








Mechanische Energie und
ihre Formen
Mechanische Energie ist die Fähigkeit eines Körpers, aufgrund
seiner Lage oder seiner Bewegung mechanische Arbeit zu verrichten, Wärme
abzugeben oder Strahlung auszusenden.
| Formelzeichen: | ![]() |
| Einheiten: | ein Joule (1 J)
ein Newtonmeter (1 Nm) |
Benannt sind die Einheiten nach den Naturwissenschaftlern JAMES PRESCOTT JOULE (1818-1889) und ISAAC NEWTON (1643-1727). Es gilt:
Vielfache der Einheit 1 J sind ein Kilojoule (1 kJ), ein Megajoule (1 MJ) und ein Gigajoule (1 GJ):
| 1 kJ | = 1 000 J | ||
| 1 MJ | = 1 000 kJ | = 1 000 000 J | |
| 1 GJ | = 1 000 MJ | = 1 000 000 kJ | = 1 000 000 000 J |
Mechanische Energie kennzeichnet den Zustand eines Körpers. Sie wird deshalb auch als Zustandsgröße bezeichnet. Sie kann in andere Energieformen umgewandelt und von einem Körper auf andere Körper übertragen werden. Spezielle Formen mechanischer Energie sind die potenzielle Energie (Energie der Lage) und die kinetische Energie (Energie der Bewegung), die ihrerseits wieder in verschiedenen Formen auftreten können, wie die nachfolgende Übersicht zeigt.
Die
potenzielle Energie
Gehobene Körper, z. B. eine an einem Kranhaken hängende Betonplatte
oder die Kinder auf dem Ast (Bild 2), besitzen potenzielle Energie. Sie
ist eine Form mechanischer Energie. Ebenfalls potenzielle Energie haben
z.B. eine gespannte Feder, ein verbogener Ast oder der gebogene Sprungstab
eines Stabhochspringers. Statt von potenzieller Energie spricht man auch
von Energie der Lage oder
Lageenergie.
Zwei spezielle Fälle potenzieller Energie
sind die potenzielle Energie eines gehobenen Körpers in der Nähe
der Erdoberfläche und die potenzielle Energie einer gespannten Feder.
Potenzielle Energie eines gehobenen Körpers:
Die potenzielle Energie eines gehobenen Körpers in der Nähe
der Erdoberfläche ist von der Masse des Körpers und von seiner
Höhe bezüglich einer willkürlich gewählten Ausgangshöhe
abhängig. Sie kann berechnet werden mit den Gleichungen:

Bei größerer Entfernung von der Erdoberfläche
ist zu beachten, dass sich die Fallbeschleunigung mit der Höhe über
der Erdoberfläche ändert.
Die potenzielle Energie ist genau so groß wie die Hubarbeit, die zum Heben des Körpers in die Höhe h erforderlich ist (Bild 3). Dabei ist zu beachten, dass man die Höhe h stets auf eine bestimmte Ausgangshöhe (Bezugsniveau) null beziehen muss. Was man als Bezugsniveau wählt, hängt häufig von der Zweckmäßigkeit ab.
Potenzielle Energie einer gespannten Feder: Die potenzielle Energie einer gespannten Feder hängt von der Härte der Feder und davon ab, wie weit sie gedehnt ist. Sie ist umso größer,
Die potenzielle Energie einer gespannten Feder kann
berechnet werden mit den Gleichungen:

