


Kennzeichnung mechanischer
Wellen
Schwingungsfähige Körper oder Teilchen, die man auch als Schwinger
oder Oszillatoren bezeichnet,
können durch Kopplung mit anderen Körpern oder Teilchen Energie
erhalten und so selbst zu Schwingungen angeregt werden. Damit kann sich
ein Schwingungszustand im Raum ausbreiten. Es entsteht eine Welle. Damit
kann man definieren:
Eine mechanische Welle ist die Ausbreitung einer mechanischen Schwingung im Raum.
Bei Wellen ändern sich, ähnlich wie bei Schwingungen, physikalische Größen periodisch, z. B. die Geschwindigkeit, die Beschleunigung, die potenzielle oder die kinetische Energie. Das ist aber nicht nur zeitlich periodisch der Fall. Da sich der Schwingungszustand im Raum ausbreitet, ändern sich physikalische Größen auch räumlich periodisch. Damit kann man eine Welle allgemein auch folgendermaßen definieren:
Eine Welle ist eine zeitlich und räumlich periodische Änderung physikalischer Größen.
Beispiele für mechanische Wellen sind Wasserwellen, Schallwellen oder Erdbebenwellen. Daneben gibt es auch elektromagnetische Wellen, die durch die obige Definition ebenfalls mit erfasst werden.
Entstehung mechanischer
Wellen
Damit eine mechanische Welle entsteht, müssen folgende Voraussetzungen
erfüllt sein:
- Es müssen schwingungsfähige Körper bzw. Teilchen vorhanden
sein.
- Zwischen den Körpern bzw. Teilchen müssen Kräfte wirken;
es muss also eine kräftemäßige Kopplung vorhanden sein.
- Mindestens einer der Körper bzw. Teilchen muss zu Schwingungen
angeregt werden, d. h. es muss Energie zugeführt werden.
Das Entstehen einer Welle lässt sich gut am Beispiel gekoppelter
Federschwinger (Bild 2) oder gekoppelter Fadenpendel verfolgen: Regt man
einen Schwinger an, so erfolgt durch die Kopplung der Schwinger eine Energieübertragung
auf den nächsten Schwinger, von diesem wieder auf den nächsten
usw. Die Schwingung breitet sich im Raum aus.
Mit der sich ausbreitenden Schwingung erfolgt eine Energieübertragung.
Das ist ein wichtiges Kennzeichen mechanischer Wellen. Allgemein gilt:
Mit einer mechanischen Welle wird Energie übertragen, jedoch kein Stoff transportiert.
Besonders deutlich zeigt sich dieser Energietransport
bei Schallwellen und bei Wasserwellen: Durch Schallwellen wird Energie
von einer Schallquelle zu unseren Ohren übertragen. Wir nehmen Töne,
Klänge, Geräusche oder einen Knall wahr. Die Energie von Wasserwellen
kann man besonders bei Sturm am Meer feststellen.
Arten mechanischer
Wellen
Schwingungszustände können in unterschiedlicher Richtung verlaufen
und sich in verschiedener Weise ausbreiten. Danach unterscheidet man verschiedene
Arten von mechanischen Wellen.
Nach dem Verhältnis von Schwingungsrichtung
der einzelnen Schwinger und Ausbreitungsrichtung
der Welle zueinander unterscheidet man zwischen Längswellen (Longitudinalwellen),
Querwellen (Transversalwellen) und Kreiswellen (Bild 3).
Bei Längswellen oder Longitudinalwellen (Bild 3) stimmen die Schwingungsrichtung der einzelnen Schwinger und die Ausbreitungsrichtung überein. Beispiele für Longitudinalwellen sind Schallwellen und ein Teil der Erdbebenwellen, die sogenannten P-Wellen. Ihr Zustandekommen in Gasen und Flüssigkeiten lässt sich damit erklären, dass in diesen Stoffen nur sehr geringe Kohäsionskräfte wirken und die schwingungsfähigen Teilchen vorrangig über Stöße wechselwirken. Damit kann die Ausbreitung eines Schwingungszustandes nur in Schwingungsrichtung erfolgen.
Bei Querwellen oder Transversalwellen (Bild 3) verlaufen Schwingungsrichtung und Ausbreitungsrichtung senkrecht zueinander. Beispiel dafür sind Seilwellen und ein Teil der Erdbebenwellen, die sogenannten S-Wellen. Solche Transversalwellen entstehen vorrangig in Festkörpern. Ursache dafür sind die starken Kohäsionskräfte, die zwischen den Teilchen dieser Körper wirken und die auch transversale Bewegungen übertragen können.
Eine spezielle Form von Wellen sind Kreiswellen,
bei denen sich die schwingungsfähigen Teilchen auf Kreisbahnen bewegen
(Bild 3). Für das wellenförmige Erscheinungsbild ist die Bewegungskomponente
senkrecht zur Ausbreitungsrichtung entscheidend. Man spricht deshalb mitunter
auch von speziellen Transversalwellen. Ein typisches Beispiel für
Kreiswellen sind Wasserwellen. Ursachen für das Zustandekommen solcher
Wellen sind die wirkenden Kohäsionskräfte (Oberflächenspannung)
in Verbindung mit der Schwerkraft.
Nach der Art der Ausbreitung im Raum unterscheidet
man bei mechanischen Wellen zwischen linearen Wellen, ebenen Wellen und
räumlichen Wellen (Bild 4).
Lineare Wellen sind dadurch
gekennzeichnet, dass sich die Wellen nur in einer Raumrichtung ausbreiten.
Regt man z.B. einen Stab zu Längsschwingungen an, so breiten sich
diese als Longitudinalwellen durch den Stab hindurch aus.
Ebene Wellen breiten sich
zweidimensional aus, wie das z.B. bei Wasserwellen auf der Oberfläche
eines Teiches der Fall ist. Man spricht deshalb auch von Oberflächenwellen.
Räumliche Wellen
sind dadurch gekennzeichnet, dass sich der Schwingungszustand von einer
Quelle aus in alle Raumrichtungen ausbreitet, also eine dreidimensionale
Ausbreitung erfolgt. Das ist bei Schallwellen, die von einer Schallquelle
ausgehen, häufig der Fall.
Die verschiedenen Möglichkeiten der Beschreibung
mechanischer Wellen sind in einem gesonderten Beitrag auf der CD dargestellt
und unter dem Stichwort "Beschreibung mechanischer Wellen" zu
finden.