
JAMES CLERK MAXWELL (Bild 1) war einer der vielseitigsten und bedeutendsten Physiker des 19. Jahrhunderts. Seine Theorien elektromagnetischer Felder und des Lichtes war ihrer Zeit soweit voraus und waren so vollkommen, dass sie ein halbes Jahrhundert später von ALBERT EINSTEIN nahezu unverändert in die Relativitätstheorie übernommen werden konnten.
Leben und Wirken
JAMES CLERK MAXWELL wurde am 13. Juni 1831 im schottischen Edinburgh als
Sohn eines Gutsbesitzers geboren. Unter seinen Vorfahren findet man Dichter,
Musiker, Politiker und Gelehrte. MAXWELLs Vater war ein wissenschaftlich
gebildeter, vielseitiger Mann, lebte aber meist ohne spezielle berufliche
Tätigkeit auf seinem Gutsbesitz. Die Mutter von MAXWELL starb bereits,
als er 8 Jahr alt war. Seine Erziehung lag weitgehend in den Händen
des Vaters und von Privatlehrern. Schon früh wurde durch den Vater
der Sinn für technische Entwicklungen und praktische Fertigkeiten
gefördert. Der Junge wuchs mit den Kindern der Gutsangestellten und
Kleinbauern auf.
Nach anfänglichem Privatunterricht besuchte er eine Schule und fiel dort vor allem durch seine mathematische Begabung auf. Ansonsten war er ein Außenseiter, der kaum Freunde hatte. Bereits im Alter von 14 Jahren wurde MAXWELL für seine hervorragenden mathematischen Leistungen mit einer Ehrenmünze ausgezeichnet. Mit 15 Jahren wurde der Akademie der Wissenschaften in Edinburgh eine Abhandlung von J. C. MAXWELL vorgelegt, der ein befreundeter Gelehrter die angemessene akademische Form gegeben hatte und in der eine neuartige, den Mathematikern bis dahin nicht bekante Methode des Zeichnens einer Ellipse dargestellt war.
MAXWELL studierte nach der schulischen Ausbildung in Edinburgh drei Jahre lang Mathematik und Physik. Darüber hinaus beschäftigte er sich in dieser Zeit auch mit philosophischen, wissenschaftsgeschichtlichen und schöngeistigen Studien. In Cambridge schloss MAXWELL im Jahre 1854 seine Studien ab und begann anschließend als Privatgelehrter auf dem Gebiet der Elektrizitätslehre zu arbeiten.
Die erste größere Untersuchung von MAXWELL erscheint 1855 unter dem Titel "Über Faradays Kraftlinien". Daneben beschäftigte er sich auch mit experimentellen Untersuchungen zur physiologischen Farbenlehre. Auch hier veröffentlichte er 1855 die ersten Ergebnisse. Er kam dabei zu ähnlichen Ergebnisse wie HERMANN VON HELMHOLTZ, der sich mit ähnlichen Problemen beschäftigte.
MAXWELL beschäftigte sich auch mit solchen Problemen wie den Saturnringen. Auf mathematischem Wege konnte er nachweisen, dass die Saturnringe aus Wolken winziger Teilchen bestehen müssten. Diese Deutung wurde später bestätigt.
Mit 26 Jahren erhielt MAXWELL 1857 eine Berufung als Professor an ein
College in Aberdeen. Als 1860 diese kleine Hochschule mit einer anderen
zusammengelegt wurde, verzichtet man auf seine weitere Mitarbeit. 1860
scheiterte auch eine Bewerbung an die Universität in Edinburgh. Im
gleichen Jahr erhielt er aber eine Berufung nach London, wo er von 1860
bis 1865 tätig war. Diese Jahre waren die fruchtbarsten in seinem
Gelehrtenleben. Während seiner Londoner Zeit trat MAXWELL auch in
persönliche Beziehungen zu MICHAEL
FARADAY.
Da MAXWELL in London über kein Laboratorium verfügte, richtete
er sich ein Privatlabor ein, Seine Frau half ihm beim Experimentieren.
Nach Aussage von Zeitgenossen war er ein sehr geschickter und erfindungsreicher
Experimentator. Bei seinen Experimenten, die er häufig allein durchführte,
soll er seinem Hund mit leiser Stimme die Experimente, die er gerade durchführte,
erläutert haben.
Aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes gab MAXWELL 1865 sein
Lehramt auf und widmete sich auf seinem Landsitz Glenlair in Schottland
sechs Jahre lang ganz der Forschung. 1871 beschloss die Universität
Cambridge, eine Professur für Experimentalphysik mit einem Laboratorium
einzurichten. Da die beiden berühmtesten Physiker dieser Zeit - der
Engländer J. J. THOMSON und der Deutsche H. VON HELMHOLTZ - nicht
gewonnen werden konnten, wandte sich die Universitätsleitung an J.
C. MAXWELL und gewann ihn als Leiter der neuen Einrichtung. MAXWELL sorgte
für die Einrichtung des "Cavendish-Laboratoriums",
wie es nach einem der Geldgeber genannt wurde. Das Cavendish-Laboratorium
begründete in England eine große Tradition der experimentellen
physikalischen Forschung. Nach MAXWELL wurde es von solchen Forschern
wie J. W. S. RAYLEIGH, J. J. THOMSON und E. RUTHERFORD geleitete. Während
seiner Professur in Cambridge veröffentlichte MAXWELL mehrere bedeutsame
Arbeiten: 1871 erschien die "Theorie der Wärme" und 1873
das grundlegende Lehrbuch "Elektrizität und Magnetismus".
Am 5. November 1879 erlag J. C. MAXWELL einer Erkrankung.
Wissenschaftliche Hauptleistungen
Die sicher bedeutendste wissenschaftliche Leistung von J. C. MAXWELL war
die Entwicklung einer Theorie, die als elektromagnetische
Feldtheorie bezeichnet wird und die eine in sich geschlossene Theorie
der Elektrodynamik ist,
mit der er sich seit 1855 beschäftigte. Mit seinen berühmten
Differenzialgleichungen, die auch als maxwellsche
Gleichungen bezeichnet werden, beschrieb er den Zusammenhang zwischen
elektrischen und magnetischen Feldern und begründete eine einheitliche
Feldtheorie. Der berühmte österreichische Physiker LUDWIG BOLTZMANN
war von diesen relativ einfachen Gleichungen so begeistert, dass er angeblich
mit FAUST ausrief:
"War es ein Gott, der diese Zeichen schrieb?"
Auf rein mathematischem Wege folgerte MAXWELL, dass sich im leeren Raum
elektromagnetische
Wellen ausbilden, die sich mit Lichtgeschwindigkeit fortpflanzen.
Er begründete mit mathematischen Mitteln die Vermutung, die bereits
FARADAY ausgesprochen hatte: Licht und Elektrizität sind wesensgleich.
MAXWELL selbst hat nicht versucht, die von ihm theoretisch vorhergesagten
elektromagnetischen Wellen nachzuweisen, obwohl er auch ein vorzüglicher
Experimentator war und über ausgezeichnete apparative Mittel verfügte.
Das gelang erst etwa zehn Jahre nach seinem Tod dem deutschen Physiker
HEINRICH HERTZ.
Einer seiner Biografen schrieb zu den wissenschaftlichen Leistungen von
MAXWELL:
"Die Aufstellung der Maxwellschen Gleichungen
des Elektromagnetismus, die das Zeitalter der Elektrizität eröffneten,
kann als das wichtigste theoretische Ereignis in der Physikgeschichte
zwischen der Gravitationstheorie Newtons und der Relativitätstheorie
Einsteins betrachtet werden. Erkenntnistheoretisch ist dabei wesentlich,
daß dadurch das elektromagnetische Kraftfeld gleichberechtigt neben
den stofflichen Massepunkt trat: als eine neue Erscheinungsform der Realität".
(Aus: F. Herneck, Bahnbrecher des Atomzeitalters, Berlin 1968)
Bedeutende Beiträge leistete MAXWELL auch zur kinetischen Gastheorie. So gab er 1859 die maxwellsche Geschwindigkeitsverteilung von Gasmolekülen an.
Die 1864 von MAXWELL aufgestellte elektromagnetische Lichttheorie enthält eine Beziehung zwischen dem Brechungsindex des Lichtes (und damit der Lichtgeschwindigkeit) und den elektromagnetischen Größen Dielektrizitätszahl und Permittivitätszahl. In seiner Lichttheorie formulierte er:
"...daß Licht aus den transversalen Schwingungen desselben Mediums bestehe, die die Ursachen der elektrischen und magnetischen Erscheinungen sind".
MAXWELLs Theorien waren seiner Zeit weit voraus und stießen bei
vielen Physikern auf Unverständnis und Ablehnung. Das begann sich
erst zu ändern, nachdem H. HERTZ die Existenz elektromagnetischer
Wellen experimentell nachgewiesen hatte und sich ab 1890 die theoretische
Elektrotechnik zu entwickeln begann.