



Auf
alle geladenen Teilchen oder Körper, die sich in einem magnetischen
Feld nicht parallel zu den magnetischen Feldlinien bewegen, wirkt eine Kraft.
Diese Kraft bezeichnet man nach dem niederländischen Physiker HENDRIK
LORENTZ (1853-1928), der sie gegen Ende des 19. Jahrhunderts näher
untersucht hat, als LORENTZ-Kraft. Für die LORENTZ-Kraft gilt allgemein:
Betrachtet man nur den Betrag der Kraft, dann kann
man auch schreiben:
Beträgt der Winkel zwischen derGeschwindigkeit v
und der magnetischer Flussdichte B (Richtung
der Feldlinien) gerade 90°, dann erhält man:
Bewegen sich Elektronen oder Protonen im magnetischen Feld so kann man
für die Ladung Q die Elementarladung e
einsetzen.
Aus den genannten Gleichungen folgt:
Linke-Hand-Regel
oder Rechte-Hand-Regel?
Bewegen sich geladene Körper oder Teilchen senkrecht zur Richtung
des Magnetfeldes, so kann man die Richtung der LORENTZ-Kraft mithilfe
der Linke-Hand-Regel oder
auch der Rechte-Hand-Regel
ermitteln (Bild 3).
Welche Variante man wählt, ist eine Frage der Vereinbarung. Der Unterschied
zwischen den beiden besteht darin, dass man bei der Linke-Hand-Regel von
der Bewegungsrichtung negativ geladener Teilchen (Elektronen) ausgeht,
bei der Rechte-Hand-Regel aber von der Bewegungsrichtung positiv geladener
Teilchen. Will man also beispielsweise mit der Rechte-Hand-Regel die Richtung
der Kraft auf Elektronen bestimmen, so muss man den Daumen entgegen ihrer
Bewegungsrichtung halten.
Hat man sich z.B. auf die Linke-Hand-Regel festgelegt, dann gilt:
Die genannte Regel wird mitunter auch als UVW-Regel bezeichnet. Die drei Buchstaben stehen für Ursache, Vermittlung und Wirkung und sind folgendermaßen zu interpretieren:
Kraft auf stromdurchflossene
Leiter
Ein Stromfluss in einem elektrischen Leiter ist gleichbedeutend mit der
Bewegung von Ladungsträgern. Befindet sich dieser Leiter in einem
äußeren Magnetfeld, dann muss demzufolge eine LORENTZ-Kraft
auf ihn wirken (Bild 4). Anders als bei der Kraft, die auf einen einzelnen
Ladungsträger wirkt, befinden sich im stromdurchflossenen Leiter
stets sehr viele Elektronen gleichzeitig im magnetischen Feld. Die LORENTZ-Kraft
ist deshalb die Summe aller Teilkräfte auf die einzelnen Elektronen.
Befindet sich der Leiter senkrecht zu den magnetischen Feldlinien und
bezeichnet N die Anzahl aller geladenen Teilchen, die sich gleichzeitig
innerhalb des Feldes aufhalten, gilt für den Betrag der LORENTZ-Kraft:
Diese Gleichung lässt sich folgendermaßen umformen, wobei wir
von einem Strom konstanter Stärke durch den Leiter ausgehen:
Bedeutung der LORENTZ-Kraft
Mithilfe der LORENTZ-Kraft kann man z.B. die Wirkungsweise von Gleichstrommotoren
erklären. Bei Elektronenstrahlröhren
kann man ermitteln, in welche Richtung der Elektronenstrahl abgelenkt
wird, wenn er ein Magnetfeld durchläuft.
LORENTZ-Kraft und Linke-Hand-Regel können auch genutzt werden, um
die Richtung der Kraft zwischen zwei stromdurchflossenen Leitern zu bestimmen
(Bild 5). Um einen stromdurchflossenen Leiter existiert ein Magnetfeld.
Bringt man nun in dieses Magnetfeld einen weiteren stromdurchflossenen
Leiter, so wirkt auf diesen eine Kraft, die man nach der Linke-Hand-Regel
bestimmen kann. Stromdurchflossene Leiter ziehen sich bei gleicher Stromrichtung
an und stoßen sich bei entgegengesetzter Stromrichtung ab.
Die Kräfte zwischen stromdurchflossenen Leitern werden zur Definition
der Einheit Ampere genutzt, die eine der sieben Grundeinheiten des Internationalen
Einheitensystems ist. Die Definition der Grundeinheit
Ampere lautet:
Das Ampere ist die Stärke eines konstanten elektrischen
Stromes, der, durch zwei parallele, geradlinige, unendlich lange und im
Vakuum im Abstand von einem Meter voneinander angeordnete Leiter von vernachlässigbar
kleinem, kreisförmigen Querschnitt fließend, zwischen diesen
Leitern je einem Meter Leiterlänge eine Kraft von
hervorrufen würde.