Sie ist genau so groß wie die zuvor an ihr verrichtete Verformungsarbeit (Federspannarbeit).
In der nachfolgenden Übersicht sind einige Werte
für die potenzielle Energie von Körpern in Natur und Technik
angegeben.
|
Potenzielle Energie in Natur und Technik |
|
| Feder (D = 0,2 N/cm), um 10 cm gedehnt | 0,01 J |
| Tafel Schokolade (m = 100 g), um 1 m gehoben | 1 J |
| Ziegelstein (m = 3,5 kg), um 1 m gehoben | 35 J |
| Mensch (m = 55 kg) auf 10-m-Sprungturm | 5 500 J = 5,5 kJ |
| Rammbär (m = 1 000 kg), um 1 m gehoben | 10 000 J = 10 kJ |
| Flugzeug (m = 100 t) in 1 km Höhe | ![]() |
Die kinetische
Energie
Sich bewegende Körper, z. B. Radfahrer, ein fahrendes Auto, ein fallender
Stein oder ein rotierendes Schwungrad besitzen kinetische Energie. Statt
von kinetischer Energie spricht man auch von Energie
der Bewegung oder Bewegungsenergie.
Bei rotierenden Körpern nennt man die kinetische Energie Rotationsenergie.
Kinetische Energie bei der Translation:
Die kinetische Energie eines sich fortbewegenden Körpers hängt
von seiner Masse bzw. seiner Geschwindigkeit ab. Sie ist umso größer,
Sie kann berechnet werden mit der Gleichung:
Sie ist genau so groß wie die Beschleunigungsarbeit,
die erforderlich ist, um dem Körper die Geschwindigkeit v
zu verleihen (Bild 5). Dabei ist zu beachten, dass sich die Geschwindigkeit
v stets auf ein bestimmtes Bezugssystem
bezieht. So hat z. B. eine Person, die in einem fahrenden Auto sitzt,
gegenüber dem Auto die kinetische Energie null, weil ihre Geschwindigkeit
gegenüber dem Auto null ist. Gegenüber der Straße ist
aber die kinetische Energie größer als null, da sich das Auto
und damit auch die Person in ihm bezüglich der Straße mit einer
bestimmten Geschwindigkeit bewegt.
Gerade bei Fahrzeugen ist zu beachten, dass die kinetische Energie mit
dem Quadrat der Geschwindigkeit wächst. Das bedeutet: Eine Verdopplung
der Geschwindigkeit eines Autos bedeutet eine Vervierfachung seiner kinetischen
Energie. Das ist bei Unfällen von entscheidender Bedeutung.
|
Kinetische Energie in Natur und Technik
|
|
| Apfel (m = 100 g) nach 1 m freien Fall | 1 J |
| Fußgänger (m = 55 kg) bei 5 km/h | 50 J |
| Radfahrer (m = 75 kg) bei 20 km/h | 1 200 J |
| PKW (m = 1 000 kg) bei 50 km/h | 96 000 J = 96 kJ |
| PKW (m = 1 000 kg) bei 100 km/h | 386 000 J = 386 kJ |
| ICE (m = 500 t) bei 180 km/h | 625 MJ |
| Jumbo-Jet (m
= 320 t) beim Abheben (310 km/h) |
1 200 MJ |
Kinetische Energie bei
der Rotation: Auch rotierende Körper, z. B. sich drehende
Schwungräder, ein rotierender Schleifstein oder ein rotierendes Karussell,
besitzen kinetische Energie, die auch als Rotationsenergie
bezeichnet wird.
Die Rotationsenergie eines Körpers hängt ab von der Drehzahl
und davon, wie sich die Masse des Körpers bezüglich der Drehachse
verteilt. Sie ist umso größer,
Die letzten beiden Einflussfaktoren werden durch
die physikalische Größe Trägheitsmoment
erfasst. Für die Rotationsenergie gilt:
Schwungräder, in denen kinetische Energie gespeichert werden soll, baut man deshalb so, dass sie eine große Masse haben und sich der größte Teil der Masse relativ weit von der Drehachse entfernt befindet.
Energieerhaltungssatz
der Mechanik
Der Energieerhaltungssatz
der Mechanik ist ein spezieller Fall des allgemeinen Energieerhaltungssatzes.
Er lautet:
In einem abgeschlossenen
System gilt unter der Bedingung, dass keine Umwandlung von mechanischer
Energie in andere Energieformen erfolgt:
Die Summe aller potenziellen und kinetische Energien ist konstant.

Dieser spezielle Energieerhaltungssatz
hat nur eine relativ geringe "Anwendungsbreite". Das hängt
damit zusammen, dass in vielen Fällen nur kurzzeitig die gesamte
mechanische Energie als konstant angesehen werden kann, weil meist durch
Reibung mechanische Energie in nichtmechanische Energieformen (thermische
Energie bzw. innere Energie) umgewandelt wird. Bei seiner Anwendung ist
also stets zu prüfen, ob seine Gültigkeitsbedingungen zumindest
annähernd erfüllt sind.
Beispiele für die Anwendung des
Energieerhaltungssatzes der Mechanik
Für einige spezielle Fälle kann der Energieerhaltungssatz der
Mechanik genutzt werden, um Sachverhalte zu erklären und physikalische
Größen zu berechnen. Wir betrachten nachfolgend drei ausgewählte
Beispiele.
(1) Umwandlung mechanischer Energieformen ineinander
Erkläre, weshalb eine aus bestimmter Höhe auf ein Trampolin treffende Person annähernd wieder die gleiche Höhe erreicht!
In einer bestimmten Höhe besitzt eine Person potenzielle Energie gegenüber dem Trampolin. Beim Fall wird diese potenzielle Energie in kinetische Energie umgewandelt. Das Trampolin wird elastisch verformt und wirkt so, dass die Person wieder nach oben geschleudert wird. Dabei wird kinetische Energie in potenzielle Energie umgewandelt. Da bei diesem Vorgang nur wenig mechanische Energie in thermische Energie umgewandelt wird, erreicht die Person nach dem Energieerhaltungssatz der Mechanik näherungsweise wieder die gleiche Höhe.
(2) Geschwindigkeit beim freien Fall
Eine Person springt aus 5 m Höhe ins Wasser. Mit welcher Geschwindigkeit trifft sie auf der Wasseroberfläche auf?
Analyse:
Die Person besitzt zunächst potenzielle Energie. Diese wird beim
Sprung fast vollständig in kinetische Energie umgewandelt. Die Reibung
(Luftwiderstand) kann in diesem Fall vernachlässigt werden.
|
Gesucht: |
v h = 5 m |
Lösung:

Ergebnis:
Eine Person, die aus 5 m Höhe springt, trifft mit einer Geschwindigkeit
von 36 km/h auf der Wasseroberfläche auf.
Beachte: Die Geschwindigkeit ist unabhängig davon, ob die Person
eine große oder eine kleine Masse hat.
(3) Höhe bei bestimmter Abwurfgeschwindigkeit
Ein Stein wird mit einer Geschwindigkeit von 10 m/s senkrecht nach oben geworfen. Welche maximale Höhe erreicht er?
Analyse:
Die kinetische Energie des Steines wird in potenzielle Energie umgewandelt.
Im höchsten Punkt seiner Bahn ist die kinetische Energie null, die
potenzielle Energie maximal. Die Reibung kann für diesen Vorgang
vernachlässigt werden.
|
Gesucht: |
h v = 10 m/s ![]() |
Lösung:

Ergebnis:
Bei einer Abwurfgeschwindigkeit von 10 m/s erreicht der Stein eine maximale
Höhe von 5,1 m.
Beachte: Die maximale Höhe hängt nur von der Anfangsgeschwindigkeit
ab. Sie ist unabhängig davon, welche Masse der Körper hat.