


Das
Wesen der LORENTZ-Transformation aus relativistischer Sicht
Für die Beschreibung von Ereignissen in unterschiedlichen Inertialsystemen
wird in der klassischen Physik, also bei kleinen Relativgeschwindigkeiten,
die GALILEI-Transformation
genutzt. Für große Geschwindigkeiten ist die GALILEI-Transformation
nicht mehr anwendbar.
Die Gleichungen, die es ermöglichen, die räumlichen und zeitlichen Koordinaten von einem Inertialsystem in ein anderes umzurechnen, das sich mit beliebiger Geschwindigkeit dazu bewegt, werden als LORENTZ-Transformationsgleichungen bezeichnet.
Wir gehen nachfolgend
von folgenden Bedingungen aus:
Dabei ist v
die Relativgeschwindigkeit der beiden Systeme S und S' zueinander und
c die Vakuumlichtgeschwindigkeit.
Dann gelten die folgenden Transformationsgleichungen:
| Umrechnung von S nach S' | Umrechnung von S' nach S |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
Für kleine
Geschwindigkeiten weit unterhalb der Vakuumlichtgeschwindigkeit geht der
Faktor

gegen null. Damit geht für kleine Geschwindigkeiten die LORENTZ-Transformation
in die klassische GALILEI-Transformation über.
Erfolgt die Bewegung der Systeme S und S' zueinander nicht in x-Richtung,
so müssen die Transformationsgleichungen den jeweiligen Bedingungen
angepasst werden.
Ab welchen Geschwindigkeiten man die LORENTZ-Transformation nutzen muss,
hängt von der geforderten Genauigkeit ab. Eine Aussage darüber
lässt sich aus dem LORENTZ-Faktor ableiten. Nachfolgend sind deshalb
einige Werte für diesen Faktor

bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten v angegeben.
| v/c | v in km/s (gerundet) | Wert des k-Faktors |
| 0,01 | 3 000 | 1,000 005 |
| 0,1 | 30 000 | 1,005 |
| 0,2 | 60 000 | 1,021 |
| 0,3 | 90 000 | 1,048 |
| 0,4 | 120 000 | 1,091 |
| 0,5 | 150 000 | 1,155 |
| 0,6 | 180 000 | 1,250 |
| 0,7 | 210 000 | 1,400 |
| 0,8 | 240 000 | 1,667 |
| 0,9 | 270 000 | 2,294 |
| 0,99 | 297 000 | 7,089 |
| 0,999 | 299 500 | 22,361 |
Aus dieser Übersicht ist erkennbar, dass bei den Geschwindigkeiten, die im Alltag eine Rolle spielen, der k-Faktor vernachlässigbar klein ist und demzufolge auch die LORENTZ-Transformation für diesen Bereich keine Bedeutung hat. Anders ist das bei schnell bewegten Elektronen oder bei anderen Elementarteilchen, die sich durchaus mit über 90 % der Lichtgeschwindigkeit bewegen können.
Herleitung
der LORENTZ-Transformation
Die Transformationsgleichungen können in unterschiedlicher Weise
hergeleitet werden. Nachfolgend ist eine Möglichkeit der Herleitung
dargestellt.
Ausgangspunkt ist das Prinzip von der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit.
Darüber hinaus muss in den Transformationsgleichungen die GALILEI-Transformation
als Grenzfall für Geschwindigkeiten, die klein gegen die Lichtgeschwindigkeit
sind, enthalten sein. Das System S' soll sich mit der Geschwindigkeit
v gegenüber einem System S in positiver x-Richtung
bewegen.
Die GALILEI-Transformation für die x-Koordinate
lautet dann in verallgemeinerter Form:

k ist dabei ein zu bestimmender Korrektorfaktor. Wegen der Gleichberechtigung
der Bezugssysteme (Relativitätsprinzip) gilt aus der Sicht von S':

Für die anderen Koordinaten gilt y = y' und z = z'. Zum Zeitpunkt t = t' = 0 fallen die beiden Ursprünge der Koordinatensysteme zusammen. Wird zu diesem Zeitpunkt vom gemeinsamen Koordinatenursprung ein Lichtsignal ausgesandt, so gilt für den in beiden Systemen zurückgelegten Weg wegen der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit:

Die Transformationsgleichungen (1) und (2) müssen grundsätzlich auch auf den Vorgang der Lichtausbreitung anwendbar sein. Setzt man (1) und (2) in (3) ein, so ergibt sich:

Die seitenweise Multiplikation dieser beiden Gleichungen ergibt:

Das Einsetzen des Faktors k in die Gleichungen
(1) bzw. (2) ergibt die Gleichungen für die LORENTZ-Transformation
für x und x', die in der Übersicht oben genant sind. Das ebenfalls
mögliche negative Vorzeichen bei k entspricht einer Spiegelung der
Koordinaten.
Die Transformationsgleichung für die Zeit ergibt sich folgendermaßen:
Gleichung (3) wird nach t' aufgelöst.
Dann erhält man:

Setzt man für x' Gleichung (2) ein, so
ergibt sich:
In analoger
Weise kann man die Gleichung für t ableiten.
Herleitung der LORENTZ-Transformation
aus einem MINKOWSKI-Diagramm
Eine Herleitung der LORENTZ-Transformation kann auch
aus einem Minkowski-Diagramm
(Raum-Zeit-Diagramm)
erfolgen. Dazu stellen wir ein Ereignis A in einem Minkowski-Diagramm
dar. Dieses Ereignis ist im Diagramm ein Punkt. Beschreiben lässt
es sich durch die Koordinaten (x, t) im System
S bzw. (x', t') im
System S'. Das System S' bewegt sich gegenüber dem System S mit der
Geschwindigkeit v in x-Richtung.
Zum Zeitpunkt t = t' = 0 fallen die Ursprünge
der Koordinatensysteme zusammen.
Damit man bei beiden Achsen mit Strecken arbeiten kann, wird auf der vertikalen
Achse nicht t, sondern das Produkt
aufgetragen.
Analog wird das für die betreffende Achse im System S' gemacht. Eine
Einheit auf der Achse nennen wir e im System
S bzw. e' im System S'. Unter diesen Voraussetzungen
erhält man das in Bild 3 dargestellte MINKOWSKI-Diagramm.
Dann erhält man für die Strecken die folgenden Ausdrücke
(vgl. Bild 3):
Diese Ausdrücke müssen nun umgeformt werden. Die Division durch e und Ausklammern auf der rechten Seite ergibt:


Die Gleichungen (1b) und (2b) sind die gesuchten Transformationsgleichungen für die Transformation vom System S' in das System S. Nach x' bzw. t' aufgelöst erhält man die entsprechenden Gleichungen für die Umrechnung vom System S in das System S'. Sie lauten:
