


Leitungsvorgänge
in Metallen
Metallische Leiter werden in vielfältiger Weise genutzt: als Kabel
und Stromleitungen, als Glühwendel einer Glühlampe, als Verbindungsleiter,
als Blitzableiter oder als Drahtwiderstand.
Damit in einem metallischen Leiter ein Strom fließt und damit ein
elektrischer Leitungsvorgang vor sich geht, müssen wie bei beliebigen
anderen Leitungsvorgängen auch zwei Voraussetzungen erfüllt sein:
Der Verlauf des elektrischen Leitungsvorganges in Metallen ist dann dadurch gekennzeichnet, dass
Metallbindung
- Ursache für das Elektronengas
Die Metallbindung ist eine
Art der chemischen Bindung, die durch Anziehungskräfte zwischen Metall-Ionen
und freien Elektronen verursacht wird. Die meisten Metalle der Hauptgruppen
besitzen nur wenige Außenelektronen, oft 1 bis 3. Diese Außenelektronen
der Metalle können leicht vom Metall-Atom abgegeben werden, da die
Atomkerne auf die Außenelektronen nur geringfügige Anziehungskräfte
ausüben. Dadurch entstehen positiv geladene Metall-Ionen und nahezu
frei bewegliche Elektronen. Diese frei beweglichen Elektronen ermöglichen
die gute elektrische
Leitfähigkeit und die hohe Wärmeleitfähigkeit
der Metalle.
Man bezeichnet die freien Elektronen im metallischen Festkörper auch
als Elektronengas -
häufig nennt man sie nach dem italienischen Physiker ENRICO FERMI
(1901-1954) auch Fermigas.
Die hohe Beweglichkeit der Elektronen des Fermigases führt dazu,
dass beim Anlegen eines elektrischen Feldes eine gerichtete Bewegung der
Elektronen erfolgt. Allerdings darf man sich die Elektronenbewegung im
Metall nicht als völlig geordnet vorstellen. Ähnlich wie die
Teilchen eines idealen Gases bewegen sich auch die Elektronen in verschiedenen
Raumrichtungen. Ein elektrisches Feld verleiht ihnen zusätzlich zu
dieser ungeordneten Bewegung eine gerichtete Geschwindigkeitskomponente,
sodass die Ladungsträger in einer bestimmten Richtung zu driften
beginnen. Daher rührt die Bezeichnung Driftgeschwindigkeit für
diese Geschwindigkeitskomponente. Sie liegt bei den üblichen Stromstärken
bei metallischen Leitern in der Größenordnung von Millimetern
je Sekunde.
Dichte und Beweglichkeit
von Ladungsträgern
Die Ladungsträgerdichte
n, auch Ladungsträgerkonzentration genannt,
ist gleich der Anzahl der Ladungsträger in der Volumeneinheit. Sie
wird folgendermaßen definiert:
Damit gilt für Elektronen im metallischen Leiter auch:
Dieser Ausdruck wird auch als räumliche
Ladungsdichte bezeichnet. Bei guten Leitern kann man davon ausgehend,
dass auf jedes Atom ein frei bewegliches Elektron kommt.
Über die Stromstärke im Leiter kann eine Gleichung zur Berechnung
der Driftgeschwindigkeit hergeleitet werden. Wir betrachten dazu einen
Leiter, wie er in Bild 2 dargestellt ist.
Dann gilt für die Stromstärke im Leiter:
Der Quotient U/l ist die
elektrische Feldstärke E im Leiter. Damit
ergibt sich als Gleichung für die Driftgeschwindigkeit:
Die Ladungsträgerbeweglichkeit
u ist folgendermaßen definiert:
Ersetzt man in der oben genannten Gleichung

Das ist das Widerstandsgesetz
für metallische Leiter, das man auch experimentell ableiten kann.
Ladungsträgerdichte,
Beweglichkeit der Ladungsträger und elektrischer Widerstand
Bei konstanter Temperatur sind bei metallischen Leitern Ladungsträgerdichte
und Beweglichkeit der Ladungsträger konstant. Damit ist auch der
elektrische Widerstand konstant (Bild 3). Mit Erhöhung der Temperatur
bleibt die Ladungsträgerdichte konstant, die Beweglichkeit verringert
sich aber aufgrund der heftigeren Bewegungen der Metall-Ionen. Damit vergrößert
sich mit Temperaturerhöhung der elektrische Widerstand (Bild 3).
Die elektrische Leitfähigkeit metallischer Leiter kann auch mithilfe des Bändermodells erklärt werden. Unter diesem Stichwort "Bändermodell" ist ein gesonderter Beitrag auf der CD enthalten.
Energieumwandlungen
in metallischen Leitern
Bei Stromfluss in einem metallischen Leiter wird ein Teil der elektrischen
Energie in thermische Energie umgewandelt. Man spricht auch von der Stromwärme
oder der jouleschen Wärme, weil die Energie in der Regel in Form
von Wärme an die Umgebung abgegeben wird. Für diese Energie
gilt:
Eine Verdopplung der Stromstärke im Leiter
bedeutet damit eine Vervierfachung der thermischen Verluste, die man auch
als Leitungsverluste
bezeichnet.
Eine interessante
Anwendung:Metall-Widerstandsthermometer
In einem Metall-Widerstandsthermometer
nutzt man die Abhängigkeit des ohmschen Widerstandes von der Temperatur.
Mit der Veränderung dieses Widerstandes geht eine Erhöhung oder
Verringerung der fließenden Stromstärke bzw. der am Bauelement
anliegenden Spannung einher. Beide Größen können gemessen
werden und dienen nach entsprechender Eichung zur Angabe von entsprechenden
Temperaturwerten. Einfache ohmsche Widerstände zeigen eine lineare
Temperaturabhängigkeit. Das bedeutet, dass die Temperatur über
weite Bereiche hinweg näherungsweise direkt proportional zum Widerstand,
bei einer konstanten Spannung demzufolge indirekt proportional zur Stromstärke
ist. Dieser Umstand ist von Vorteil, wenn man die gemessenen Stromstärken
als Temperaturwerte eichen will. Nachteilig wirkt sich beim Einsatz normaler
Widerstände aus, dass ihre Veränderung innerhalb kleiner Temperaturschwankungen
ebenfalls nur sehr klein ist. Entsprechend empfindlich muss die Messanordnung
sein. Häufig bedient man sich deshalb einer Brückenschaltung,
bei der neben dem Messwiderstand noch drei weitere Vergleichswiderstände
herangezogen werden.