
JOHANNES DIDERIK VAN DER WAALS (Bild 1) lebte in einer Zeit, in der die klassische Physik ihre endgültige Ausformung erfuhr. Das gilt auch für den Bereich der Flüssigkeiten und Gase, mit denen er sich intensiv beschäftigte. Die Gesetze für das ideale Gas waren durch Forscher wie ROBERT BOYLE (1627-1691), EDME MARIOTTE (um 1620-1684) oder JOSEPH LOUIS GAY-LUSSAC (1778-1850) gefunden worden. Offen war aber die genaue Beschreibung von realen Gasen einschließlich der Wechselwirkungen, die zwischen den Teilchen der Gase auftreten. Das war einer der Schwerpunkte, mit denen sich J. D. VAN DER WAALS vorrangig beschäftigte.
Leben und Wirken
JOHANNES DIDERIK VAN DER WAALS wurde am 23. November 1837 in der Universitätsstadt
Leiden geboren. Nach Schulbesuch und Studium der Physik war er ab 1864
zunächst als Lehrer an einer Schule und auch als Schuldirektor tätig.
Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit physikalischen Problemen,
insbesondere mit Flüssigkeiten
und Gasen.
1873 legte er an der Universität Leiden seine Doktorprüfung
ab. Der Titel seiner Doktorarbeit lautete: "Die Kontinuität
des gasförmigen und flüssigen Zustands".
Seine ersten Forschungen führte VAN DER WAALS
neben seiner beruflichen Tätigkeit aus. Dass er überhaupt zur
Doktorprüfung zugelassen wurde, verdankte er einem neuen niederländischen
Gesetz, das Doktoranden der Naturwissenschaften von den bis dahin obligatorischen
Prüfungen in Altgriechisch und Latein befreite.
Seine ersten wissenschaftlichen Arbeiten fanden eine solche Beachtung,
dass er 1877 als Professor auf den Lehrstuhl für Physik an der neu
gegründeten Universität Amsterdam berufen wurde. Auf wissenschaftlichem
Gebiet beschäftigte er sich vorrangig mit Flüssigkeiten und
Gasen und den Phasenübergängen, aber auch mit der Oberflächenspannung
und der Kapillarität.
In Amsterdam war er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1908 tätig.
1910 erhielt er für sein wissenschaftliches Werk den Nobelpreis für
Physik. JOHANNES DIDERIK VAN DER WAALS starb am 8. März 1923 in Amsterdam.
Wissenschaftliche
Leistungen
Im Zusammenhang mit der Entwicklung und Verbesserung von Dampfmaschinen
wurden auch zahlreiche Untersuchungen zum Phasenübergang
flüssig-gasförmig von Wasser durchgeführt. Dabei zeigte
sich, dass die Zustandsgleichung für das ideale Gas die Verhältnisse
in der Nähe des Übergangspunktes, des kritischen Punktes, nicht
richtig beschrieb.
In seiner Doktorarbeit verallgemeinerte VAN DER WAALS 1873 die Zustandsgleichung
so, dass er das Volumen der Gasmoleküle
berücksichtigte und darüber hinaus die anziehenden Kräfte
(VAN DER WAALS-Kräfte)
mit einbezog, die die Moleküle aufeinander ausüben und die den
Druck beeinflussen. Die mit der Gleichung durchgeführten Berechnungen
stimmten mit den experimentellen Ergebnisse überein. Diese Zustandsgleichung
für reale Gase wird heute als Zustandsgleichung
von VAN DER WAALS oder als van der
waalssche Zustandsgleichung bezeichnet. Sie lautet:

Von sehr großer Bedeutung waren die Ergebnisse seiner Untersuchungen vor allem für die sich in dieser Zeit schnell entwickelnde Tieftemperaturphysik.
Darüber hinaus fand VAN DER WAALS 1880 das Gesetz
der korrespondierenden Zustände. Dieses Gesetz besagt: Die Zahlenwerte
von Druck, Volumen und Temperatur können zwar für verschiedene
Stoffe am kritischen Punkt unterschiedlich sein. Die verschiedenen Stoffe
verhalten sich aber gleich, wenn alle Messgrößen auf die jeweiligen
kritischen Werte bezogen werden.