
Herleitung der kapillaren Steighöhe
h
Das in Bild 1 dargestellte Experiment zeigt, dass die kapillare
Steighöhe h in einer Kapillare von deren Radius r
abhängig ist. Wie sie berechnet werden kann, soll nun hergeleitet
werden.
Das oberhalb des Wasserspiegels stehende Wasser im Röhrchen (Bild
2) hat die Gewichtskraft:

Die Masse der überstehenden Flüssigkeit kann man ersetzen durch das Produkt aus deren Volumen und deren Dichte. Es gilt dann:

Das Volumen des betrachteten Kapillarenstücks kann wie das eines Zylinders berechnet werden. Durch Einsetzen folgt:

Dabei ist h die gesuchte Steighöhe. Die Flüssigkeitssäule befindet sich in Ruhe, d.h. es ist ein Kräftegleichgewicht vorhanden. Die Kraft, die der Gewichtskraft entgegenwirkt, ist die von der Oberflächenspannung herrührende Kraft F. Für diese Kraft gilt:

Nun können wir die beiden Kräfte gleichsetzen:

Kürzen und Auflösen nach der Steighöhe h führt zu der gesuchten Beziehung

Für einen bestimmten Stoff hängt die Steighöhe also nur
von dem Radius des Röhrchens ab.
Zu beachten ist, dass diese Beziehung nur für den Fall einer vollkommen
benetzenden Flüssigkeit gilt. Eine benetzende
Flüssigkeit steht in einem Gefäß am Rand höher
als in der Mitte. Sie bildet auf einer ebenen Fläche einen linsenförmigen
Tropfen. Das gilt z.B. für Wasser.
Eine nicht benetzende Flüssigkeit steht dagegen in einem Gefäß
am Rand niedriger als in der Mitte. Sie bildet auf einer ebenen Fläche
kleine Kügelchen. Eine solche nicht benetzende Flüssigkeit ist
z.B. Quecksilber. Bei solchen nicht benetzenden Flüssigkeiten tritt
folgender Effekt auf: In einer Kapillare steigt die Flüssigkeit nicht
nach oben, sondern sinkt nach unten. Das kann man am Beispiel von Quecksilber
leicht zeigen.
Beispiel für Wasser
Die kapillare Steighöhe von Wasser soll für ein Röhrchen
mit einem Radius von 1 mm berechnet werden. Die Dichte von Wasser beträgt
und die Oberflächenspannung
.

Unter den gegebenen Bedingungen würde das Wasser etwa 14 mm hoch
stehen.