





Die
physikalische Größe Kraft
Der Begriff Kraft wird im Alltag und in der Physik in vielfältiger
Weise verwendet. Während der Alltagsbegriff mit unterschiedlichen Begriffsinhalten
genutzt wird, ist die physikalische Größe Kraft eindeutig definiert:
Die Kraft gibt an, wie stark ein Körper
bewegt oder verformt wird. Sie ist eine Wechselwirkungsgröße
und eine vektorielle Größe.
Ein Newton (1 N) ist die Kraft,
die einem Körper der Masse 1 kg eine Beschleunigung von
erteilt. Es ist etwa die Kraft, mit der ein Körper der Masse 100
g auf eine ruhende Unterlage drückt oder an einer Aufhängung
zieht (Bild 2). Benannt ist diese Einheit nach dem berühmten englischen
Physiker ISAAC NEWTON (1643-1727).
Weitere übliche Einheiten sind die Vielfachen
1 kN = 1000 N und
1 MN = 1000 kN = 1000000 N
sowie der Teil
1 mN = 0,001 N.
Nicht mehr verwendet werden die früher üblichen Einheiten Kilopond
(kp) und Dyn (dyn).
Darstellung von Kräften
Als vektorielle Größe wird eine Kraft als Pfeil dargestellt
(Bild 3). Sie ist gekennzeichnet durch den Betrag
(Länge des Pfeils), die Richtung
(Pfeilspitze) und den Angriffspunkt.
Dabei sind folgende Besonderheiten zu beachten:
Wirkungen von Kräften
Eine Kraft ist nur an ihren Wirkungen erkennbar. Die Wirkung einer Kraft
auf einen Körper ist abhängig von ihrem Betrag, ihrer Richtung
und ihrem Angriffspunkt. Kräfte können Bewegungsänderungen
und Formänderungen
bei Körpern hervorrufen, die im Extremfall bis zur Zerstörung
des Körpers führen können.
Die Formänderungen können dabei elastisch oder plastisch erfolgen.
Eine elastische Verformung
liegt vor, wenn ein Körper nach der Krafteinwirkung von allein wieder
seine ursprüngliche Form annimmt, so wie das z.B. bei Stahlfedern
der Fall ist. Zwischen der wirkenden Kraft und der Ausdehnung besteht
in diesem Falle direkte Proportionalität (Bild 4). Bereits der englische
Naturforscher ROBERT HOOKE (1635-1703) fand heraus, dass für eine
elastische Verformung gilt:
Dieser Zusammenhang, der unter der Bedingung einer elastischen Verformung
gilt, wird als hookesches
Gesetz bezeichnet.
Eine plastische Verformung
liegt dagegen vor, wenn ein Körper nach der Krafteinwirkung nicht
von allein wieder seine ursprüngliche Form annimmt. Solche plastischen
Verformungen treten z.B. beim Schmieden oder in der Verformungstechnik
auf. Eine plastische Verformung erfolgt auch, wenn beispielsweise ein
Stahldraht über seine Elastizitätsgrenze hinaus belastet wird
(Bild 5). Bis zum Punkt A erfolgt eine elastische Verformung. Es gilt
das hookesche Gesetz. Bei A wird die Elastizitätsgrenze erreicht.
Die weitere Verformung erfolgt plastisch, wobei bei B die Bruchgrenze
erreicht wird, der Draht also reißt.
Messen von Kräften
Unterschieden wird zwischen der statischen und der dynamischen Kraftmessung.
Beide Arten werden nachfolgend charakterisiert.
Statische Kraftmessung:
Die Messung der Kraft erfolgt bei ruhendem Körper. Als Messgeräte
kann man z.B. Federkraftmesser oder Dehnungsmessstreifen (DMS) verwenden
(Bild 6). Beim Federkraftmesser
wird das hookesche Gesetz genutzt. Dabei ist zu beachten, dass die Feder
eines Federkraftmessers nicht überdehnt werden darf.
Dehnungsmessstreifen
(DMS) bestehen meist aus dünnem Widerstandsdraht oder Widerstandsfolie,
die auf einen verformbaren Träger aufgebracht sind (Bild 6). Ändert
sich durch Biegung die Länge oder die Dicke des DMS, so verändert
sich auch sein elektrischer Widerstand und damit die Stromstärke
durch den DMS. Die Stromstärke ist damit ein Maß für die
einwirkende Kraft. Die entsprechenden Messgeräte sind so geeicht,
dass in der Regel eine digitale Anzeige der Kraft erfolgt.
Dynamische Kraftmessung:
Die Kraft kann auch unter Nutzung des newtonsches Grundgesetzes
gemessen werden. Kennt man die Masse des Körpers und bestimmt seine
Beschleunigung, so kann man daraus die auf ihn einwirkende Kraft bestimmen.
Berechnen von Kräften
Die in der Physik auftretenden Kräfte sind außerordentlich
vielfältig. Darüber hinaus gibt es aufgrund dieser Vielfalt
keine eindeutige Systematisierung. Wir beschränken uns daher nachfolgend
auf ausgewählte Beispiele.
Allgemein gilt das newtonsche Grundgesetz in der Form
Diese Gleichung lässt sich auch auf viele spezielle Fälle anwenden.
Einige von ihnen sind in der nachfolgenden Tabelle erfasst.
| Art der Kraft |
Berechnungs- |
Bedeutung der Größen |
| allgemein | ![]() |
m Masse des Körpers a Beschleunigung des Körpers |
| Gewichtskraft | ![]() |
m Masse des Körpers g Fallbeschleunigung (Ortsfaktor) |
| Reibungskraft | ![]() |
![]() |
| Federspannkraft | ![]() |
D Federkonstante s Längenänderung der Feder |
| Radialkraft (Zentralkraft) | ![]() |
m Masse des Körpers v Geschwindigkeit des Körpers r Radius der Kreisbahn |
| Auftriebskraft | ![]() |
![]() |
| Gravitationskraft | ![]() |
![]() |
Arten von Kräften
Es gibt viele verschiedene
Arten von Kräften, die man
z. B. nach der Art ihrer Entstehung oder nach der Art ihres Wirkens einteilen
kann, wobei es allerdings keine eindeutige und alle Kräfte umfassende
Systematisierung gibt. Wir stellen deshalb nachfolgend nur einige ausgewählte
Arten dar. Diese verschiedenen Arten von Kräften sind in der Regel
unter den betreffenden Stichwörtern ausführlich auf der CD dargestellt.
Allein diese kurze und keineswegs vollständige Aufzählung zeigt,
wie außerordentlich vielfältig der Kraftbegriff in der Physik
verwendet wird und welche zentrale Rolle er an vielen Stellen spielt.
Dabei ist auch zu beachten, dass die Begriffsvielfalt sehr groß
und die Terminologie mitunter unterschiedlich ist.