




Die Entdeckung
des Luftdrucks war eng mit der Suche nach dem luftleeren Raum, dem Vakuum,
verbunden.
Seit der Antike herrschte die Auffassung, dass es einen luftleeren Raum
nicht geben könne. Wie sollte auch etwas im "Nichts" existieren.
ARISTOTELES (um 384 - 322 v. Chr.) vertrat
die Auffassung, dass die Natur eine "Abscheu vor dem Leeren" (horror
vacui) hätte. Dieser Lehrsatz galt bis ins Mittelalter.
Erste Untersuchungen zum Luftdruck
Um 1630 wurde der berühmte italienische Naturforscher GALILEO GALILEI
(1564-1642) von Brunnenbauern auf das Problem aufmerksam gemacht, dass
sie mit ihren Pumpen Wasser nur bis aus einer Tiefe von ca. 10 m heben
konnten. Er beauftragte seinen Schüler EVANGELISTA
TORRICELLI (1608-1647), dieses Problem zu untersuchen.
TORRICELLI (Bild 1) experimentierte anstelle von Wasser mit langen Röhren,
in die Quecksilber gefüllt war. Quecksilber hat eine wesentliche
größere Dichte als Wasser. Bei diesen Experimenten entdeckte
er, dass die Quecksilbersäule in
einem quecksilbergefüllten Rohr, das man umdrehte und mit der Öffnung
nach unten in Quecksilber brachte, so weit sank, bis sie nur noch eine
Länge von ca. 760 mm hatte.
Weitere Untersuchungen zum Luftdruck
Von der Entdeckung TORRICELLIs erfuhr auch der französische Forscher
BLAISE PASCAL (1623-1662). Er stellte
mit den Versuchsaufbauten von TORRICELLI als Erster Luftdruckschwankungen
fest und erfand das erste Barometer.
PASCAL war der Auffassung, dass der Luftdruck aufgrund der Schwere der
Luft entsteht. Er zog daraus den Schluss, dass dann der Luftdruck mit
zunehmender Höhe, also z. B. beim Besteigen eines Berges, abnehmen
muss. Da er selbst zu jener Zeit keine Gelegenheit hatte, das Experiment
durchzuführen, schrieb er am 15. November 1647 an seinen Schwager
PERIER in seiner Heimatstadt Clermont. Er bat ihn, zu prüfen, ob
ein Barometer auf dem in der Nähe gelegenen etwa 900 m hohen Puy-de-Domê
einen niedrigeren Wert anzeigt als in Clermont. PERIER war dazu bereit
und führte den Versuch am 19. September 1648 mit viel Umsicht durch.
Das Ergebnis bestätigte die Vermutung, womit die Auffassung vom "horror
vacui" endgültig widerlegt war.
Bild 2 zeigt die Versuchsanordnung von TORRICELLI. Der Schweredruck dieser 760 mm langen Quecksilbersäule musste sich mit dem Luftdruck ausgleichen. Über der Säule befand sich offenbar ein Vakuum. Der Druck von 760 mm Quecksilbersäule entspricht dem normalen Luftdruck (Normdruck). Zu Ehren von TORRICELLI wurde später die entsprechende Einheit für den Luftdruck 1 Torr genannt:

Eine analoge Untersuchung mit Wasser ergibt: Die Wassersäule,
die den normalen Luftdruck ausübt und damit dem Luftdruck
entspricht, hat eine Länge 10,33 m. Das ist auch der Grund dafür,
dass man mit einer Saugpumpe nur Wasser aus einer Tiefe bis ca. 10 m fördern
kann.
Das folgende Zitat aus einem Brief an seinen Freund beschreibt eindeutig
einen Erklärungsversuch TORRICELLIs für seine Ergebnisse:
Es kann wohl angenommen werden, die Kraft, die das
Quecksilber daran hindert, seiner Natur entsprechend herabzufallen, wirke
im Inneren des Gefäßes, entweder seitens des Vakuums oder aber
seitens irgend eines sehr verdünnten Stoffes. Ich aber bin überzeugt
davon, daß die Wirkung von außen herrührt. Es lastet
nämlich eine Luftsäule von fünfzig Meilen Höhe auf
der äußeren Fläche des Quecksilbers. So ist es durchaus
nicht verwunderlich, daß das Quecksilber in die Glasröhre eindringt
und so hoch steigt, bis es mit dem Gewicht der äußeren, Druck
ausübenden Luft ins Gleichgewicht kommt.
(Aus: E. TORRICELLI: Brief an RICCI vom 11. Juni 1644)
In Magdeburg experimentierte OTTO VON GUERICKE
(1602-1686) unabhängig von TORRICELLI und PASCAL mit Pumpen und erfand
die Luftpumpe. Weltberühmt wurde er durch die "Magdeburger Halbkugeln".
