
Atomenergiebehörde beim Bau des ersten französischen Kernreaktors
mit, wurde aber 1951 wegen "kommunistischer Umtriebe" aus dieser
Tätigkeit entlassen.
FRÉDÉRIC JOLIOT-CURIE wurde 1937 Professor
am Pariser Collège de France und 1943 Mitglied der französischen
Akademie der Wissenschaften.
Die Forschungen des Ehepaars und ihrer Mitarbeiter wurden durch die deutsche
Besetzung Frankreichs im Jahr 1939 abrupt unterbrochen.
Während des Zweiten Weltkrieges blieb FRÉDÉRIC JOLIOT-CURIE
im von den Deutschen besetzten Frankreich, schickte jedoch seine Mitarbeiter
mit den wichtigsten Geräten und Materialien zur Atomforschung ins
englische Exil. Seine Frau und er kämpften aktiv gegen die deutsche
Besatzungsmacht.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wandte sich FRÉDÉRIC
JOLIOT-CURIE der friedlichen Nutzung der Atomenergie zu. Er wurde 1945
zum Hochkommissar und Vorsitzenden der französischen Atomenergiebehörde
ernannt und war in dieser Funktion führend an der Entwicklung des
ersten Kernreaktors Westeuropas
beteiligt, der in kurzer Zeit fertiggestellt und 1948 in Betrieb genommen
wurde. Seine Vorhaben in der Atomforschung konnte er allerdings nicht
mehr verwirklichen, denn er wurde 1950 aus politischen Gründen -
er war aktives Mitglied der kommunistischen Partei Frankreichs - aus seinen
Funktionen als Direktor des französischen Kernforschungszentrums
und als Hoher Kommissar für Atomenergie entlassen. 1951 wurde er
der erste Präsident des Weltfriedensrates
und setzte sich in dieser Funktion intensiv für die friedliche Nutzung
der Atomenergie ein.
Nach dem Tode seiner Frau im Jahr 1956 übernahm er noch den Lehrstuhl
für Kernphysik an der Sorbonne sowie die Leitung des Radiuminstituts,
starb aber selbst zwei Jahre später.
Wissenschaftliche
Hauptleistungen
1930 stellten BOTHE und BECKER fest, dass bei der Bestrahlung von Beryllium
mit Alphastrahlung eine neue, sehr durchdringende Strahlungsart auftrat.
IRENE und FREDERIC JOLIOT-CURIE fanden 1932 nach Änderung der Versuchsbedingungen
heraus, dass mithilfe dieser neuen Strahlung Atomkerne aus bestimmten
Substanzen regelrecht "herausgeschossen" werden konnten. Daraus
folgerte der englische Physiker JAMES CHADWICK,
dass es sich bei der Strahlung um bislang unbekannte, neutrale Teilchen,
die Neutronen, handeln könnte.
Er erhielt für die Entdeckung des Neutrons 1935 den Nobelpreis für
Physik.
Auf der Suche nach weiteren Neutronenstrahlen beschossen I. und F. JOLIOT-CURIE
1934 Aluminium mit Alphateilchen und stellten unerwartet fest, dass die
Probe auch nach Ende der Bestrahlung noch einige Minuten weiterstrahlte.
Damit hatten sie die künstliche
Radioaktivität entdeckt, die sie auch chemisch nachwiesen. Dafür
erhielten beide 1935 den Nobelpreis
für Chemie. In den Folgejahren wurden hunderte radioaktiver Isotope
gefunden und auch relativ schnell in der Strahlentherapie sowie für
technische Zwecke genutzt.
Im Vorfeld der Entdeckung der Kernspaltung bildeten die Versuche von ENRICO FERMI den Ausgangspunkt, bei denen er Neutronen auf Uran einwirken ließ und so Transurane erzeugen wollte. Ähnliche Versuche wurden auch von IRENE JOLIOT-CURIE mit ihrem Mitarbeiter PAUL SAVITCH durchgeführt. Sie erhielten bei Bestrahlung von Uran mit Neutronen ein Thoriumisotop mit einer Halbwertszeit von 3,5 Stunden, das sich chemisch wie Lanthan verhielt, ein Element mit viel niedrigerer Ordnungszahl. Dieses Ergebnis war für O. HAHN, F. STRASSMANN und L. MEITNER Anlass, bei der Reaktion von Neutronen mit Uran auch nach Isotopen mit niedrigerer Ordnungszahl zu suchen.
Nach der Entdeckung der Kernspaltung 1937/38 führte
FREDERIC JOLIOT-CURIE mit seinen Mitarbeitern den Nachweis, dass Urankerne
durch thermische
(langsame) Neutronen zertrümmert und bei der Spaltung eines Kerns
jeweils mehrere Neutronen freigesetzt wurden. Sie erkannten, dass so die
Möglichkeit einer Kettenreaktion
gegeben war und damit Energie freigesetzt werden konnte. Für eine
friedliche Nutzung mussten die Spaltprozesse aber gesteuert werden. Das
zu realisieren gelang erstmals ENRICO FERMI 1943 in einem Versuchsreaktor
in Chicago.