OTTO VON GUERICKE (Bild 3) studierte in Leipzig, Helmstedt und Jena zunächst
Jura und anschließend im holländischen Leiden Mathematik, Mechanik
und Bauwesen. In seiner Heimatstadt Magdeburg, in die er 1626 zurückkehrte,
wurde er Ratsherr und später Bürgermeister.
Daneben beschäftigte sich GUERICKE mit der Frage, ob es einen leeren
Raum, ein Vakuum, gibt. Dazu führte er zahlreiche experimentelle
Untersuchungen durch. Eine seiner Ideen war folgende: Wenn man ein Fass
vollständig mit Wasser füllt und dieses Wasser anschließend
herauspumpt, dann müsste anschließend das Fass leer sein. Es
müsste sich in ihm ein Vakuum befinden.
Die experimentelle Realisierung dieser Idee stieß aber auf große
Schwierigkeiten: Sobald ein Teil des Wassers aus dem Fass herausgepumpt
war, strömte Luft durch alle Ritzen pfeifend in das Fass hinein.
Bei Verwendung einer dünnwandigen Kugel wurde diese durch den Luftdruck
völlig zusammengedrückt. Erst eine wesentlich stabilere Konstruktion
aus zwei Halbkugeln hielt dem enormen Druck stand.
1654 führte GUERICKE vor dem Regensburger Reichstag sein berühmtes Experiment mit den zwei Halbkugeln vor (Bild 4). Aus den zwei zu einer Kugel zusammengesetzten Halbkugeln wurde die Luft herausgepumpt. 16 Pferde waren nicht imstande, den Druck der Luft zu überwinden, der die Halbkugeln zusammenhielt. Zu Ehren von GUERICKES Heimatstadt werden solche Halbkugeln heute als "Magdeburger Halbkugeln" bezeichnet.
Weitere Untersuchungen zur Physik der Gase verdanken wir dem irischen
Physiker und Chemiker ROBERT BOYLE (1627-1691).
Ein Hauptgegenstand seiner physikalischen Untersuchungen waren Experimente
mit der von ihm wesentlich verbesserten Luftpumpe. Seine bedeutsamste
Entdeckung war dabei das nach ihm und dem Franzosen MARIOTTE benannte
Gesetz über den Zusammenhang zwischen Volumen und Druck der Luft.
Zustandekommen
des Luftdrucks
Verdeutlichen kann man sich das Zustandekommen des Luftdrucks anhand einer
Skizze (Bild 2): Befindet man sich z. B. am Erdboden, so wirkt an dieser
Stelle auf eine Fläche A die Gewichtskraft
der darüber liegenden Luftsäule. Die Kraft je Fläche ist
gleich dem Druck, den die Luftsäule ausübt. Der Luftdruck ist
somit ein Schweredruck,
ähnlich wie der Schweredruck in Flüssigkeiten.
Befindet man sich dagegen in einer größeren Höhe, so hat
die darüber liegende Luftsäule eine geringere Höhe. Der Druck
der Luft ist geringer. Es besteht aber kein proportionaler Zusammenhang
zwischen der Höhe über dem Erdboden und dem Luftdruck.
Der Normdruck
Der normale Luftdruck in Meereshöhe bei 0 °C wird als Normdruck
bezeichnet. Er beträgt 101,325 kPa. Der Luftdruck wie auch der Normdruck
werden mitunter in anderen Einheiten angegeben. Üblich sind für
den Luftdruck auch die Einheiten ein Millibar (1 mbar), ein Hektopascal
(1 hPa) oder ein Torr (1 Torr). Es gilt:
101,325 kPa = 1.013,25 mbar
101,325 kPa = 1.013,25 hPa
101,325 kPa = 760 Torr = 10,33 m Wassersäule
Der Luftdruck schwankt um diesen Normdruck und hat bei uns in der Regel
Werte zwischen 970 hPa bei einem Tiefdruckgebiet
und bis zu
1.030 hPa bei einem Hochdruckgebiet.
Messen des Luftdruckes
Gerätes zur Messung des Luftdruckes werden als Barometer bezeichnet.
Es sind Druckmesser, die speziell für die Messung des Luftdruckes
konstruiert sind und einen Messbereich um den Normdruck herum haben. Genauere
Informationen dazu sind unter dem Stichwort "Barometer"
zu finden.
Abhängigkeit
des Luftdruckes von der Höhe
Der Luftdruck hängt von der Höhe über dem Erdboden ab. Es
gilt:
Mit zunehmender Höhe nimmt der Luftdruck ab.
Genauer zeigt ein Luftdruck-Höhe-Diagramm den Zusammenhang (Bild 6): Der Luftdruck nimmt mit steigender Höhe erst stark, dann immer weniger ab. Zwischen Höhe und Luftdruck besteht aber keine Proportionalität. Es gilt die sogenannte barometrische Höhenformel:

So beträgt beispielsweise der Luftdruck auf dem
höchsten Berg Deutschlands, der Zugspitze (Höhe: 2 962 m), noch
etwa 700 hPa . Auf dem höchsten Berg der Erde, dem Mount Everest
(8 848 m) beträgt er nur noch ca. 340 hPa und in Flughöhe moderne
Passagierflugzeuge (10 000 m) noch 290 hPa .
Die Abhängigkeit des Luftdruckes von der Höhe wird bei Höhenmessern genutzt. Da der Druck von der Höhe abhängig ist, gilt: Für
jede Höhe hat der normale Luftdruck einen bestimmten Wert. Misst
man den Luftdruck, so kann man daraus auf die Höhe schließen.
Bedeutung des Luftdrucks
für den Menschen
Für den Menschen ist der Luftdruck von erheblicher Bedeutung, da
er an den normalen Luftdruck angepasst ist. Wesentlich kleinerer oder
wesentlich größerer Druck ist für einen Menschen tödlich.
So ist z. B. ein Überleben in einer Höhe von 10 km (Reiseflughöhe
von Flugzeugen) nur möglich, wenn sich die Personen in einer Druckkabine
befinden, in der meist ein etwas geringerer Druck als der normale Luftdruck
herrscht. Selbst kleinere, schnelle Luftdruckänderungen machen sich
teilweise unangenehm bemerkbar. So verspürt man z. B. beim Sinkflug
eines Flugzeuges nicht selten einen Druck auf den Ohren, den man durch
Schlucken ausgleichen sollte. Er kommt zustande, weil sich mit Verringerung
der Flughöhe der Luftdruck vergrößert und ein Druckunterschied
zwischen außen und dem Innenohr zustande kommt. Ähnliche Effekte
kann man beim Bergabfahren mit dem Auto oder beim Fahren mit einem Fahrstuhl
feststellen. Selbst die geringen Druckschwankungen, die aufgrund der unterschiedlichen
Wetterlagen (Hochdruckgebiet, Tiefdruckgebiet) auftreten, beeinflussen
teilweise unser Wohlbefinden. Eine erhebliche Anzahl von Personen spürt
auch die relativ langsamen Luftdruckänderungen, die im Zusammenhang
mit dem Wetter vor sich gehen. Man spricht dann von Wetterfühligkeit.
Der Zusammenhang zwischen Luftdruck
und Wetter ist in einem gesonderten Beitrag auf der CD dargestellt.
Anwendungen des Luftdrucks
Der Luftdruck wird in Alltag und Technik in vielfältiger Weise genutzt.
Nachfolgend sind einige Beispiele dargestellt.
Konservengläser
müssen fest und luftdicht verschlossen sein, damit der Inhalt nicht
schlecht wird. Um das zu erreichen, wird der Inhalt des Glases z. B. erwärmt
und dann der Deckel aufgepresst. Nach dem Abkühlen sitzt der Deckel
fest. Das kommt dadurch zustande, weil der Druck im Glas kleiner ist als
der Luftdruck. Dadurch presst der Luftdruck den Deckel regelrecht auf
das Glas. Wenn man ein solches Glas öffnen will, sollte man erst
einen Druckausgleich zwischen außen und innen gewährleisten,
z. B. dadurch, dass man ein Loch in der Deckel macht. Dann lässt
sich das Glas sehr leicht öffnen.
Mithilfe von Pipetten
(Bild 7) kann man kleine Flüssigkeitsmengen entnehmen. Dabei kann
man feststellen: Auch wenn man die Pipette mit der Öffnung senkrecht
nach unten hält, fließt keine Flüssigkeit aus. Das kommt
zustande, weil auf die Öffnung der Luftdruck wirkt und ein Ausströmen
der Flüssigkeit verhindert wird.
Saugfüße nutzt
man z. B. bei Haken für Handtücher. Presst man einen Saugfuß
gegen eine glatte Fläche, so strömt die im Saugfuß befindliche
Luft zum größten Teil aus. Der Saugfuß bleibt haften.
Das kommt zustande, weil im Inneren des Saugfußes ein kleinerer
Druck als der Luftdruck herrscht. Somit wird der Saugfuß durch den
Luftdruck von außen fest gegen die Wand gepresst. Gelangt allerdings
Luft in den Saugfuß und erfolgt damit ein Druckausgleich, dann fällt
der Saugfuß ab.
Auch beim Trinken mit einem Trinkröhrchen oder bei Saugpumpen
wird der Luftdruck genutzt. Die Förderhöhe einer Saugpumpe ist
durch den Luftdruck begrenzt. Sie liegt theoretisch bei ca. 10,3 m.